Bamberg
Verkehr

Straße von der Waizendorfer Straße zum Klinikum wirft Fragen auf

Der frisch asphaltierte Weg von der Waizendorfer Straße zum Klinikum ist eine Baustellenzufahrt. Mancher Stadtrat und Anwohner hätte gern eine "richtige".
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Sie ist geteert und sieht fast nach "echter" Straße aus. Aber: Es handelt sich um eine reine Baustellenzufahrt, die für den Verkehr nicht freigegeben ist. In wenigen Wochen beginnt der Bau der vierten Bettenturms am Klinikum am Bruderwald. Foto: Ronald Rinklef
Sie ist geteert und sieht fast nach "echter" Straße aus. Aber: Es handelt sich um eine reine Baustellenzufahrt, die für den Verkehr nicht freigegeben ist. In wenigen Wochen beginnt der Bau der vierten Bettenturms am Klinikum am Bruderwald. Foto: Ronald Rinklef
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Sie ist schon einigen aufgefallen, die dieser Tage am Bruderwald vorbeigefahren sind: Eine neue Straße, frisch asphaltiert, schlängelt sich von der Waizendorfer Straße direkt zum Klinikum. Ist das etwa die zweite Anbindung an das Krankenhaus, über die schon so viele Jahre debattiert wird?

Klar ist: Der Neubau eines vierten Bettenturms steht unmittelbar bevor. In zwei bis drei Wochen soll es losgehen, für Ende 2018 ist der Abschluss des Großprojektes geplant. 53,6 Millionen Euro sind als Kosten veranschlagt, und wenn der Erweiterungsbau in Betrieb geht, werden in 123 nagelneuen Betten zum erstem Mal Patienten liegen. Diese werden versorgt von 200 zusätzlichen Mitarbeitern am Klinikum - von denen mit großer Wahrscheinlichkeit etliche mit dem Auto zur Arbeit kommen dürften.

Und so befürchten Anwohner des angrenzenden Wohngebietes eine weitere Verschärfung der Verkehrssituation, doch auch Klinik-Mitarbeiter sowie Patienten und deren Angehörige klagen schon lange. Was in der Debatte um Parkplatznot und Parksuchverkehr immer wieder ins Gespräch gebracht wird:Eine zweite Zufahrtvon der Waizendorfer Straße aus.

Die gibt es jetzt, allerdings nur für Baustellenfahrzeuge. Auch, wenn die ordentlich asphaltierte Straße auf den ersten Blick vielleicht einen anderen Eindruck erweckt: "Es handelt sich um eine temporäre Baustellenzufahrt", stellt Stefan Goller, Leiter der Beteiligungsverwaltung der Stadt Bamberg, klar. Eine "Rückbauversicherung" im Zuge von Vereinbarungen mit den Anliegern soll sicherstellen, dass die Straße nach Abschluss der Bauprojektes wieder verschwindet.

Das ist ganz im Sinne von Grünen-Stadträtin Ursula Sowa ist der Überzeugung: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten." Sie setzt Hoffnungen zum Beispiel in ein "Job-Ticket", mit dem unter anderem Mitarbeiter des Klinikums günstiger Stadtbus fahren könnten. Die Stadtwerke Bamberg haben im August bekannt gegeben, dass ihre Linienbusse ab Dezember werktäglich sieben Mal pro Stunde das Klinikum ansteuern werden. Sowa spricht zudem den bereits bestehenden Shuttle-Bus zum Park- und Ride-Platz in der Würzburger Straße an.

Doch dazu sagt Dieter Weinsheimer von der Bamberger Allianz (BA): "Was bringt das, wenn es nicht richtig angenommen wird?" Weinsheimer meint: Noch werde zwar nur von einer Baustellenzufahrt gesprochen. Doch er glaubt an "eine hohe Wahrscheinlichkeit", dass daraus eine bestehende Verbindung zum Klinikum werden könnte - "die ich befürworten würde".

Langjähriger Befürworter einer Verbindungsstraße ist die CSU-Fraktion. Vorsitzender Helmut Müller sagt: Man wolle auf jeden Fall eine Zufahrt - "nicht nur, um das Klinikum zu erschließen. Sondern auch, um die Leute, die durch den Parkdruck belastet sind, zu befreien".


Anwohner fühlen sich gefährdet

Helmut Gebhardt, Vorsitzender des Bürgervereins am Bruderwald, sieht eine Entlastung der Anwohner "leider" auch nur durch eine Anbindung an die Waizendorfer Straße und zusätzliche Parkplätze am Klinikum. Regelmäßig würden Anwohner durch den Parkplatzsuchverkehr im Wohngebiet gefährdet. Die Autofahrer seien zu schnell unterwegs und würden Anwohnern und deren Besuchern die Parkplätze wegnehmen. Eine Zufahrt sehen "wir mit einem weinenden Auge, weil die Natur beeinträchtigt wird. Es gibt jedoch keine andere Möglichkeit."

Bürgerblock-Stadtrat Norbert Tscherner deutet an: "Man weiß nie, wie viel Platz das Klinikum in Zukunft noch braucht." Tscherner geht davon aus, dass die Einwohnerzahl Bambergs weiter kräftig ansteigt. Er erwähnt den Zuzug von Flüchtlingen und spricht Wohnungsprojekte wie auf der Erba-Insel, dem ehemaligen Schaeffler-Areal und solche, die künftig in der Lagarde-Kaserne entstehen könnten, an. "Wir brauchen Reserveflächen für die medizinische Versorgung."

Bei der SPD unterstützte man eine "behutsame Entwicklung des Klinikgeländes", sagt Klaus Stieringer. Für einen "medizinischen Campus" müssten auch mehr Parkplätze für die Mitarbeier des Klinikums geschaffen werden. Um für diese das Problem zu lösen, "hätten wir auch nichts gegen eine befestigte Straße."
Aber: Noch ist alles Zukunftsmusik. Stefan Goller von der Stadt stellt klar: Für eine langfristige Straße gibt es aktuell keine Beschlusslage. "Das müsste alles noch mal in die Gremien."


Geteert für den Schwerlastverkehr

Doch warum mutet die Baustellenzufahrt eigentlich wie eine richtige Straße an? Johannes Goth, Vorstand Finanzen bei der Sozialstiftung Bamberg, erklärt: "Wegen der schweren Lkw wurde die Strecke geteert." Denn gebaut wird auch im Winter, und die stattlichen Fahrzeuge sollen nicht versumpfen.

Ab Montag werden bereits erste Vorarbeiten zum Bau des Turmes stattfinden. "Die Zufahrt wird noch beschildert: Nur Baustellenfahrzeuge und landwirtschaftlicher Verkehr dürfen sie benutzen." Goth betont: "Besucher und Mitarbeiter kommen über diese Strecke nicht aufs Grundstück des Klinikums."

Mit Blick auf die Zukunft lässt sich Goth entlocken: "Der Wunsch des Klinikums nach einer Anbindung an die Waizendorfer Straße besteht." Zu weitergehenden Zukunftsvision, was um eine solche Straße herum alles entstehen könnte, möchte sich der Vorstand jedoch nicht äußern. "Wir haben Ideen, wollen aber keine Spekulationen ins Kraut schießen lassen."

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