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Burgebrach
Verkehr

Stau: Geschäftsleute laufen Sturm

Die neue Ampelanlage in der Burgebracher Ortsmitte ist Schuld: Täglich staut es sich, 30 000 Fahrzeuge passieren den Ort.
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Zu Hauptverkehrszeiten staut es sich in der Ortsmitte von Burgebrach, teilweise bis zur Kläranlage vor dem Ortsschild. Foto: Barbara Herbst
Zu Hauptverkehrszeiten staut es sich in der Ortsmitte von Burgebrach, teilweise bis zur Kläranlage vor dem Ortsschild. Foto: Barbara Herbst
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Genau mit Errichtung der neuen Ampelanlage in der Ortsmitte gab es auch Klagen wegen langer Rückstaus. Es wurde immer wieder nachjustiert und optimiert. Und jetzt? Schenkt man den teils heftig erzürnten Geschäftsleuten Glauben, hat sich nichts gebessert. Die Rückstaus, die anfangs als Kinderkrankheit betrachtet wurden, haben sich zu chronischen Malaisen entwickelt.

Auch Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU) kann nicht verstehen, warum die Taktung nicht so eingestellt ist, dass die langen Rückstaus zu Stoßzeiten vermieden werden. Die nach einem Marktbetreiber benannte "Hahner"-Kreuzung stellt für den westlichen Landkreis und die Pendler einen wichtigen Knotenpunkt dar, den jeden Tag gut 30 000 Fahrzeuge passieren müssen. Laut Bürgermeister einmalig im Landkreis: Es kreuzen sich Bundesstraße 22 und die Staatsstraße.
Eine Verbindung, die weiter Richtung Ampferbach, Schönbrunn, aber auch Trabelsdorf, Walsdorf und Bischberg führt. Dazu kommt versetzt noch die Försdorfer Straße südlich der B 22 und eine Bushaltestelle an der nördlichen Seite.


Anlage "optimiert"

Warum wurde überhaupt eine - zusammen mit Tiefbaumaßnahmen - 120 000 Euro teure Ampelanlage errichtet? Laut Sachgebietsleiter Rainer Eichfelder vom Staatlichen Bauamt Bamberg, weil Verkehrsbehörde, Polizei und Gemeinde es so wollten. "Aus Sicherheitsgründen", also wegen diverser Unfälle. Aus Sicht des Amtes sei die Anlage nun optimiert, ist der Dauerbetrieb Vorschrift und die Sache damit erledigt.

Seine Kunden kämen nun sicher aus dem Marktgelände heraus, kann Thomas Hahner durchaus bestätigen. Er betont jedoch, dass er nie eine Ampellösung gefordert hatte. Seine Kunden warten jetzt sogar länger, bis sie das Gelände verlassen können und schimpfen entsprechend. Für Hahner habe sich unter dem Strich "keine großartige Veränderung" ergeben.

Für Heinrich Spörlein hingegen schon. Der 61-Jährige betreibt östlich von Hahner eine Tankstelle mit Kfz-Handel und hat nichts als Scherereien - wegen der Ampelanlage. Weil es sich zu den Stoßzeiten massiv staut, traut sich Tankstellen-Kundschaft, die Richtung Westen unterwegs ist, kaum zu ihm reinfahren, weil sie fürchte, nicht mehr rauskommen. Andererseits kommen Mitarbeiter und Kunden des Kfz-Segments von Probefahrten kaum wieder retour. Bei der Tankstelle verzeichnet Spörlein Einbußen von 15 Prozent, bei den Kfz 20 Prozent zeitlichen Mehraufwand.

Die Lackiererei auf der anderen Straßenseite brauche er zu Stoßzeiten gar nicht mehr ansteuern. "Die Ampel kostet mich bares Geld", klagt Spörlein. "Alle schimpfen über die Ampel", gibt er die Äußerungen seiner Kunden wieder. Sein Werkstattmeister Roland Kraus verweist zudem auf Gefahren: Wenn Feuerwehr und Rettungsdienst durch den Stau müssen, "ist das ganz gefährlich". Man könne darauf warten, dass es zu einem Unfall komme.

Bei etlichen Auffahrunfällen zu Zeiten der Fußgängerampel hat Hans-Peter Panzer vom Jeans-Geschäft den Verkehr geregelt, wie er berichtet. Direkt an seinem Laden steht nun eine der Hauptampeln, mit der Folge, dass er ständig Verkehrslärm ertragen muss, die Familie (die im gleichen Haus wohnt) gar nicht mehr bei offenem Fenster schlafen kann und nur noch mit Ohrstöpseln zu Bett geht. Vor der Ladentür verstauben die Angebote vom Schnäppchenständer und müssen oft ausgetauscht werden. Was er wie viele weitere nicht versteht, ist der Dauerbetrieb der Ampel, auch nachts und an Wochenenden. An die Geräuschkulisse des fließenden Verkehrs habe man sich gewöhnt. Das sei leichter zu ertragen, als stehende, anfahrende oder heranpreschende Fahrzeuge. Strategisch vorgehen muss Panzer zudem, wenn er in seine Garage kommen will. "Es macht keinen Spaß mehr, da zu wohnen", bilanziert er.

Umdisponieren musste Omnibus Spörlein. Wegen der beträchtlichen Wartezeiten an den Ampeln werden Schulbusfahrer früher losgeschickt. Für die einen Kilometer lange Strecke bis zur Schule benötigen sie eine Viertelstunde, so Seniorchefin Anna-Maria Spörlein.

Mehr Zeit sind auch die Mitarbeiter von Elektro Ludwig unterwegs, so Seniorchef Peter Ludwig. Der Zeitverlust kostet. Obendrein geht Kundschaft verloren, die im Zweifelsfall lieber schnell nach Bamberg fährt, als wartet, um bei Ludwig wieder weg zu kommen. Ähnliches beklagt dessen Nachbar Dietmar Koch vom BauSpezi. Etwa zehn Prozent Kundenverlust und das "blanke Verkehrschaos" führt er auf die Ampelanlage zurück. Immer lauter wird der Ruf nach innerörtlichen Bypässen und vor allem nach einem Kreisverkehr. In den stimmt der Bürgermeister mit ein. Freilich sei die Gemeinde nicht Herr des Verfahrens. Gleichwohl fordert Maciejonczyk kreative Lösungen, wie sie anderswo auch möglich sind. Ebenso wie zeitweise abgeschaltete Ampeln. "Es kann nicht so bleiben!"
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