Bamberg

TBC in Bamberg: Watschen auch fürs Publikum

Zum Rundumschlag holen TBC in ihrem satirischen "Jahresrückblick 2015" aus. Am 23. Januar steigt die Bamberg-Premiere, vor der wir die Truppe zum Interview baten. Wobei wir auch einiges über das Teamwork hinter der Bühne mitbekamen. Dazu gibt's Videos von TBC.
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Georg Koeniger, der Quotenpreuße unter den Franken, Michael A. Tomis und Florian Hoffmann beehren als TBC das Bamberger Publikum.  Foto: pr
Georg Koeniger, der Quotenpreuße unter den Franken, Michael A. Tomis und Florian Hoffmann beehren als TBC das Bamberger Publikum. Foto: pr
Gerade erst trugen wir das alte Jahr zu Grabe: "R.I.P. 2015!" Schon buddeln TBC die dahingeschiedenen Tage wieder aus. Unter dem Motto "Augen zu und nochmal durch" serviert die Spaßtruppe Bambergern am 23. Januar "90 Minuten Randale durch Skandale", zeigt das "Best-of" und "Rest-of 15". Wobei die Eliten der Gesellschaft ebenso durch den Kakao gezogen werden wie Otto Normalbürger: Ja, auch das geschätzte Publikum bekommt sein Fett ab. Darüber und manches mehr sprachen wir vor der Premiere in den Haas-Sälen mit dem dienstältesten TBCler - Georg Koeniger - und dem jüngsten Truppenmitglied - Michael A. Tomis.



Pflege der "alten Herrschaften"

Die erste Frage geht an den Rekruten, der das Erbe von Mäc Härder und Helmut Vorndran 2013 antrat: War's schwer, sich mit dem Rest von TBC zusammenzuraufen?
Michael A. Tomis: Oh, ja. Es gab Aufnahme-Rituale, über die ich nicht sprechen darf. Und dann stand ich als Fürther vor der besonderen Herausforderung, außerhalb Mittelfrankens auftreten zu müssen - in Oberfranken, Unterfranken, sogar der Oberpfalz. Einige Zuschauer dachten erst, ich wäre der neue Zivi. Immerhin muss ich mich um die alten Herrschaften auch im pflegerischen Sinne kümmern.
Georg Koeniger: Das Beste dabei ist, dass Micha all das auch zum Gehalt eines Zivis erledigt.

Es gab also keine Revolte der Fans, die Vorndran zurückhaben wollten. Was änderte sich durch den Besetzungswechsel für TBC?
Tomis: Ich denke, die meisten Zuschauer merkten den Austausch nicht mal. Ich habe mir auch einige Kilos draufgefuttert, um den Übergang zu erleichtern. Klar, habe ich bei TBC seither einiges vorangebracht: Schließlich übernahm ich zentrale Aufgaben wie das Fegen der Bühne, das Essenfassen für meine beiden Kollegen, das Zusammenstellen der Stühle und ebenso den Rücktransport der Zuschauer nach dem Auftritt.
Koeniger: Wobei Micha glücklicherweise auch viel älter aussieht als er ist (mit 39 Jahren). Das wahrt in unseren Reihen eine gewisse Kontinuität.

Ihr Jahresrückblick steht in Bamberg ab 23. Januar auf dem Programm. Ist das Thema nach dem Jahreswechsel nicht gegessen?
Tomis: Unseren Rückblick auf 2013 haben wir bis Juli 2014 gespielt. Warum sollten wir im Januar also zu spät dran sein?
Koeniger: Mancherorts braucht man auch länger, um zu merken, dass ein Jahr vorbei ist.



Sex, Drugs und Rock 'n' Roll

Das ist wahr. Welche Vorsätze haben Sie eigentlich für 2016?
Tomis: Zu leben wie ein Rockstar: mit viel Sex, Drugs und Rock 'n' Roll. Ich befürchte nur, dass stattdessen (dank meiner TBC-Kollegen) wieder Bettruhe, Laktoseintoleranz und Helene Fischer angesagt sind. Trotzdem haben wir uns vorgenommen, Herrn Söder in 2016 die fränkische Staatsbürgerschaft abzuerkennen und infolge dessen nach Thüringen strafzuversetzen.
Koeniger: Mein Vorsatz für 2016: So alt auszusehen wie Micha.



Das Publikum ist gefordert

Welches Bamberger Thema schaffte es in die Jahresbilanz des Totalen Bamberger Cabaretts?
Tomis: Das bestimmt das Publikum, das uns vor der Show entsprechende Anregungen geben kann. An geeigneten Aufregern hat's Bamberg nie gemangelt.
Koeniger: Eine fundierte Themenauswahl müssen wir vor dem Auftritt allerdings noch treffen, sonst spielen wir bis halb 3 Uhr in den Haas-Sälen. Man muss den Bambergern ja alles immer ganz genau und möglichst langsam erklären.

Ja, das Publikum wird nicht verschont. Worauf müssen sich Zuschauer gefasst machen?
Koeniger: Bei TBC können sich die Leute generell nicht berieseln lassen und entspannt zurücklehnen. Wir sind eine Mitmachrunde. So gibt's beispielsweise Lieder mit einer Soll-Sing-Stelle. Schweigt das Publikum, spielen wir die Songs solange, bis alle mitsingen.
Tomis: Auch der Selfie-Wahn wird zum Thema. 2015 war schließlich das erste Jahr in der Menschheitsgeschichte, in dem's mehr Tote durch Selfies als Hai-Attacken gab.

Das Thema des vergangenen Jahres schlechthin aber waren die Flüchtlinge. Wie greifen Sie die Entwicklungen auf?
Tomis: Uns allen war klar, dass wir eine Nummer zur Asyldebatte machen müssen. Nur ist das keine leichte Aufgabe. Wir entschieden uns dafür, Pegida und die eigenwillige Willkommenskultur der CSU aufs Korn zu nehmen.

Fürchten Sie nicht, dass vielen Zuschauern das Lachen über gepflegte CSU-Witze nach den Kölner Übergriffen im Hals stecken bleibt?
Koeniger: Natürlich führt die große Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland strömt, auch zu Problemen. Und es wird zur Herausforderung, all die Menschen zu integrieren. Eine Alternative dazu gibt es meiner Meinung nach aber nicht. Soll man einen Zaun um die Bundesrepublik ziehen und Familien vor dem Zaun verhungern lassen? Wobei es mir heftig widerstrebt, Angela Merkel an dieser Stelle verteidigen zu müssen.
Tomis: Köln wird beim nächsten Jahresrückblick von uns aufgegriffen. Wobei das Silvester-Debakel auch meine Meinung in der Flüchtlingsfrage nicht geändert hat. Übrigens sieht man in den Gesichtern unserer Zuschauer, ob sie CSU- oder gar Pegida-Anhänger sind. Wenn sich solche Typen auch eher selten in unsere Programme verirren.


Zu frech gelästert

Inwieweit überschritten TBC in der Vergangenheit die Schmerzgrenze des Publikums?
Koeniger: Das gab's. Beispielsweise haben wir in den ersten Jahren mal über Schlegelshaid als eine Art Strullendorf der Kronacher Region abgelästert. Danach gab's zahllose Leserbriefe, in denen sich die Leute bitter beschwerten. Solo habe ich mal vor Rotariern gespielt und mich über Schäuble ausgelassen - was die gar nicht lustig fanden.

Es gilt eben den Spagat zwischen Schenkelklopferhumor und kritischem Kabarett zu schaffen. Wollen Sie Zuschauer in erster Linie unterhalten oder auch mal zum Nachdenken bringen?
Koeniger: Unser Konzept hat sich seit Ende der 80er Jahre nicht verändert. Damals schon haben wir Comedy gemacht, obwohl's den Begriff zu der Zeit nicht mal gab. Dem Publikum gefiel's, manchem Kritiker aber waren wir zu albern. - Inzwischen gibt es so viel Comedy, dass man TBC im Vergleich dazu als politisches Kabarett wahrnimmt. Wobei unsere politischen Nummern gern aus dem Ruder laufen . . .
Tomis: Stimmt. An vorderster Stelle steht aber weiterhin der Nonsens, die Unterhaltung. Wenn wir Zuschauer hin und wieder auch auf Missstände oder Probleme aufmerksam machen möchten. Eine unserer klassischen Kabarett-Nummern betrifft die Rüstungsindustrie. Da lacht dann auch keiner mehr. Vielmehr herrscht betroffenes Schweigen.

Veränderte sich das Publikum in den vergangenen drei Jahrzehnten? Ist es leichter oder schwerer zu erreichen?
Koeniger: Natürlich veränderte sich das Publikum. Es ist mit uns gealtert. Immer wieder treffen wir Leute, die uns in den 80ern sahen und über unsere alten Schoten lachen. Mancher meldete sich nach 15 Jahren Elternpause bei TBC zurück. Aber keine Angst: Unsere Auftritte sind keine geriatrische Veranstaltung. Auch junge Leute kommen - und lachen.

Tourtermine: 23. Januar, Haas-Säle, Bamberg, 20 Uhr; 24. Januar Kulturhalle, Grafenrheinfeld, 17 Uhr; 30. Januar, Comödie Fürth, 19.30 Uhr, 13. Februar, Stadtschloss Lichtenfels, 20 Uhr. Tickets gibt's im Netz über die Konzertagentur.

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