Bamberg
Premiere

"The Purple Rose of Cairo" als Film und Theaterstück im Odeon-Kino

Mit der "Purple Rose of Cairo" im Odeon-Kino hat das Theater im Gärtnerviertel sein vorläufiges Meisterstück abgeliefert.
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Ménage à trois: Cecilia (Heidi Lehnert) zwischen Ehemann Monk (li.) und Traumpartner Tom Baxter (Benjamin Bochmann)  Foto: Werner Lorenz
Ménage à trois: Cecilia (Heidi Lehnert) zwischen Ehemann Monk (li.) und Traumpartner Tom Baxter (Benjamin Bochmann) Foto: Werner Lorenz
Ja, da schau her! Dass die freie Theatertruppe unter Nina Lorenz viel kann, hat sie bewiesen und wusste man. Aber mit der aktuellen Produktion "The Purple Rose of Cairo" nach Woody Allen in einer Fassung von Gil Mehmert hat sie sich selbst übertroffen.
Brauchte Kathrin Röggla zwei Tage zuvor noch ein hoch theoretisches Instrumentarium, um die Grenzen zwischen Realität und Fiktion abzustecken, schaffte das TiG Ähnliches ungezwungen und spielerisch - mit einer immensen handwerklichen Leistung, in jeder Beziehung. Denn die Interaktion zwischen Figuren auf der Leinwand und den realen Spielern fordert absolute Präzision von den Schauspielern, und die Filmsequenzen (Leitung ebenfalls Nina Lorenz, Kamera Klaus Barnickel) mussten in Kameraführung, Dialogen und Regie mit den Spielszenen verzahnt werden.


Wege aus dem banalen Leben

Verwirrt? Auch eine kurze Schilderung des Inhalts der "Purple Rose" könnte einen kleinen Hirnschwurbel verursachen - doch keine Angst, die Handlung erschließt sich ganz leicht. Es geht, wie sich aus den beiden Spielstätten Odeon-Kino und Odeon-Kino-Hof schon erschließt, um Realität und Illusion, ums traurige Leben und Eskapismus in seiner reinsten Form. Die Kellnerin Cecilia (Heidi Lehnert) erträgt ihr banales Dasein mit schikanösem Chef (auch in vielen anderen Rollen wieder der grandiose Stephan Bach) samt einem Tunichtgut als Ehemann (ebenfalls in anderen Rollen Martin Habermeyer) nur durch exzessiven Kinobesuch. Ihr Lieblingsfilm: "The Purple Rose of Cairo" mit dem Hauptdarsteller Tom Baxter, "Poet, Forscher, Abenteurer" (Benjamin Bochmann). Groß ist ihre Begeisterung, als dieser Tom Baxter aus dem Film heraussteigt und sich eine zarte Liaison entspinnt ... Doch halt, da sind noch die Filmkollegen des schneidigen Helden, die ohne den nicht mehr weiterspielen können. Und was machen die Kinobesitzer und der Produzent? Die schicken den Baxter-Darsteller Gil Shepard - naturgemäß ebenfalls von Benjamin Bochmann gespielt. Wird Cecilia mit ihm in Hollywood ein anderes, schöneres Leben finden?
Das wird hier nicht verraten. Bis zur Auflösung gilt es zwei köstliche Stunden zu genießen. Da ist zunächst einmal der Film, der ingeniös New-York- und Bamberg-Passagen ineinander schneidet (schon der Vorspann mit den anglisierten Namen der TiG-Protagonisten ist ein Genuss). Zu erleben ist das halbe "alte" Ensemble des E.T.A.-Hoffmann-Theaters mit Elena Weber, Felix Pielmeier, Gerald Leiß, dazu Ursula Gumbsch und Olga Seehafer, mit Aline Joers in einer grandios witzigen Nachtklubszene als Femme fatale Kitty Haines im Duett mit Werner Lorenz. Gedreht wurde u. a. im Krackhardt-Haus am Maxplatz.
Dann das Spiel realer Personen, die immer mal wieder mit denen auf der Leinwand kommunizieren. Doch auch beim puren Theater sind glanzvolle Szenen darunter: ein Zweikampf, Stephan Bach als einarmiger Bandit, Martin Habermeyer als Nachoverkäufer, eben dieser und Stephan Bach als Huren-Duo Polly und Sheilagh, jede Menge schön ironische Filmküsse ... man weiß gar nicht, wo man beginnen und aufhören soll. Dass das enge Ambiente dann auch noch effizient und pointiert genutzt wird, dass insbesondere auch die Musikauswahl durch Jakob Fischer - meist Old-Time- bis ambitionierter Jazz - diesmal perfekt zur Inszenierung passt: Chapeau! Zwei Stunden Unterhaltung, aber es ist eine Unterhaltung nicht ohne Tiefgang.

Termine und Karten

Weitere Vorstellungen
28., 29., 30. Juni, 5., 7., 11., 12., 13. Juli Dauer ca. zwei Stunden, eine Pause Karten Betten-Friedrich, Obere Königstr. 43, Tel. 27578, oder bvd, Tel. 9808220
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