Strullendorf
"Tattoo Convention"

Tattoo Convention: Körperkult in Strullendorf

Wo sonst die Basketballer der Brose Baskets trainieren - in der Hauptsmoorhalle - traf sich am Wochenende die Szene der Tätowierer und Piercer.
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Hat sich dieser Tätowierer verstochen oder ist das Entsetzen gespielt? Bei der "Tattoo Convention" in Strullendorf kamen am Wochenende Fans des Körperkults auf ihre Kosten.  Foto: Matthias Hoch
Hat sich dieser Tätowierer verstochen oder ist das Entsetzen gespielt? Bei der "Tattoo Convention" in Strullendorf kamen am Wochenende Fans des Körperkults auf ihre Kosten. Foto: Matthias Hoch
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Hauptorganisator "Otto" Detlef Weiss rechnete mit 600 bis 700 Besuchern pro Tag, vornehmlich aus dem nordbayerischen Raum. Dabei hat er stets einen Blick für besondere Motive. Einen ganz neuen Trend kann er heuer nicht registrieren: "Immer noch viele Phantasie-Bilder, Kindernamen, alles was man sich wünscht."

Insgesamt 60 Stände boten bei dieser 9. Auflage der "Tattoo Convention" ihre Dienste an. Weiss taxierte die meisten Tätowierungs-Sitzungen auf zwei bis drei Stunden. Den Besuchern wurde zusätzlich mit einer Hypnose-Show und Bodypainting viel Abwechslung geboten.

Tätowieren wie polynesische Ureinwohner

Es war nicht verwunderlich, dass das Tätowieren mit der Maschine - der klassischen Nadel - dominierte. Oliver (24) wollte aber etwas anderes. Er reiste wegen der traditionellen Klopf-Technik extra aus Stuttgart an. Seine Vorstellung, wie er ein Tattoo bekommen wolle, drückt er so aus: "Tätowieren wie früher die Ureinwohner in Polynesien." Er hat sich bei Lawrence aus Neuseeland angemeldet, liegt bei der Bearbeitung seiner rechten Wade dann zweieinhalb Stunden auf dem Bauch und gibt dem "Macher" als Vorgabe, "Bedeutung von Familie mit Zeichen und Lebenslinien" darzustellen. "Natürlich ist das dann lebenslänglich drauf, deshalb sollte man sich dies genau überlegen", so der Kunde, der in den nächsten vier Wochen Salzwasser und Sonne vermeiden sollte.

Seine Begleiterin Patricia (23) hat es bereits hinter sich: 45 Minuten für "Familienzeichen" am Handgelenk!
"Die Stimmung ist faszinierend. Da ist man unter Gleichgesinnten. Es ist wie eine Familie. Da kommt man mit den Leuten leicht ins Gespräch", meint sie. In der breiten Masse hingegen gebe es immer noch Klischee-Denken, weiß eine andere Besucherin: "Im Schwimmbad wird man schon noch oft leicht abfällig beachtet."

"Nicht ganz schmerzfrei"

Nicht weit entfernt sitzt Janine (21) aus Strullendorf. Ihre Sitzung mit der Vorlage "halbtote Frau" beginnt erst. "Tattoo Black Magic" aus dem Nachbarort Hirschaid hat gute zwei Stunden dafür veranschlagt. Er, der seit sieben Jahre im Geschäft ist, berichtet von vielen 3D-Kundenwünschen; echte, realistische Bilder eben. Die Strullendorferin, die am rechten Oberschenkel tätowiert wird, gibt zu, dass es "nicht ganz schmerzfrei" ist. Begleitet wurde sie von Anja (21) aus Pettsstadt: Ihr "Totenkopf mit Frau" am Rücken dauerte vier Stunden. Die Sitzung sei "eigentlich ganz entspannt" gewesen. "Nur zum Schluss hat es wehgetan."

Wo sonst die Bälle geworfen und gedribbelt werden, saßen und lagen an diesem Wochenende Besucher aller Altersgruppen (ab 18 Jahre, ansonsten nur mit Einwilligung der Eltern) ganz relaxed stundenlang, vertrieben sich die Zeit mit Musik hören oder dem Laptop. Ein Hauch von Mystik wehte durch die Halle!


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