Bamberg

Theater im Denkmal: Premiere im Aufseßhöflein im Mai

Bambergs jüngste Kulturstätte liegt in der Nordflur: Im historischen Aufseßhöflein wird im Mai erstmals Theater gespielt und im Sommer Musik erklingen.
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Das Szenenfoto entstand bei einer Probe im Stucksaal des Aufseßhöfleins. Es zeigt Peter Bachsteffel als Georg Friedrich Händel (links) und Michael Kerling als Johann Sebastian Bach Foto: Gangolfer Kreuzgangspiele
Das Szenenfoto entstand bei einer Probe im Stucksaal des Aufseßhöfleins. Es zeigt Peter Bachsteffel als Georg Friedrich Händel (links) und Michael Kerling als Johann Sebastian Bach Foto: Gangolfer Kreuzgangspiele
Im September werden Andrea und Stefan Fiedler mit geladenen Gäste die Einweihung des dann fertig sanierten Aufseßhöfleins feiern. Schon vorher öffnen die Eigentümer das romantische Einzeldenkmal in der Nordflur für Theater- und Musikfreunde: Am 1. Mai erlebt der barocke Stucksaal im ersten Stock seine Premiere als neue Bamberger Kulturstätte.

Weil sie mit den Eigentümern befreundet sind, haben Ensemble-Mitglieder der Gangolfer Kreuzgangspiele die Ehre, als Allererste in dem noch nicht ganz fertig restaurierten Saal aufzutreten: Am 1. Mai und drei weiteren Abenden (2., 6. und 7. Mai, jeweils 20 Uhr) spielen sie dort die Komödie "Mögliche Begegnung".


Passendes Stück gesucht

Das Drei-Personen-Stück handelt von einem fiktiven Treffen zwischen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Die Wahl des Ensembles fiel nicht von ungefähr auf diese Komödie, sagt Peter Bachsteffel, der darin den Händel verkörpert.

Man habe etwas für kleine Besetzung gesucht, weil der Platz beschränkt ist. Und der Stoff sollte zum Auftrittsort passen. Mit der Komödie von Paul Barz scheinen die Gangolfer Schauspieler das ideale Stück ausgegraben zu haben: Bach und Händel waren Zeitgenossen von Philipp Friedrich von Aufseß, der sich das Sommerschlösschen in den Jahren 1723 bis 1728 erbauen ließ. Kostüme und Musik dürften ideal in den barocken Rahmen passen.


Motto lautet "klein, aber fein"

Nur Veranstaltungen, die dem Charakter des architektonischen Kleinods entsprechen, wollen die Hausbesitzer ausrichten: "Es soll ja was Besonderes sein", sagt Andrea Fiedler. Fest gebucht haben sie und ihr Mann bereits eine Kammerkonzert-Reihe mit den "Rubin Chamber Players", die am 25. Juli beginnen wird.

Wenigstens sechs kulturelle Veranstaltungen pro Jahr werden im sonst privaten Aufseßhöflein stattfinden. Das sieht ein Vertrag vor, den die Eigentümer mit dem Kulturamt der Stadt geschlossen haben. Es ist quasi die Gegenleistung der Denkmal-Besitzer für die finanzielle Hilfe, die die Oberfrankenstiftung zur Rettung des Objekts beigetragen hat.

Beim Aufseßhöflein handelt es sich um ein hochkarätiges Denkmal mit einer einmaligen Stuckausstattung. Wegen seiner Bedeutung für die oberfränkische Denkmallandschaft gab es für die Sanierung des Hauses reichlich Fördergelder. Die Instandsetzung und Restaurierung nach allen Regeln der Kunst verschlingt voraussichtlich 1,7 Millionen Euro - die erbrachte Eigenleistung der Eigentümer, Angehörigen und Freunde nicht mitgerechnet.


Als Ruine gekauft

Als Familie Fiedler das Haus um die Jahreswende 2010/2011 erwarb, befand es sich in einem ruinösen Zustand. Von Anfang an war es ein erklärtes Ziel der neuen Besitzer, das Aufseßhöflein später behutsam für eine interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein ständiger Café-Betrieb verbat sich schon deshalb, weil für eine professionelle Bewirtschaftung zu viele Eingriffe in die historische Substanz erforderlich gewesen wären. Deshalb soll es bei der gelegentlichen Nutzung des Saals bleiben.

Was dort geht und funktioniert, soll das Jahr 2015 zeigen. Fiedlers verstehen die nächsten Monate als eine Art Testphase. Das Ehepaar bewohnt schon seit Monaten das Erdgeschoss, konnte aber noch keine praktischen Erfahrungen mit dem Einzeldenkmal als Veranstaltungsort sammeln.

Eine offene Frage ist zum Beispiel die der Erreichbarkeit: Es gibt zwar Parkplätze, aber nicht genug für die 40 bis 45 Besucher, die der Saal maximal fasst.
Außerdem sind die Fiedlers gespannt, mit welchen Ideen und Vorschlägen Kulturschaffende und Privatpersonen auf sie zukommen werden.
Das Interesse an dem Denkmal, das sich seit 2011 von einer Ruine zum neuen Blickfang in der Nordflur gemausert hat, scheint riesengroß zu sein: "Es kommen so viele Leute und wollen rein!" berichtet die Hausherrin. Beim "Tag des offenen Denkmals" im September 2014 waren die Bewohner vom Ansturm fast überrannt worden: Es kamen nicht weniger als 4000 Besucher.


Demnächst auch Trauungen

Auf Initiative von Andrea Fiedler geht die "standesamtliche Zulassung" für das Aufseßhöflein zurück. Abhängig vom Fortschritt auf der Noch-Baustelle können sich Paare voraussichtlich ab Mitte des Jahres in dem Schlösschen das Ja-Wort geben. Und zwar jeweils Donnerstagnachmittag.

Das Einzeldenkmal ist damit - neben dem Standesamt im Rathaus Maxplatz, dem Rokokosaal im Alten Rathaus, der Katharinenkapelle in der Alten Hofhaltung und der Galerie im Palas der Altenburg - das erste private Anwesen in Bamberg, in dem Trauungen möglich sind.


Kartenvorverkauf für "mögliche Begegnung" läuft

Karten für die Komödie "Mögliche Begegnung", die am 1., 2., 6. und 7. Mai im Stucksaal gezeigt wird, gibt es im Vorverkauf bei Betten Friedrich, Obere Königstraße 43 (Telefon 27578). Weitere Vorstellungen folgen am 9. Mai im Pfarrheim St. Josef Gaustadt und am 10. Mai im Pfarrheim am Gangolfsplatz.


Das Wichtigste zur Geschichte des Aufseßhöfleins

Das Aufseßhöflein (1723-1728) erlebte nur eine kurze Blütezeit. Erbauen ließ es sich Philipp Friedrich von Aufseß. Schon 1778 begann der Ausverkauf des Mobiliars. 1833 kam das Anwesen in den Besitz der Landwirts-Familie Leumer, die es bis in die 1980er Jahre bewohnte. Weil in der ganzen Zeit fast nichts investiert und modernisiert wurde, blieb zwar viel historische Substanz erhalten. Das Gebäude befand sich aber in einem erbärmlichen Zustand, als es Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Immobilienmarkt landete. 2010/2011 nahm sich das Bamberger Ehepaar Andrea und Stefan Fiedler des Einzeldenkmals an. Es erwarb das Anwesen und begann mit der Sanierung.

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