Pommersfelden
Wettbewerb

Steppach läutet seine beste Seite ein

Die Kommission für den Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" stattete dem Pommersfeldener Ortsteil einen Besuch ab.
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Die Steppacher lassen sich hören: Der Klang ihres mobilen Glockengeläutes übertönte alles.  Foto: Evi Seeger
Die Steppacher lassen sich hören: Der Klang ihres mobilen Glockengeläutes übertönte alles. Foto: Evi Seeger
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Der Storch flog - wie bestellt - laut klappernd über die "Fröschgass", am Bahnhof krähte auf die Minute genau ein Gockel, Schmetterlinge übten im Lavendel des Kirchenumgriffs den Reigen und die Kinder fanden am Weiher ein Entenei, akkurat zu dem Zeitpunkt, als ein Güterzug Steppach passierte. All das können die Steppacher nicht in Szene gesetzt haben, auch wenn sie beim Besuch der Kommission für den Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" mit allen Glocken läuteten.

Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Nahe beim Weiher, dort wo sich alljährlich die Kerwa abspielt, hatten die Steppacher ihre "mobile Glockenstation" aufgebaut. Mit dem Geläut von fünf Glocken hießen sie die die Kommission ein zweites Mal willkommen. Das erste Mal war die Jury vom Posaunenchor im Anwesen des Hauptorganisators Werner Dallner begrüßt worden. Halb Steppach hatte sich dort versammelt. Schulkinder, instrumental von ihren Lehrkräften begleitet, sangen der Kommission ein Lied.

Gerd Dallner, Gemeinderat, Steppacher und Sohn von Werner Dallner, dem Motor des Wettbewerbs, stellte seinen Heimatort in sehr humorvoller Weise vor. Die Halle seines väterlichen Anwesens, "in der wir im vergangen Jahr die Weltmeisterschaft gefeiert haben", könne jetzt wieder Ausgangspunkt für "Gold" sein, so Dallner. Zweimal hatte Steppach bereits Platz und Sieg geholt. Seit dem Bezirkswettbewerb im vergangenen Jahr hat sich der 945 Einwohner zählende Ort in der Gemeinde Pommersfelden noch einmal richtig ins Zeug gelegt und 25 neue Projekte verwirklicht.

Die Konkurrenz auf Landesebene ist groß: Die Kommission, Experten aus allen bayerischen Regierungsbezirken, allen voran als Leiter Ministerialrat Günter Knüppel, haben in der gleichen Kategorie acht weitere Dörfer zu bewerten. Die Ziele des Wettbewerbs sind heute ganz andere als noch vor Jahren, als es vor allem auf die Schöngestaltung des Ortes ankam. Bewertungskriterien sind Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, das soziale und kulturelle Leben, Baugestaltung, Entwicklung und Grüngestaltung, sowie das Dorf in der Landschaft. Heute ist vor allem mit Eigeninitiative, einem starken Wir-Gefühl und einer zukunftsorientierten Entwicklung zu punkten.

Bürgermeister Hans Beck (WBS) nutzte die Gelegenheit, die Gemeinde Pommersfelden von ihrer schönsten Seite vorzustellen, speziell jedoch den Ortsteil Steppach, dessen Infrastruktur sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat. Steppach habe sehr durch die Dorferneuerung profitiert, in deren Rahmen die Straßen ausgebaut, Brücken errichtet, Plätze, Gehwege und ein Kreisverkehr angelegt wurden. Auch die Bürger hätten die Chance genutzt, die eigenen Anwesen aufzupolieren.

Landrat Johann Kalb (CSU) gefiel besonders, dass Steppach "eine junge Gemeinde ist". Der demografische Wandel stelle für den Landkreis eine besondere Herausforderung dar. Ziel sei es, "die kleinen Gemeinden für die Zukunft lebensfähig und fit zu machen, damit sich der ländliche Raum nicht entvölkert". Ganz gleich wie der Wettbewerb ausgehe, "Sieger seid ihr jetzt schon und wir sind stolz auf euch", rief der Landrat den Steppachern zu.

"In der Vergangenheit verankert, in der Gegenwart zu Hause, in die Zukunft im Miteinander der Generationen" haben sich die Steppacher als Slogan auf die Fahne geschrieben. Als "eine kinderfreundliche, idyllische Gemeinde, eingebettet in die Metropolregion" samt allen daraus resultierenden Vorzügen beschrieb Gerd Dallner seinen Heimatort. "Von der Wiege bis zur Bahre" könne Steppach die komplette Nahversorgung vorweisen. Ja selbst im Bereich der erneuerbaren Energien und der Breitbandversorgung könne Steppach punkten. Im Altortbereich gebe es keine Baulücken und mit einem Neubaugebiet habe man dem demografischen Wandel "gegengesteuert". "2020 werden wir mit den Einwohnern die Tausendermarke knacken", ist Dallner zuversichtlich. Bei allem Zukunftsdenken würden Traditionen im Dorf hoch gehalten.

Die Dorferneuerung sei dringend nötig gewesen, denn jetzt würden die Steppacher ihr Dorf mit anderen Augen sehen. Die Einwohner dürften sich jedoch nicht zurücklehnen, denn das neue Grün im Ort brauche Pflege. Der Obst- und Gartenbauverein und viele Bürger würden sich einbringen, ja es gebe für jede Grünfläche einen Pflegestundenplan.

Nach der Einführung ging es hinaus - zum Teil zu Fuß, zum Teil mit Bussen, die die Steppacher gechartert hatten - um die Schönheiten vor Ort zu bewundern. An jeder Station gab es einen Sprecher, der einen besonderen Bezug zu diesem Ort hatte. Vom schmucken ehemaligen Amtshaus, der heutigen Raiffeisenbank, führte der Weg zum neu angelegten Dorfplatz mit Brunnen. Dort wurde ein Gedenkstein mit dem neuen Logo, entworfen von Johanne Belzer und Karin Herr, enthüllt. Dann ging es hinauf zum "schönsten Kindergarten Bayerns" wie dessen Leiterin Inge Stecklina-Seppel findet. Auf insgesamt 6000 Quadratmetern können die Kleinen spielen, toben, plantschen.

Über den Platz für das "Zukunftsprojekt Generationenpark" ging es zum Kreisel, der sich im Lauf der Jahreszeiten in ständig wechselndem Bewuchs zeigt und einen Lebensraum für Bienen und Insekten bietet. Nächste Station war der im Zuge der Dorferneuerung angelegte Pendlerparkplatz und der alte Bahnhof aus dem Jahr 1900. Bahnhof und Eisenbahnwaggon werden heute gastronomisch genutzt.

Eine schnelle Kühlung konnte die Delegation unter dem Zelt der Feuerwehr genießen. Dabei bot sich die Gelegenheit, die Arbeit der Wehr, die besonderen Wert auf die Jugend legt, darzustellen. Rings um den Fröschweiher und das Kirchweihareal erstreckt sich sozusagen das Steppacher Freizeitgelände. Platz für die fünfte Steppacher Jahreszeit, die Kirchweih, die dort seit 33 Jahren gefeiert wird und bei der die Steppacher alljährlich noch einen echten Betzen raustanzen.

Viele schöne Ecken und Winkel gibt es in Steppach: Einer davon sind die Felsenkeller nahe beim Friedhof. Sie wurden in den letzten Monaten wieder zu neuem Leben erweckt. Sogar gebraut wird wieder. Die Kommission, aber auch die vielen anderen, die ihr auf dem Weg durch Steppach gefolgt waren, darunter auch der Landrat, konnten einen kräftigen Schluck nehmen.
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