Bamberg

Theresianum: Schüler und Lehrer wollen um den Erhalt kämpfen

Besucher, Lehrer und Ehemalige des Bamberger Theresianums hoffen, dass über die Schließung der Schule noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Der Träger hat ein erstes Zugeständnis gemacht.
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Überall auf dem Schulgelände des Theresianums in Bamberg hängen Plakate und Hilferufe wie diese. Foto: Kerstin Puttke
Überall auf dem Schulgelände des Theresianums in Bamberg hängen Plakate und Hilferufe wie diese. Foto: Kerstin Puttke
"Wenn Sie diesen Brief erhalten, verbreiten sie ihn! Wenn Sie sich für den Erhalt der Schule einsetzen wollen, werden Sie aktiv! Jede Hilfe ist willkommen. Noch ist unsere Sache nicht verloren."

Kampfgeist spricht aus dem Brief, den die Schulfamilie des Theresianum an alle Ehemaligen geschrieben hat. Anlass ist die Hiobsbotschaft des Schulträgers die in den Pfingstferien öffentlich wurde: Die deutsche Karmeliten-Provinz hat das Aus für das Theresianum beschlossen - ungeachtet der großen Nachfrage, die die Schule und der dort mögliche zweite Bildungsweg zum Abitur auch für Hauptschulabsolventen erfährt. 60 Anmeldungen liegen allein für das kommende Schuljahr 2015/2016 vor.

Sah es zunächst so aus, als ob diese Interessenten nicht mehr zum Zuge kämen, hat es sich die Ordensleitung nun überlegt: Das Theresianum soll nun statt in drei erst in vier Jahren geschlossen werden, so dass alle Frauen und Männer dort noch das Abitur ablegen können, die eine entsprechende Zusage haben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dieses Zugeständnis lässt Lehrer und Schüler hoffen, dass über das Aus für das Theresianum noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Sie wollen das einzige Spätberufenen-Gymnasium in Oberfranken jedenfalls nicht kampflos aufgeben.

Im ganzen Schulhaus hängen am zweiten Tag nach den Pfingstferien Plakate, auf denen zur Rettung der Schule aufgerufen wird. Im Namen aller Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer ist ein Rundbrief an etwa 1700 Ehemalige verschickt worden. Auf der Internet-Plattform Facebook läuft bereits die Aktion "rettetdastheres".

Eine Vielzahl von Leserbriefen und Internet-Kommentaren auch auf in-franken.de belegen das hohe Ansehen, das die Bildungsstätte am Karmelitenplatz genießt. Am Dienstag griffen die ersten überregionalen Medien das Thema auf, das in Bamberg die Gemüter erhitzt, seit der Fränkische Tag am 3. Juni über die einschneidende Entscheidung der Ordensprovinz berichtet hat.

So getrübt die Stimmung bei Schülern wie Lehrern ist - ans Aufgeben scheint niemand zu denken. Das berichten der stellvertretende Schulleiter Stephan Reheuser und Reinhard Schenkel, der Vorsitzende der Mitarbeiter-Vertretung.

Gleich am ersten Tag nach den Ferien wurde ein Raum zu einem so genannten Koordinationszentrum erklärt. Dort treffen sich jetzt in den Pausen und nach dem Unterricht alle, die eine Idee haben, die zur Rettung der Schule beitragen könnte.

Angeschrieben und um Unterstützung gebeten hat man bereits die Bamberger Schulräte und den für die Gymnasien in Oberfranken zuständigen Ministerialbeauftragten Edmund Neubauer, berichtet Reheuser.

Neubauer hatte das Theresianum bei dessen 60-Jahr-Feier 2006 als "Schmuckstück im Kranz der oberfränkischen Gymnasien" bezeichnet. Das gelte auch heute noch, ließ er auf Anfrage über sein Büro mitteilen.

Aus Sicht der fachlichen Leiterin der Staatlichen Schulämter in Stadt und Landkreis Bamberg, Barbara Pflaum, ist das Theresianum "keinesfalls entbehrlich". Es sei vielmehr "eine sehr gute Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, die aus unterschiedlichen Gründen die allgemeine Hochschulreife etwas später als andere anstreben, in einer Schule mit sehr guter Atmosphäre zum Abitur zu kommen".

Mit "Quali" zum Abitur

Das Theresianum ist das einzige Gymnasium in Oberfranken, das Schüler mit dem "Quali" aufnimmt und in vier Jahren zur allgemeinen Hochschulreife führt. "Meine Kollegen und ich bedauern die Schließung außerordentlich, sie macht Bambergs Schullandschaft ärmer", so Pflaum.

Was sie allerdings auch deutlich macht: Die Bartolomeo-Garelli-Förderschule der Salesianer Don Bosco, die als künftige Mieter des Theresianums im Gespräch sind, hält die Fachfrau für ebenfalls unverzichtbar in der Schullandschaft. Die Förderschule fände im vor wenigen Jahren für viel Geld sanierten Theresianum ausreichend Platz und beste Bedingungen.

Freilich ist es genau diese Tatsache, die von der Schulfamilie nun heftig kritisiert wird: Weil der Schulträger bereits eine Folgenutzung für die Gebäude im Blick hat, wird ihm mangelnde Transparenz vorgeworfen und spekuliert: Womöglich sei das Aus für das Theresianum ja schon viel länger beschlossen als offiziell gesagt werde . . .

Laut Provinzial Pater Dieter Lankes fiel die Entscheidung, das Theresianum "auslaufen" zu lassen, in der Woche nach Pfingsten im Leitungsgremium der deutschen Ordensprovinz. Als Hauptgründe nannte er die schlechter werdenden finanziellen und personellen Möglichkeiten des Ordens.

Beide Argumente lassen die Schüler und Lehrer nicht gelten. Erstens hat sich die Finanzierung der Schule nach ihrem Wissen nicht verschlechtert, so dass es keinen akuten Handlungsbedarf gebe. Zweitens, so sagen sie, könne auch ein Externer eines Tages dem jetzigen Schulleiter, Pater Roland Hinzer, nachfolgen.

Mitarbeiter-Vertreter Schenkel setzt seine Hoffnungen in einen Appell, den er an den Schulträger richten und bitten will, den Beschluss zur Schließung außer Vollzug zu setzen. Sein Hauptargument ist: Er glaubt, dass viele, die beim Provinzkapitel über das Aus für die Bamberger Traditionsschule mitentschieden haben, gar nicht um deren Bedeutung für das Bildungsangebot in Oberfranken wüssten.

Nur wenig Hoffnung, dass das Theresianum noch eine Zukunft haben könnte, hegt dagegen Bezirkstagspräsident Günther Denzler, selbst ein Ehemaliger und Vorstandsmitglied im Freundeskreis. Nach seinen Worten gab es schon länger Gespräche und intensive Bemühungen, die Bistümer Bamberg und Würzburg als Träger mit ins Boot zu holen. Er bedauert sehr, dass dies nicht gelungen ist.
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