Bamberg
Erinnerung

Tod durch K.o.-Tropfen: Bamberger Rapper gedenkt Freund

André Wedel ist Rapper bei der Bamberger Band Kellerkommando. Als Solokünstler hat er ein bewegendes Lied geschrieben: Vor einem Jahr ist einer seiner besten Freunde gestorben. An Heiligabend. Eine Abschiedsgeschichte.
Artikel drucken Artikel einbetten
André Wedel hat in seinem Lied "Jahrestag" den Tod seines Freundes thematisiert. "Ich hatte es null verarbeitet", sagt Wedel über den plötzlichen Verlust. "Der Song war ungeplant. Das hat das Schicksal gemacht."  Foto: Andreas Birk
André Wedel hat in seinem Lied "Jahrestag" den Tod seines Freundes thematisiert. "Ich hatte es null verarbeitet", sagt Wedel über den plötzlichen Verlust. "Der Song war ungeplant. Das hat das Schicksal gemacht." Foto: Andreas Birk
Sie kannten sich schon, seitdem sie Kinder waren: F. und André. Als sie Mitte 20 sind, gründen die beiden Freunde eine Wohngemeinschaft in der Wunderburg in Bamberg. Alles ist gut, sie feiern und helfen sich. F. unterstützt André dabei, das Abi zu bestehen. "Wir haben alles geteilt", sagt André Wedel. Doch dann kommt dieser eine Tag im Dezember vor einem Jahr, ab dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Denn F. starb, als er gerade einmal 27 Jahre alt war. "Nie zu alt sein, um jung zu sterben, diese Worte haben Wahres, mein Freund, ich glaub, du hast sie einfach falsch verstanden, im Dezember letzten Jahres!", rappt Wedel, der sich als Musiker A.D.S nennt. In seinem Lied, das er für einen Musikwettbewerb geschrieben hat, setzt er sich mit dem dramatischen Tod seines Kumpels auseinander. In "Jahrestag" erinnert er an die Szenen, die er vor einem Jahr hautnah miterlebt hat, an deren Ende der Tod an Heiligabend steht.


An GBL gestorben

Sein Freund starb an einer Überdosis mit Gammabutyrolacton (GBL), auch K.o.-Tropfen genannt. Ob F. ganz genau wusste, was er da trank, als er die Flasche ansetzte, keiner weiß es. Vor ein paar Wochen hat es deshalb eine Gerichtsverhandlung gegeben, bei der ein 24-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Er hatte die Flasche GBL mitgebracht, ist selbst hochgradig süchtig. Das Teufelszeug hat F.s Leben ein Ende gesetzt. Und André Wedel kommt zu spät, um das zu verhindern.



Es war in der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 2014. Wedel arbeitet nebenbei in der Kneipe "Plattenladen" in der Sandstraße. Dort sieht er kurz seinen Freund: Dieser ist gut drauf, hatte getrunken. Er kommt von einer Weihnachtsfeier. Wedel gibt ihm einen Schnaps aus. Die kurze Begegnung wird die letzte zwischen den beiden sein, doch das wissen sie zu dem Zeitpunkt nicht. Wedel rappt, als ob es eine Vorahnung gibt: "Wisch den Tresen wie die Tränen, die noch fließen werden." Um 5 Uhr schließt er die Kneipe zu, fährt nach Hause mit dem Fahrrad durch die Stadt.


Die Party ist vorbei

Als der Musiker an seiner Wohnung ankommt, sieht er Licht in F.s Zimmer. "Er ist wach", denkt sich Wedel. Doch das ist er nicht. Sein Freund liegt bewusstlos im Zimmer - die Überdosis GBL. Wedel ruft den Notarzt, die Party, die in der Wohnung im Gange war, wird aufgelöst.

"Alles nur ein Traum, ich wach wieder auf?", fragt sich der Musiker in seinem Lied für seinen Freund. Doch das ist bittere Realität. Vier Tage später ist sein Freund tot.

Die Beerdigung kommt, Wedel fährt von dort direkt zum Snowboarden nach Österreich. "Ich musste weg!" Danach reist er umher. Besucht die USA - und dachte, er hat das alles überwunden - , doch das hatte er nicht. Denn dann kam der Musikwettbewerb, bei dem er teilnahm, in der Hoffnung, einen Plattenvertrag zu gewinnen. Das Lied, das ihn fast zum Vertrag führen sollte, wird "Jahrestag" sein.


Da muss was raus

In diesem November schreibt er den Song. Komplett in einer Nacht. Da muss was raus. "Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich das alles unter den Tisch gekehrt habe." Er habe den Verlust bis dahin "null verarbeitet", wie Wedel sagt. Das Lied sollte auch ihm helfen. Und er glaubt, dass sein Kumpel F. das gut gefunden hätte: "Ich weiß, dass er das Lied feiern würde, weil es mich voranbringt." Wenn es auch mit dem Plattenvertrag nicht auf Anhieb geklappt hat, als Künstler habe es ihm eine neue Richtung gegeben. Er habe gemerkt, dass er Geschichten erzählen kann.

Und dann liegt dem 27-Jährigen noch eine Sache am Herzen - denn das Lied soll vor allem zeigen: "Du wirst nicht vergessen", sagt er zu F., der Weihnachten 2015 nicht mehr da ist. "Das Leben leben heißt, wir geben es nicht her für die, die es nicht konnten, deshalb umso mehr!", rappt sein Freund André und hält ihn so in Gedenken.

 

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren