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Spritpreis: Spediteure ohne Euphorie

Günstigere Preise für Öl und Sprit: Das wirkt sich auch im Wirtschaftsleben aus. Aber nicht immer sofort.
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Foto: Bernd Wüstneck, dpa
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Der Preisverfall bei den Spritpreisen wirkt sich auf die Bilanz der Spediteure weniger aus als gedacht. "Unsere Mitglieder arbeiten seit Jahren mit Preisgleitklauseln", berichtet Edina Brenner, Geschäftsführerin des Landesverbands Bayerischer Spediteure. Die großen Logistiker haben mit ihren Kunden eine Vertragsklausel vereinbart, die ihnen erlaubt, gestiegene Dieselkosten über Preiserhöhungen weiterzugeben - und umgekehrt.


Der Kunde profitiert derzeit

"95 Prozent unserer Mitglieder haben diese Preisgleitklauseln", sagt Brenner. Sie ermöglichen es, die Dynamik an der Zapfsäule aufzufangen. "Alles andere wäre ja tödlich fürs Geschäft - egal, für welche Seite", meint Brenner.
Sinkt der Dieselpreis, dann zahlen die Kunden den Spediteuren etwas weniger für den Kilometer, für den Kunden wird der Transport billiger.
Solche Preisgleitklauseln sind auch im öffentlichen Nahverkehr üblich, bei Busunternehmen, die im Auftrag von Kommunen oder Verkehrsverbunden unterwegs sind.


Verlader drücken den Preis

Ganz anders ist es oft bei bloßen Frachtführern, also Transportunternehmern, die sich verpflichtet haben, etwas von A nach B zu transportieren - meist als Subunternehmer einer Spedition. "Gleitklauseln haben relativ wenige unserer Mitglieder", sagt Tilmann Mager vom Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen. Während es bei höheren Spritpreisen äußerst schwierig sei, diese weiterzugeben, versuchten umgekehrt die Kunden - Mager nennt sie Verlader -, die Preise zu drücken. "Kurzfristig profitieren die Transportunternehmer, aber dann fordert der Verlader niedrigere Preise", erklärt Mager. Weigere sich der Unternehmer, komme der Hinweis: Mal sehen, was wir dir künftig noch geben können. Das Geschäft ist hart, vieles geht nur über den Preis, und fast immer findet sich einer, der billiger fährt.


Schiff und Schiene mit Kapazitätsproblemen

Bedeuten niedrigere Spritpreise auch mehr Transportverkehr auf der Straße? "Ich glaube nicht, dass sich da groß etwas verschiebt", sagt Edina Brenner. Das Problem liege woanders. "Wir haben keine Kapazitäten bei Schiff und Schiene."
Der Mineralöl-Händler Baywa hat im letzten Quartal gute Geschäfte aufgrund des gesunkenen Ölpreises gemacht. Allerdings wirkt sich der jüngste Preisrutsch in diesem Jahr derzeit kaum aus. "Die Tanks der Privathaushalte sind voll, sie haben ihre Bestellungen schon im Herbst gemacht, und im November und Dezember wurde wenig verbraucht", berichtet Karl Bittermann, Leiter des Regionalen Verwaltungszentrums Franken der Baywa.


"Was wollt ihr mit Pellets?"

Eine Beobachtung ganz anderer Art hat Gisela Raab gemacht, Geschäftsführerin des Bauunternehmens Raab in Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels). "Wir bauen gerade in ein Objekt eine Pelletheizung ein", berichtet sie. "Was wollt ihr denn damit?", sei die Reaktion von Bauherren. Viele setzten nun wieder auf Öl-Brennwertheizungen. "Für unsere Energiewende ist das eine Katastrophe", sagt Raab.
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