Bayreuth
Energiewende

Stromtrassen: viele Fragen offen

Zwei neue Höchstspannungsleitungen werden durch Franken führen. Unterirdisch, das steht fest - aber wo genau, kann heute noch niemand sagen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Roland Weihrauch/dpa
Foto: Roland Weihrauch/dpa
+2 Bilder
Der Dienstag dürfte als "Stunde null" in die Historie der Energiewende eingehen: Stunde null, weil die Netzbetreiber nach Monaten des Planens endlich konkrete Pläne für den Verlauf der neuen Stromtrassen vorgelegt haben. Stunde null aber auch, weil ab jetzt das gesamte Genehmigungsverfahren komplett neu aufgerollt werden muss.

Dass die Leitungspläne in Franken auf null Widerstand stoßen, nachdem man Masten durch Erdkabel ersetzt hat, ist aber unwahrscheinlich. Hubert Weiger aus Nürnberg, der Landesvorsitzende des Bundes Naturschutz, hält die Leitungen, egal ob über oder unter der Erde, für komplett verzichtbar. "Eine Energiewende, die Sinn macht, muss auf dezentrale Lösungen setzen, nicht auf Stromautobahnen", sagt Weiger.


Doch Monstermasten?

Das Aktionsbündnis gegen die Südost-Trasse, die Oberfranken streifen dürfte, fürchtet, dass die Erdkabel nur die halbe Wahrheit sein werden. "Aus technischen und finanziellen Gründen wird man wohl hier oder da doch auf eine Freileitung zurückgreifen", sagt Hubert Galozy, der Sprecher des Aktionsbündnisses.

Derweil beeilen sich die Netzbetreiber Tennet (Bayreuth) und 50 Hertz mit der Versicherung, dass die Trassenvarianten nicht "in Stein gemeißelt" sind. "Damit gehen wir in die Anhörung und in den Dialog mit den Bürgern", sagt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht. Die Bürger können auf den Internetseiten der Netzbetreiber mitreden. Bayern Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) geht davon aus, dass die vergrabenen Leitungen auf "breite Akzeptanz" stoßen.

Bürgerbeteiligung ist auch Teil des Auftrags der Bundesnetzagentur in Bonn, bei der das Genehmigungsverfahren angesiedelt ist. Sprecherin Carolin Bongartz weist die Grundsatzkritik an den Stromtrassen zurück: "Sie sind zwingend notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten."


Vom Norden und Osten nach Süden

Deshalb beginnen die neuen Leitungen da, wo viel Windstrom produziert wird; und sie enden da, wo bislang Atommeiler Strom lieferten. Die Leitung Südlink startet bei Hamburg und führt über Grafenrheinfeld in den Raum Stuttgart. Die Leitung Südost verbindet Magdeburg mit Landshut (Isar).

Die größten Hindernisse für die Leitungen in Franken sind die Rhön und das Fichtelgebirge. Die Berge müssen östlich oder westlich "umfahren" werden, was den weiteren Trassenverlauf bestimmt (unsere Grafik zeigt die Varianten in Rot und Blau). Im Detail liegt auch ein anderer Teufel: Die Stromtrassen werden laut Netzagentur sehr viel später fertig als geplant, Südlink etwa erst 2025. Und sie werden, weil vergraben, viel teurer, was für die Netzbetreiber mit dem gesetzlichen Auftrag unerheblich ist: Die Kosten ohne Obergrenze werden auf den Strompreis umgelegt.


Kommentar: Mitreden, mitdenken

Die Energiewende wirft Gräben auf - im Fall der neuen Stromleitungen buchstäblich, denn die hunderte Kilometer langen Leitungen werden vergraben, weil der Widerstand gegen Monstermasten so laut war.
Es wird nicht der letzte Streit gewesen sein. Die Energiewende ist kein Verwaltungsakt, und in den Launen der Tagespolitik liegt womöglich ihr größtes Risiko.Dabei sind die Chancen ungleich größer: Eine Industrienation schickt die Dinosaurier der Energieversorgung in Rente, stoppt die Vergeudung endlicher Ressourcen und die Produktion gefährlicher Abfälle, die niemals sicher deponiert werden können.Das geht nicht über Nacht und nicht ohne Streit, wobei gerade die Auseinandersetzung mit ihr ein wichtiger Teil der Energiewende ist. Mitreden und mitdenken. Nur so wird das Generationenprojekt glücken.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren