Schnackenwerth
Ermittlungen

Spurensuche in den Brücken-Trümmern

An der Unglücksstelle neben der A7 bei Werneck haben Staatsanwalt und Gutachter das Wort: Sie wollen herausfinden, warum der Rohbau der Brücke kollabierte.
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Fotos: Günter Flegel
Fotos: Günter Flegel
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Das Bild von der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen drängt sich auf, aber es passt nicht: Die Gutachterin, die nach der Ursache für den Einsturz des Brücken-Rohbaus an der A7 sucht, hat es mit einem Berg von Beton und Stahl zu tun. Wie ein Archäologe, allerdings mit schwerstem Gerät.
Ihr "Heuhaufen" wiegt hunderte Tonnen: Das ist übrig geblieben von dem Brücken-Segment für die A7, das Arbeiter am 15. Juni in Beton gegossen hatten. "Zeugen haben einen Knall gehört, aber den Einsturz selber hat niemand gesehen; es war eine Sache von Sekunden", sagt ein Polizeisprecher auf der Straße zwischen Zeuzleben und Schnackenwerth (Markt Werneck), die jetzt ein Tatort ist.
Das stählerne Traggerüst für den Brücken-Rohau stürzte ein, Betonmassen, Armierungseisen und die Holzschalung krachten 20 Meter in die Tiefe und mit ihnen ein Dutzend Arbeiter, für die sich die Baustellen-Routine in einen Alptraum
verwandelte: Einer der Brückenbauer starb in dem Chaos aus Beton und Stahl, 15 erlitten teils schwerste Verletzungen. Zwei schweben immer noch in Lebensgefahr.


Suche geht in alle Richtungen

Weil Menschen zu Schaden kamen, hat die Staatsanwaltschaft in Schweinfurt Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung aufgenommen - zunächst gegen Unbekannt, weil auch zwölf Tage nach dem Unglück noch niemand sagen kann, was und gegebenenfalls wer für den Einsturz des Gerüstes verantwortlich ist. Experten stehen vor einem Rätsel, da das Verfahren, das beim Bau der neuen A7-Brücke angewendet wird, seit Jahrzehnten bewährt und für große Baufirmen Routine ist. "Ermittelt wird in alle Richtungen", sagt der Polizeisprecher; selbst die Möglichkeit der Sabotage wird nicht ausgeschlossen, wenngleich es keinerlei Indizien gibt, die auf einen mit Vorsatz herbeigeführten Einsturz schließen lassen.
Um dem Drama auf den Grund zu gehen, muss erst einmal mit schwerem Gerät geräumt werden. Zunächst hatten Spezialfirmen von oben und unten mögliche Gefahrenstellen beseitigt und die unter Spannung stehenden Drähte der Brückenarmierung gekappt. Dazu musste die A7, über die der Verkehr jetzt wieder rollt, am Sonntag für mehrere Stunden gesperrt werden. Am Montag begann der buchstäblich schwerste Teil der Arbeit: Schalung und Traggerüst stecken in einem Betonklumpen, der in seine Bestandteile zerlegt werden muss. Der Beton für die Brücke war zum Teil flüssig, als das Unglück passierte, wurde schnell fest: eine harte, kompakte Masse.


Dreidimensionales Protokoll

Seit Montag arbeiten sich, dirigiert von der Gutachterin der Universität Weimar, die neben den riesigen Maschinen noch zierlicher wirkt, Bagger, Greifer und Meißel Zentimeter für Zentimeter durch die unförmige Masse, ziehen verbogene Eisen aus dem Klumpen, Teile der Schalung und Trümmer des Stahlgerüsts. "Irgendwo da drin wird die Gutachterin eine Erklärung dafür finden, was passiert ist", sagt der Polizeisprecher. Eine Prognose, wie lange die Arbeiten dauern werden, gibt niemand ab. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit Wochen, vielleicht sogar Monaten.
In der ersten Phase der Räumarbeiten führt die Staatsanwaltschaft Regie; Beweise für ein denkbares Gerichtsverfahren müssen gesichert und dokumentiert werden. Dazu wird die Unglücksstelle laut Polizei dreidimensional kartiert.
Später wird sich entscheiden, wann und wie an der Brücke weiter gearbeitet werden kann. Da die Spanndrähte, die sich in ganzer Länge durch die Brücke ziehen, gekappt werden mussten, ist es nach Auskunft der Autobahndirektion Nordbayern völlig offen, ob die bereits fertig gestellten Segmente der neuen Brücke stehen bleiben können oder ob sie abgerissen und wieder neu gebaut werden müssen.


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