Bamberg
Heinrichsfest

Tausende pilgerten zum Domberg in Bamberg

Das dreitägige Diözesanfest zu Ehren des heiligen Bistumspatrons Heinrich bot von Anbetung bis Zucchini ein buntes Programm. Besonderer Magnet waren die Ordensleute, die im Jubiläumsjahr "1000 Jahre Kloster Michaelsberg" im Zentrum des Treibens standen.
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Biker Wolfgang Pfister kam mit seiner neuen Maschine zum Motorradgottesdienst. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Biker Wolfgang Pfister kam mit seiner neuen Maschine zum Motorradgottesdienst. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Im ersten Moment zuckten die Zuhörer erschrocken zusammen. "Unsere Zukunft ist schwarz!" hatte Comboni-Provinzial Karl Peinhopf von der Domplatzbühne gerufen. Doch dann gab der Pater Entwarnung: "Unser Ordensnachwuchs kommt aus Afrika", also von dort, wo einst europäische Missionare das Evangelium verbreitet hatten.

Christoph Gahlau, Moderator dieser Talkrunde mit Ordensoberen und Erzbischof Ludwig Schick setzte noch eines drauf in Sachen "Gegenverkehr": Die Benediktinerabtei Keur Moussa in Bambergs senegalesischem Partnerbistum Thiès wisse aus Platzgründen gar nicht "wohin mit den vielen Mönchen. Könnte da nicht der Michelsberg wieder neu mit einigen von ihnen belebt werden?" Ob dieser Aussicht strahlte der Erzbischof: "Ich würde sie sofort ansiedeln, wer kommt, ist willkommen!"

Mehr als willkommen waren auch die vielen Ordensmänner und -frauen aus den verschiedenen Konventen im Erzbistum Bamberg, die beim dreitägigen Heinrichsfest im Zentrum des quirligen Treibens mit Tausenden Besuchern standen. "Weltgewandt & himmelswärts" lautete das Motto des Diözesanfestes zu Ehren des heiligen Bistumspatrons Heinrich, das im von Papst Franziskus für das Jahr 2015 ausgerufene Jahr der Orden auch noch einen regionalen Bezug hat, nämlich "1000 Jahre Kloster Michaelsberg" und damit auch ein Jahrtausend Ordensleben in Bamberg.

Festgottesdienst auf dem Domplatz

"Ordenschristen sind ein Stachel im Fleisch der Kirche und exemplarische Vorbilder, um alle Getauften anzuspornen, ihre Taufgnade zu leben", hob Erzbischof Schick im sonntäglichen Festgottesdienst auf dem Domplatz die Bedeutung des Ordenslebens hervor. Ordensleute könnten dabei helfen "authentisch und aktiv, zugleich weltgewandt und himmelwärts zu leben", so der Prediger.

Bodenhaftung und einen glühenden Draht zum Schutzengel brauchte etwa auch Wolfgang Pfister am Samstagnachmittag, als er mit seiner funkelnagelneuen "BMW-1200 RS"-Maschine aus Bischberg zum traditionellen Motorradgottesdienst anbrauste. "Ich will die Atmosphäre genießen und andere Biker treffen", gab sich er 62-Jährige in Motorradjeans und Handschuhen trotz sommerlicher Hitze cool. "Ich bin ein schlechter Christ", spielte Pfister den Zerknirschten, um dann von der "sehr guten Predigt über das Fränkische" zu schwärmen, die Pastoralreferent Josef Ellner, Geistlicher Beirat der Motorradgemeinschaft Jakobus, gehalten hatte.

Abkühlung bot den Bikern der Biergarten in der Alten Hofhaltung, in dem die Bamberger Kolpingsfamilie für sie literweise alkoholfreien Gerstensaft ausschenkte. Derweil stieg auf der Wiese vor dem Bischofshaus die "Klosterküchen-Schnippelparty": Fleißige Ordensleute und etliche Hungrige zerkleinerten Blumenkohl, Karotten, Kohlrabi oder Lauch für eine schmackhafte Gemüsesuppe. Die Niederbronner Schwestern Marie-Konrada, Felicia und Elmine etwa hatten aus ihrer Klosterküche am Heinrichsdamm nicht nur Schneidbretter und Messer, sondern auch Schürzen mitgebracht und schnippelten wie die Weltmeisterinnen.

Ebenso meisterlich ging Bruder Bonifatius ans Werk: Der Karmelit mit seinem feschen Strohhütchen bearbeitete gekonnt eine Riesenzucchini: "Als gelernter Bäcker mache ich sonst Steinofenbrot oder in der Weihnachtszeit Stollen", plauderte er als Hahn im Korb munter los.

MIthilfe des Oberhirten

Diese Rolle musste Bruder Bonifatius mit dem Erzbischof tauschen, der sich dazugesellte und flugs ein Messer in die Hand gedrückt bekam. Selbst der Oberhirte verdiente sich sein Essen durch fachkundige Mithilfe - untermalt von der "Küchenband: Better look at the cook", die den passenden Sound für die Party lieferte.

Verschiedene Chöre und weitere Bands sorgten ohnehin für weiteren Hörgenuss am Fest. Vor allem die "Blaskapelle Uetzing" war unermüdlich. Ebenso unverdrossen verbreiteten die Klosterbrüder- und schwestern im "Zentrum der Orden" auf dem sonnenheißen Domplatz gute Laune, Informationen über ihre Gemeinschaften, Zettelchen mit Bibelzitaten, selbstgebackene Plätzchen oder Melonen. "Es ist bereichernd, andere Ordensleute zu sehen, die mit auf dem Weg sind", freuten sich die drei Novizinnen der Auerbacher Schulschwestern, Klarissa, Faustina und Ancilla an ihrem Stand. Auch die indische Karmelitin Anjaly, die in einem Caritas-Altenheim in Nürnberg arbeitet, war davon angetan, mit Jung und Alt ins Gespräch zu kommen und immer wieder zu hören, welche Wertschätzung sie und die Schwestern anderer Ordensgemeinschaften aus Indien für ihren Dienst im Erzbistum erfahren.

In all dem Trubel suchten zahllose Ruhebedürftige den "Raum der Stille und der Anbetung" in der Nagelkapelle auf. Sie verharrten im stummen Gebet vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Auch Ordensfrauen knieten dort, berührten durch ihre andächtige Haltung - während im Dom selbst von Andacht wenig zu spüren war. Scharen zogen hindurch, wurden nur stiller, als Erzbischof Schick Kinder um sich sammelte. Mit einfachen Worten erklärte er den Kleinen Schönheiten und Geschichte der Kathedrale: weltgewandt und himmelwärts eben.
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