Bamberg
Didaktik

So macht Lernen Spaß: Aha-Erlebnisse mit dem Edelgasinator

An der Uni Bayreuth wurde eine Chemie-Lern-App konzipiert, Auszubildende der Firma Upjers waren die Programmierer und Bamberger Gymnasiasten die Tester.
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Am Arbeitsplatz der Upjers-Auszubildenden zeigen Ausbilderin Julia Wehr, Fabian Peußer, Jonas Zenk, Florian Mai, Timo Hummel, Marvin Konietzka und Julian Streit das Chemie-Lernprogramm.  Foto: Barbara Herbst
Am Arbeitsplatz der Upjers-Auszubildenden zeigen Ausbilderin Julia Wehr, Fabian Peußer, Jonas Zenk, Florian Mai, Timo Hummel, Marvin Konietzka und Julian Streit das Chemie-Lernprogramm. Foto: Barbara Herbst
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Salzbildungsreaktionen. "Da ist die Begeisterung der Schüler riesig", scherzt Florian Mai. Die Achtklässler Marvin, Jonas und Timo lachen. Auch die Auszubildenden Julian und Fabian wissen genau, was gemeint ist.

"Bei diesem Thema wird die Chemie zum ersten Mal so richtig mathematisch und fängt an, Verständnisprobleme zu bereiten. Viele Schüler steigen da aus", sagt der Chemielehrer, der gleichzeitig Klassenleiter am Dientzenhofer-Gymnasium ist.

Seine Idee war es, etwas Spielerisches anbieten zu können, um den Lernstoff anders zu vermitteln. "Und was machen Spieler auf ihren mobilen Geräten, die sie sowieso immer dabeihaben? Sie setzen etwas in Bewegung.
Genau darum geht es, wenn man die Edelgasregel bei Salzbildungsreaktionen betrachtet. Es müssen Elektronen hinzugefügt beziehungsweise weggenommen werden." Auch, weil die 8b eine iPad-Klasse ist, gingen die Überlegung gleich in Richtung App.


Die 8b ist eine iPad-Klasse

Worin die Vorteile des Einsatzes von Tablets im Unterricht bestehen, erklärt Marvin Konietzka: "Das iPad wird zusätzlich zu dem eingesetzt, was man sonst so nutzt: Bücher, Hefte, Stifte. Wir können damit Präsentationen gestalten und recherchieren. Dieses Lernen ist interaktiver und dadurch viel interessanter."

Florian Mais erste Anlaufstelle war der Lehrstuhl für Didaktik der Chemie an der Universität Bayreuth. Dort ist der Studienrat selbst mit einem Teil seiner Arbeitszeit eingebunden und hat eine Bindegliedfunktion zwischen Schule und Hochschule.

"Hier wurde der didaktische Unterbau des Lernprogramms konzipiert. Dann bin ich an die Fakultät Informatik herangetreten, als es ums Programmieren ging - und habe drei Wochen ergebnislos gesucht. Die machen was ganz anderes da! Und wenn es funktioniert hätte, dann nur mit sehr langer Vorlaufzeit."

Julian Streit und Fabian Peußer, Auszubildende in zweiten Lehrjahr beim Bamberger Online-Spielentwickler Upjers, haben das in vier Tagen hingekriegt. "Ein tolles Beispiel für die Verzahnung Universität, Schule und Wirtschaft. Ohne jedes finanzielle Interesse", freut sich Florian Mai.


Erstmal gründlich einlesen

"Er ist mit seinen Zeichnungen und Vorstellungen zu mir gekommen, dann galt es für die Azubis zu überlegen, mit welcher Technologie man das macht", sagt Ausbilderin Julia Wehr.

Dass beide jungen Männer bei dem, was die App vermitteln sollte, keine Experten sind, war kein Nachteil. "Ich musste mich in dieses Gebiet gründlich einlesen", berichtet Julian und Fabian ergänzt: "Vieles habe ich schon noch aus dem Abi gewusst, aber so direkt abrufbar war dieses Wissen nicht."

Für das erste Feedback war die Klasse 8b zuständig. "Ich habe gar nicht viel dazu gesagt, sondern sie einfach machen lassen", berichtet der Chemielehrer.

"Es hat dann sofort einer gerufen, dass das so und so funktioniert", erinnert sich Jonas Zenk. "Das Gute daran ist, dass man mit der App das Thema physisch vor sich hat. Man muss es sich nicht nur vorstellen. Es sind nicht nur reine Zahlen, sondern man hat auch ein Bild, mit dem man etwas macht."

Timo Hummel, der in der Schule neben ihm sitzt, war ebenfalls angetan: "Wir hatten zügig den Dreh raus - weil es so anschaulich ist - und konnten die Aufgaben sofort lösen." Natürlich mussten die Programmierer einige Male nachbessern. Und auch jetzt wird noch daran gefeilt.


Schon im Unterrichtseinsatz

Dennoch zieht die App, die eine Web-Applikation ist und keine, die man sich herunterladen kann, Kreise. Sie wurde bereits auf einem Bildungskongress vorgestellt, ist an weiteren Universitäten im Einsatz und wird dort beworben.

"Sechs Schulen in Bayreuth und Bamberg setzen sie schon im Unterricht ein", sagt Florian Mai, der sich wünschen würde, das das kein Einzelprojekt bleibt. "Mir schwebt da was vor zur Zuckerchemie. In 3D. Das geht dann eher in Richtung Oberstufen-Stoff."

Und wie kam das Programm zu seinem Namen? "Edelgasinator war eigentlich nur ein vorläufiger Titel. Dann haben wir zu hören bekommen, dass er gut ist - und nichts mehr dran geändert", sagt Julian Streit.

Fall sich jemand das Programm anschauen möchte: Die Upjers-Auszubildenden haben es eigens dafür am Dienstag auf ihren Blog gezogen, da die Webseite, in die es integriert ist, momentan nur über Umwege zu finden ist.


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