Hallstadt
Missstand

Tauben erobern das Rathaus in Hallstadt

Nachdem die Hallstadter Verwaltung den angestammten Platz im historischen Gebäude am Marktplatz verlassen hat, machen sich Tauben breit. Andererseits leidet die Stadtverwaltung unter der Enge im Bürgerhaus. Das soll sich ändern.
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Selbst vor dem Stadtwappen am Rathaus haben die Tauben keinen Respekt. Bürgermeister Markus Zirkel ist sauer. Foto: Matthias Hoch
Selbst vor dem Stadtwappen am Rathaus haben die Tauben keinen Respekt. Bürgermeister Markus Zirkel ist sauer. Foto: Matthias Hoch
Taubenkot. Markus Zirkel hasst Taubkot. Und in der Konsequenz mittlerweile auch Tauben. Denn die Ratten der Lüfte sind dabei, das Hallstadter Rathaus zu erobern. Auf den Fensterbrettern und an der Fassade haben sie ihre Spuren schon hinterlassen. Selbst vor dem Stadtwappen scheuen sie nicht zurück. Zurück, zurück ins Rathaus das will Markus Zirkel, das muss die Stadtverwaltung auch. Das ist das Ergebnis umfangreicher Untersuchungen und Schriftverkehre, denn vor zwei Jahren war die Verwaltung aus Sicherheitsgründen in das nahe gelegene Bürgerhaus umgezogen. Da die Schadstoffbelastung im historischen Rathaus einfach nicht mehr tragbar war. Nach der Renovierung des Hauses. Die hatte von 1998 bis 2002 gedauert und rund 10 Millionen Mark verschlungen.

Seit weit über zwei Jahren arbeitet die Stadtverwaltung im Bürgerhaus und das in drangvoller Enge. Wie sie nur in einem Provisorium herrschen darf.
Dieser Zustand muss sich in absehbarer Zeit ändern. Zwischenzeitlich ist geklärt, dass die Gemeindeversicherung in Haftung tritt und die (erneute Sanierung) bezahlt. "Ein Leerstand kommt damit nicht in Frage", stellt Zirkel klar. Das sei zudem nicht im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens. "Wir können schließlich als Stadt keinen Leerstand produzieren, wenn wir in der Stadtentwicklung Vorbild sein wollen."

Denkbar sind nun drei Szenarien: Der Einbau eines Be- und Entlüftungssystems, das die weiter im Gebälk bestehenden Schadstoffe in einem Kreislauf nach außen transportiert. Eine zweite Alternative ist der Einbau von Aktivkohlefiltern unter den Böden, die Schadstoffe absorbieren. Allerdings treten hier spezielle Fragen des Brandschutzes auf. Eine letzte und vermutlich teuerste Alternative wäre eine nochmalige, komplette Entkernung des Gebäudes mit Entfernung aller schadstoffbelasteten Balken. Zirkel gibt sich bezüglich der Variante, die zum Tragen kommen wird , völlig leidenschaftslos: "Das muss der Stadtrat entscheiden". Allerdings besagt das jüngste Gutachten nun, dass die Kohlenstoff-Variante keine wirkliche Option darstellt. Wie sich mittlerweile herausgestellt habe, scheidet die Aktivkohle nun doch aus. Gründe: die erhöhte Brandlast. Zudem würde die Aktivkohle schneller verbraucht als ursprünglich angenommen. Das wiederum hätte dann auch entsprechend erhöhte Folgekosten.

Nahezu jede Woche vor Ort


Eigentlich wollte Bürgermeister Zirkel noch vor den Sommerferien des Stadtrates einen Entschluss darüber, wie es weitergehen soll. Da hatten die für die Entscheidung erforderlichen Ergebnisse jedoch noch nicht vorgelegen. Das Rathaus selbst hat Zirkel im Zusammenhang mit den verschiedenen Untersuchungen und Tests nahezu jede Woche besucht. Freilich war er da in seinem angestammten Arbeitszimmer eher weniger anzutreffen. Denn hier ist die Geruchsbelastung auch noch am intensivsten.

Auf jeden Fall, so macht Zirkel deutlich, will die Verwaltung das Gebäude den Tauben so schnell wie möglich wieder abtrotzen. Zumal ein Gebäude auch nicht unbedingt besser wird, wenn es über längere Zeit leer steht. Die Mitarbeiter hält Zirkel persönlich über den aktuellen Informationsstand auf dem Laufenden. Er kennt die erschwerten Arbeitsbedingungen in dem zum Rathaus-Provisorium umfunktionierten Bürgerhaus: oftmals drei Besprechungen gleichzeitig im selben Raum, oder einer telefoniert angestrengt, der andere arbeitet an einem komplizierten Text und wieder ein anderer Kollege muss ein diskretes Gespräch führen, alles in nächster Nähe zu einander. Man habe sich zwar im Provisorium mit dessen Unzulänglichkeiten gewissermaßen arrangiert, aber irgendwann müsse ein Ende absehbar sein, stellt Zirkel fest. Denn Arbeiten unter den genannten Bedingungen "geht an die Substanz".

Deswegen soll sich der Stadtrat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause mit der Thematik befassen. Nach der Grundsatzentscheidung über das weitere Vorgehen könne in der darauf folgenden Sitzung die Ausschreibung erfolgen und die Vergabe sollte nach dem Wunsch Zirkels noch in diesem Jahr erfolgen, damit sich im kommenden etwas tut. Allzu lange mag Zirkel den Tauben das historische Rathaus nicht mehr überlassen.
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