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Bamberg
Medizinische Versorgung

Todkranke auf holprigen Wegen

Umständlich im Krankenwagen oder Fahrt über einen Holperweg: Die Anbindung der Palliativstation an das Klinikum am Bruderwald ist alles andere als optimal.
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Über diesen Pflasterweg im Freien werden Schwerstkranke vom Klinikum am Bruderwald in die Palliativstation transportiert, sofern nicht ein Krankentransportwagen eingesetzt wird.  Foto: Barbara Herbst
Über diesen Pflasterweg im Freien werden Schwerstkranke vom Klinikum am Bruderwald in die Palliativstation transportiert, sofern nicht ein Krankentransportwagen eingesetzt wird. Foto: Barbara Herbst
Bamberg Wolfgang Rottmann ist noch immer fassungslos: Als sein schwerkranker Vater kurz vor dem Sterben in die Palliativstation gebracht werden sollte, wurde er auf einer Krankenliege über den holprigen, damals teilweise mit Schnee und Splitt bedeckten Pflasterweg vom Klinikum am Bruderwald zur Palliativstation gerollt. Der Weg ist schätzungsweise 70 Meter lang.
Der inzwischen verstorbene ältere Herr, der bis zuletzt bei vollem Bewusstsein war, litt nach Angaben seines Sohnes unter schier unerträglichen Schmerzen, auch vom langen Liegen. Was seinem Vater zugemutet worden sei, sei die reinste Tortur gewesen, berichtet er.


Gegen Auto entschieden

Wolfgang Rottmann wurde mehr oder weniger zufällig Zeuge dieses nach seinem Empfinden unwürdigen Transports: Er hatte gerade seinen Vater besucht als die Verlegung anstand. Rottmann ist davon überzeugt, dass viele Bamberger gar nicht ahnen, was todkranken Angehörigen bei der Überführung in die Palliativstation zugemutet wird, denn auch die Alternative, die Patienten mit dem Krankentransport zu überführen, sei alles andere als optimal.
Sein Vater und er haben sich übrigens bewusst gegen das Krankenfahrzeug entschieden, weil das Ein- und Ausladen in den Wagen ebenfalls große Schmerzen verursacht hätte. Außerdem, so gibt Rottmann zu bedenken, müsse der Krankentransporter zur Palliativstation einen unverhältnismäßig langen Weg über die Straße nehmen und stehe in dieser Zeit nicht für wichtigere Aufgaben zur Verfügung. "Die Situation ist also in zweierlei Hinsicht katastrophal."
Über seine Beobachtungen und seine Kritik hat er mit Beschäftigten der Palliativstation gesprochen und erfahren, dass es eine unterirdische Verbindung vom Klinikum zur Palliativstation gibt. Allerdings dürfe diese nur für den Transport leerer Betten und Material genutzt werden, nicht aber für Patienten.
Rottmann kann das nicht verstehen und hält das für einen Planungsfehler beim Bau der Palliativstation: In seinen Augen wäre der Tunnel oder aber eine Überdachung des jetzigen Pflasterwegs, der dann noch einen glatten Bodenbelag bekommen müsste, die einfachste und schonendste Möglichkeit für schwerkranke Patienten, vom Klinikum in die Palliativstation zu kommen. "Die 60 oder 70 Meter sind keine unüberbrückbare Dimension."
Aber wie stehen die Chancen für den Vorschlag von Wolfgang Rottmann? Die Sozialstiftung macht ihm keine Hoffnung, dass sich an der derzeitigen Situation etwas ändern werde. Pressesprecher Martin Schmalz schreibt auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Patiententransport vom Klinikum am Bruderwald in die Klinik für Palliativmedizin "prinzipiell mit Hilfe eines Krankentransports" erfolge. Nur im Ausnahmefall werde die Verlegung über den nicht überdachten Weg vorgenommen.


Gegen Verbindungsgang

Selbstverständlich sei man bemüht, den Transport der Patienten in die Palliativklinik in beiden Fällen so schonend wie möglich zu gestalten. Dem Vorschlag von Rottmann, den vorhandenen Tunnel zu nutzen, erteilt die Sozialstiftung aber eine klare Absage.
"Die Überführung der Patienten durch den verbindenden Versorgungstunnel ist keine Option, da dieser teils mit Treppen versehen und ausschließlich für den Gütertransport vorbehalten ist."
Schließlich betont Schmalz, dass die Frage des Patienten-transports bei der Einrichtung der Palliativstation nicht etwa vergessen worden sei: "Bei der Entstehung des Palliativ-Gebäudes stand das Patientenwohl im Vordergrund und damit auch die Überzeugung, die jeweiligen Patienten am Lebensende nicht mehr mit intensiven Diagnostiken zu belasten. Deshalb haben sich die Hospiz- und Palliativverantwortlichen damals gegen einen direkten unterirdischen Verbindungsgang entschieden."
Wolfgang Rottmann hat dafür durchaus Verständnis, fragt sich aber, ob eine Entscheidung, die einmal aus gut nachvollziehbaren Gründen getroffen worden ist, ewig Bestand haben muss, wenn sich die Erkenntnisse ändern. In Anbetracht der aktuellen Großbaumaßnahmen am Klinikum wären die Kosten für die Überdachung des Weges ja sicher nur "Peanuts".

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