Vergangene Woche hat Chefarzt Burkhard Schauf seinen Hebammen und Mitarbeitern im Kreißsaal Sekt spendiert: Im Monat August verlangten die legendären "anderen Umstände" von ihnen eine um 50 Prozent erhöhte Leistung im Vergleich zu Monaten mit durchschnittlicher Geburtenrate. 216 Babys erblickten das Licht der Welt. Der Durchschnitt liegt bei 150.

Schauf, Leiter des Bereichs Geburtshilfe in der Frauenklinik der Sozialstiftung Bamberg, freut sich über den anhaltenden Babyboom im Klinikum am Bruderwald. Als er 2009 seine Stelle in Bamberg antrat, kamen im selben Jahr 1680 Buben und Mädchen auf die Welt. 2010 und 2011 waren es um die 1800. In diesem Jahr könnte die Zahl wiederum steigen, wenn die Entwicklung weiterhin so positiv verläuft wie bisher: Die Geburtshilfe lag Ende August im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 70 Babys im Plus.

Gründe dafür kann der Chefarzt viele nennen; in einem einzigen Satz aber fasst sie der Vater des kleinen Philipp Bless, der am 1. September in Bamberg geboren wurde, zusammen: "Weil wir hier sehr zufrieden sind." Besonders die Anstrengungen der Kinderklinik, den plötzlichen Kindstod zu erforschen und zu verhindern, beeindrucken ihn. Familie Bless wohnt in Schweinfurt, vertraut aber seit der Geburt ihres ersten Sohnes einer Hebamme, die im Klinikum am Bruderwald Belegbetten hat. Für die Familie also war es keine Frage, zur Geburt des zweiten Sohnes wieder nach Bamberg zu kommen.

Für Chefarzt Schauf ist es in erster Linie die Einstufung der Bamberger Geburtshilfe als Level-I-Zentrum, das den guten Ruf und die steigenden Geburtenzahlen begründet. Diese höchste Qualifizierung erreichen Geburtshilfe-Kliniken nur, wenn sie von anerkannten Neonatologen und ärztlichen Geburtshelfern geleitet werden. Entbindungsstation, Operationssaal und Neugeborenen-Intensivstation müssen räumlich miteinander verbunden sein und es muss eine ständige Arztbereitschaft und einen Neugeborenen-Notarzt geben.

Die umfassende Versorgung im Klinikum am Bruderwald reicht also von der Pränataldiagnostik und der Begleitung der Schwangeren über die Entbindung bis hin zur Möglichkeit, Frühgeborene oder kranke Babys sofort in der Kinderklinik stationär zu behandeln. Die Gewissheit, dass sich ein Neugeborenes im Klinikum am Bruderwald in größtmöglicher Sicherheit befindet, schätzen von Jahr zu Jahr mehr Eltern, wie die aktuellen Zahlen beweisen.

Weniger Kaiserschnitte als anderswo

Stolz ist der Chefarzt darauf, dass die Kaiserschnittrate in seiner Klinik mit 27 Prozent sehr niedrig ist. Andere Level-I-Zentren weisen laut Schauf Kaiserschnittraten von 40 Prozent auf. Er selbst ist ein Verfechter der natürlichen Geburt. "Ich finde die normale Geburt genau das Richtige für Mutter und Kind. Wir können im Hause viele Möglichkeiten anbieten, die Entbindung zu gestalten. Wenn es dann doch nicht klappen sollte, ist immer noch ein Kaiserschnitt möglich."

Schauf und sein Team legen sehr viel Wert darauf, dass sich die Mütter - und die Väter - wohlfühlen; dass sie nicht das Gefühl bekommen, einer großen anonymen Maschinerie ausgeliefert zu sein. Deshalb sind viele Zimmer gemütlich wie Hotelzimmer ausgestattet. Ein weiteres positives Kriterium, das sich bei den Wöchnerinnen herumgesprochen hat, ist die Stillberatung, auf die im Klinikum am Bruderwald sehr viel Wert gelegt wird und für die eine eigene Fachkraft eingestellt worden ist.

Die im Jahr 2009 auf Vorschlag Schaufs vollzogene Trennung zwischen Operativer Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich nach seiner Auffassung bewährt und letzten Endes auch zu den gestiegenen Geburtenraten geführt. Mit Genugtuung registriert er, dass neuerdings auch andere Kliniken dazu übergehen, der Geburtshilfe durch Spezialisierung mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und dadurch eine höhere Qualität zu erzielen.
Gefragt ist der Spezialist zum Beispiel, wenn es darum geht, den optimalen Entbindungszeitpunkt herauszufinden.

Sind Franken Faschingsmuffel?

Burkhard Schauf, der weltweit viele wichtigen Kongresse seines Fachgebietes besucht, berichtet von wissenschaftlichen Untersuchungen, denen zufolge manche Kinder ab einem bestimmten Zeitpunkt im Mutterleib nicht mehr optimal versorgt werden könnten. Für sie ist es deshalb besser, zwei oder drei Wochen früher auf die Welt zu kommen, um mögliche kleinere Handicaps zu vermeiden und später "mit 20 Jahren optimal im Leben zu stehen". Nur ein Experte kann diese Empfehlung aussprechen.

Während die Erkenntnisse über den optimalen Zeitpunkt einer Entbindung von allgemein-wissenschaftlicher Gültigkeit sind, trifft eine andere Beobachtung nur auf Franken zu: Burkhard Schauf, der früher an der Uni-Frauenklinik in Tübingen tätig war, hat als Chefarzt in Bamberg erkennen müssen, dass in Nordbayern die meisten Babys im Juli, August und September zur Welt kommen, wobei der August der absolute Spitzenmonat ist. Die wenigsten Kinder werden im November geboren. Wer will, kann also allein aus der Geburtenstatistik ablesen, dass die Franken Faschingsmuffel sein müsse