Forchheim
Begegnung

Bamberger Literaturfestival: Steinbrücks Streitlust stimuliert

Beim Bamberger Literaturfestival fand der Peer Steinbrück (SPD) im Forchheimer FDP-Politiker Sebastian Körber einen inspirierenden Gesprächspartner.
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Sebastian Körber im Gespräch mit Peer Steinbrück. beim Literaturfestival in Bamberg. Foto: Barbara Herbst
Sebastian Körber im Gespräch mit Peer Steinbrück. beim Literaturfestival in Bamberg. Foto: Barbara Herbst
Etwas brannte Peer Steinbrück (SPD) noch auf den Nägeln, kurz bevor er die Bühne des Baunacher Bürgerhauses betrat. Ob er ihm in ihrer gemeinsamen Zeit im Deutschen Bundestag einmal auf die Füße gestiegen sei, wollte der ehemalige Bundesfinanzminister von Sebastian Körber am Sonntag wissen. Der Forchheimer Liberale verneinte.

Seines Wissens habe man in den Jahren zwischen 2009 und 2013 nur ein einziges Mal in einem Ausschuss zur Städtebauförderung miteinander zu tun gehabt. Etwaige Befürchtungen Steinbrücks, bei seiner unter dem Dach des Bamberger Literaturfestivals stattfindenden Lesung auf einen verletzten und deshalb rachsüchtigen Körber zu treffen, waren folglich unbegründet.


Zündstoff und Humor

Sebastian Körber erwies sich ganz im Gegenteil als zugewandter, politisch versierter, sich aber immer zurücknehmender Gesprächspartner Steinbrücks. Die Bühne und die Aufmerksamkeit des Publikums gehörten dem 70-jährigen Sozialdemokraten, das schien Körber in keiner Sekunde zu vergessen. Dem ehemaligen Bundesfinanzminister intelligente Fragen auf eine Art zu servieren, dass sich dessen Schlagfertigkeit und Streitlust stimuliert fühlten, war Herausforderung genug. "Es hat mir großen Spaß gemacht. Steinbrück ist ein durch und durch politischer Mensch und hat nebenbei auch viel Humor", sagt Körber am Morgen nach dem gemeinsamen Auftritt.

Offenbar hatten sich die Veranstalter des Bamberger Literaturfestivals einigen Zündstoff von der ungleichen Konstellation versprochen: hier der mit allen Wassern des politischen Betriebs gewaschene ehemalige Ministerpräsident und Bundesfinanzminister, dort der mit seinen 36 Jahren immer noch junge ehemalige Bundestagsabgeordnete und aktuelle Forchheimer Stadtrat; hier der Sozialdemokrat, dort der Liberale. Es war deshalb nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass Steinbrück und Körber politisch mehr einte als trennte.


Untergründiger Dissens

"Steinbrück ist in vielen Dingen liberaler eingestellt als seine Partei," glaubt Körber. Allenfalls Steinbrücks in Baunachs vorgetragene Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der Erbschaftssteuer wollte sich Körber nicht zu eigen machen. "Das ist mit der FDP nicht zu machen."

Auf offener Baunacher Bühne austragen wollte Sebastian Körber den Dissens gleichwohl nicht. "Ich war an diesem Abend Moderator, nicht Politiker."

Nach dem geglückten, von den Zuschauern im ausverkauften Bürgersaal mit viel Applaus bedachten Auftritt, streben die Lebenswege wieder in entgegengesetzte Richtungen: Steinbrück hat sich inzwischen aus dem Bundestag verabschiedet und will sich in der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung künftig eher politischen Grundsatzfragen widmen.

Körber dagegen zieht es wieder mit Macht in den Bundestag. Der von ihm ins Auge gefasste Platz 2 auf der bayerischen Landesliste würde ihm die Rückkehr nach Berlin ermöglichen; vorausgesetzt, die FDP überspringt im Bund die Fünf-Prozent-Hürde. Den dafür nötigen Rückenwind glaubt Sebastian Körber zu spüren, vor allem in der Kommunalpolitik: "Drei Mitglieder im Forchheimer Stadtrat sind von der FDP. Das ist ein starkes Zeichen."

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