Bamberg
Premiere

Sommeroper Bamberg: Opernglück im Zweijahrestakt

Die Sommeroper Bamberg präsentierte mit Mozarts "Zauberflöte" die Erstfassung ihrer diesjährigen Produktion. Ein zweites Ensemble wird heute auf der Bühne des E.T.A.-Hoffmann-Theaters stehen.
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Mit vollem Einsatz agierten die jungen Sänger der Sommeroper in Mozarts "Zauberflöte" (vorne Ludwig Obst als Papageno).  Foto: Gerhard Schlötzer
Mit vollem Einsatz agierten die jungen Sänger der Sommeroper in Mozarts "Zauberflöte" (vorne Ludwig Obst als Papageno). Foto: Gerhard Schlötzer
Es kommt nicht alle Tage vor, dass man in Bamberg ein rundum glückliches Opernvölkchen sehen kann. Am Montagabend war es jedoch wieder einmal so weit, und das lag nicht an einem der seltenen Gastspiele (die es in nächster Zeit sowieso nicht mehr geben wird), sondern an einer Eigenproduktion, die das Opernprojekt Sommeroper Bamberg (SOB) zusammen mit dem E.T.A.-Hoffmann-Theater stemmte. Alle zwei Jahre dürfen sich die Bamberger Aficionados des Musiktheaters für wenige Wochen einbilden, ein Zweispartenhaus zu besitzen, und die von Till Fabian Weser initiierte Opernwerkstatt nährt diese schöne Illusion seit mittlerweile zehn Jahren mit kontinuierlich zunehmendem Erfolg.

Der hat längst ein so großes überregionales Echo gezeitigt, dass die Festivalmacher sich keinerlei Sorgen mehr um eine ausreichend große Teilnehmerschaft (mithin auch um große Auswahlmöglichkeiten) machen müssen. Kurzum: Wenn die SOB ruft, kommt der Nachwuchs nach Bamberg! Das liegt natürlich nicht zuletzt an der hoch professionellen Anleitung, auf die sich Vokalisten und Instrumentalisten verlassen können. Kein Wunder also, dass sich auch längst erfolgreiche Stimmen noch nach Bamberg begeben, wenn sie wissen, dass sie von der Erfahrung einer Kollegin vom Kaliber Angelika Kirchschlagers profitieren können.

Als Resultat des übergroßen Talenteandrangs konnten diesmal gleich zwei unterschiedliche Gesangsbesetzungen aufgeboten werden. Die erste davon war am Premierenabend so überzeugend, dass einem um die Alternativbesetzung (am heutigen Abend) nicht bange sein muss. Eine stimmliche Bilanz können wir freilich erst nach der zweiten Premiere ziehen.

Schnörkellose Interpretation

Identisch werden aber die anderen musikalischen Leistungen sein, vom entzückenden Tastenglockenspiel Yuka Beppus bis zum inspirierenden Dirigat Till Fabian Wesers. Der hatte sein von Barockspezialisten durchsetztes Orchester ganz auf eine historisch informierte Spielweise getrimmt. Schon die federnd leichte, von einem vibratolosen und fast schneidenden Violinklang dominierte Ouvertüre deutete auf eine flüssige und schnörkellose musikalische Interpretation hin.

Ebenfalls schnörkelfrei und daher leicht verständlich ist die Inszenierung Doris Sophia Heinrichsens. Sie vermeidet allzu hintergründig gemeinte Deutungshinweise und begrenzt Bildeinblendungen auf einen rein illustrativen Sinn, erlaubt sich aber diverse Modernismen, durchaus pfiffige übrigens. Das Bühnenbild von Jens Hübner spricht Bände, und das im doppelten Wortsinn: Steile Bücherwände beidseitig verheißen die Herrschaft von Wissen und Vernunft. Das erschließt seine volle Bedeutung zu Beginn des zweiten Aktes, wenn der Goldene Schnitt als Hintergrundbild erscheint und wir definitiv in der Welt der Freimaurer angelangt sind. Mehr davon nach der zweiten Premiere, die heute, das lässt sich schon jetzt prognostizieren, abermals ein vollauf zufriedenes Opernvölkchen in eine laue Sommernacht entlassen wird.


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