Bamberg
Bahnausbau

Soll der Bamberger Bahnhof unter die Erde verlegt werden?

Die Entscheidung über die Trassenvariante in Bamberg verschiebt sich. Unterdessen sorgt der Vorschlag eines unterirdischen Bahnhofs für Aufsehen.
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Eine neue Idee zum Bahnausbau kommt von Stadtrat Norbert Tscherner (BBB). Er will mit einer komplett unterirdischen Gleisanlage "die Teilung Bambergs überwinden".  Foto: R. Rinklef
Eine neue Idee zum Bahnausbau kommt von Stadtrat Norbert Tscherner (BBB). Er will mit einer komplett unterirdischen Gleisanlage "die Teilung Bambergs überwinden". Foto: R. Rinklef
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Ein frommer Wunsch. Vor kurzem hat Mike Flügel noch Druck gemacht: Er erhoffe sich eine Ausbau-Entscheidung der Bamberger Stadträte bis Ende April, sagte der zuständige Projektleiter der DB Netz GmbH. Das gewichtige Argument der Bahnplaner lautete damals: Bamberg dürfe nicht länger als nötig zum Flaschenhals der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin München werden. Darunter würden nach der Eröffnung der Ausbaustrecke Ende 2017 auch die Pendler leiden, die auf Nahverkehrsverbindungen angewiesen sind.

Der April ist lange um, doch eine Entscheidung ist in Bamberg auch im Sommer nicht in Sicht. Ja es ist fraglich, ob sie bis Ende des Jahres fällt. Erinnern wir uns: Derzeit werden in Bamberg noch fünf Varianten diskutiert: der ebenerdige Ausbau, ein kurzer und ein langer Tunnel, "drei Gleise" sowie ein Ausbauverzicht. In einer Sondersitzung im Januar hatte der Stadtrat zudem beschlossen, vor der endgültigen Entscheidung eine Reihe von Gutachten in Auftrag zu geben. So sollen die Experten von VWD Stuttgart klären, welche der noch in der Auswahl befindlichen Trassenvarianten die beste für Bamberg ist, ob es noch weitere Lösungen gibt und wie realistisch der von der Bamberger CSU-Fraktion erhoffte S-Bahn-Halt Süd ist. Außerdem wird zur Zeit ein Rechtsgutachten erstellt. Es soll Klarheit über die Frage schaffen, ob das Vorhaben der Bahn, den Bamberger Streckenabschnitt ohne neues Planfeststellungsverfahren zu bauen, überhaupt zulässig ist.

In der Zwischenzeit sorgt ein gewagter, möglicherweise aber gar nicht so abwegiger Vorschlag des Bürger-Block-Stadtrats Norbert Tscherner für Aufsehen. Wie er in einem Antrag an die Stadt schreibt, soll nun eine komplette Tunnelführung für alle vier Gleise durch Bamberg mit unterirdischer Gleisanlage untersucht werden. Würde man den Güterbahnhof auf das Gelände gegenüber des Müllheizkraftwerks verlegen, wie Tscherner empfiehlt, ergäben sich für Bamberg "riesige Chancen".

Denn mit dem kompletten Wegfall der oberirdischen Bahnlinie samt der Unterführungen wäre die Teilung der Stadt Geschichte. Und in der Mitte Bambergs könnten ein neuer Park wachsen und neues Wohngelände entstehen. Die für Bamberg entstehenden Kosten hält Tscherner mit 90 Millionen auf 25 Jahre verteilt für verkraftbar.
Doch warum liegen die mit Spannung erwarteten Gutachten nun doch nicht vor Ende Oktober vor? Hört man sich in der Stadtverwaltung um, waren es haushaltsrechtliche Schwierigkeiten, die die Freigabe der fünfstelligen Summe blockierten. Aufwändig war es zudem, eine Bewertungsmatrix für den Vergleich der Trassen zu erstellen. Zuletzt haben auch die Bahn und das Bundesverkehrsministerium ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die auf die Region Bamberg heruntergebrochenen Zugverkehrsprognosen für das Jahr 2030 fehlen noch. Sie sind aber entscheidend für die Frage, wie zwingend der Ausbau ist und auch dafür, welche Höhe die umstrittenen Lärmwände in Bamberg haben könnten.


CSU ist gegen Konfrontation

Die Bamberger CSU sieht den erneuten Verzögerungsprozess nicht ohne Sorgenfalten. Die einzige Fraktion, die sich schon vorab auf den Ausbau im Bestand festgelegt hat, hätte lieber länger verhandelt, statt auf "Konfrontation" zu setzen. Nun fürchtet sie, dass die Bamberger Belange nicht mehr im gewünschten Umfang berücksichtigt werden. "Wir sind ja nicht Herr des Verfahrens", sagt Peter Neller. Er erwartet zudem kaum neue Erkenntnisse durch die neuen Untersuchungen. "Auch nach den Gutachten wird nicht zweifelsfrei feststehen, was das Beste für Bamberg ist."

Diametral anders fällt die Bewertung beim GroKo-Partner SPD aus. Heinz Kuntke rät dringend davon ab, jetzt einen Schnellschuss zu machen. Von den neuen Gutachten erwartet die SPD entscheidende Erkenntnisse, die die Verhandlungsbasis der Stadt eher stärken als schwächen werden. Kuntke sagt dies auch, weil sich die Prognosen der Bahn nicht immer als zutreffend erwiesen hätten.

Auch die Bamberger Allianz legt Wert auf die ausstehenden Erkenntnisse. Die Fraktion, die sich immer wieder für die Überprüfung einer getunnelten Ostumfahrung stark gemacht hatte, rät dennoch davon ab, das Vorhaben verzögern zu wollen. Klar sei doch, sagt Dieter Weinsheimer, dass die Bahn auf einen Ausbau durch Bamberg nicht verzichten werde. Und klar sei auch, dass es die Stadt sehr viel Geld kosten werde, wenn ab 2022 der Ausbau beginnt und sämtliche Bahnunterführungen neu geschaffen werden müssen.

Den Satz "dann beginnt für einige das böse Erwachen", meint Weinsheimer durchaus doppeldeutig. Da geht es um die Belastungen ohnegleichen durch einen zehnjährigen Trassenbau, aber auch ums Geld. Den Kostenanteil der Stadt beziffert er mit Millionen. Anders als von der BA-Fraktion gefordert, befindet sich dafür "noch kein Cent in der Rücklage".
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