Bamberg
Interview

"So zelebriere ich Sehnsucht"

Mit Yara Linss lässt der Jazzclub die Wintersaison am 14. Mai ausklingen. Wir sprachen mit der Sängerin, die aus São Paulo stammt, aber in Franken lebt.
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Yara Linss, die im April als Künstlerin des Monats von der Metropolregion Nürnberg gefeiert wurde  Foto: pr
Yara Linss, die im April als Künstlerin des Monats von der Metropolregion Nürnberg gefeiert wurde Foto: pr
Vorbei ist's mit der Stubenhockerei: Die Kellersaison hat begonnen. Was für Jazzfans alle Jahre wieder aber einen bitteren Beigeschmack hat. So geht Bambergs Institution in Sachen improvisierte Musik Mitte Mai in die Sommerpause, um sich erst Mitte September zurückzumelden. Yara Linss setzt beim vorerst letzten Konzert den Schlussakkord: Eine Sängerin mit Hang zur Poesie, brasilianischer Melancholie, Liebe zum Jazz und Bossa Nova, der das Publikum verzaubern soll.

"Ich wurde in São Paulo geboren, wuchs in Ulm auf und lebe nun seit mittlerweile zehn Jahren in Franken - wo für Künstler vieles möglich ist", berichtet Yara Linss, die mehrfach ausgezeichnet wurde und beispielsweise auch das bayernweite "Creole" Weltmusik-Casting 2009 gewann. Wobei sich die 35-Jährige in der Vergangenheit nicht nur als Sängerin profilierte, sondern auch als Darstellerin des Nürnberger Theaters Pfütze und des Fürther Stadttheaters, wo Linss in der Kammeroper "Der starke Wanja" eine moderne Märchenprinzessin mimte.





Weiterhin Theaterprojekte

Zweigleisig möchte die Künstlerin auch künftig fahren. Beim Jazzclub erlebt man Linss aber wieder als Songpoetin. Schon einmal trat sie im Gewölbekeller der Oberen Sandstraße auf - "damals sprang ich für eine erkrankte Sängerin beim Rua Baden Powell Projekt ein", berichtet die Musikerin. "Auf diese Weise kehre ich nun zurück - und schließe den Kreis mit ,Samambaia'": dem dritten Album der Komponistin, die die reiche Tradition des Choro, Bossa Nova und Samba mit zeitgenössischem Jazz verbindet.


"Schuld war nur der Bossa Nova"

Was brachte die deutsch-brasilianische Sängerin in einer Zeit, in der Jugendliche eher Rap, Rock und Electro als Jazz hören, zu ihrer Passion? "Schuld war nur der Bossa Nova", meint Yara Linss augenzwinkernd. Im Plattenschrank ihrer brasilianischen Mutter entdeckte sie als Kind die Musik der alten Heimat und kam darüber zum Jazz. "Mit 17 hörte ich dann schon Ella Fitzgerald und fand über den klassischen Gesangsunterricht, den ich erhielt, beispielsweise auch zu Gershwin."



Nach Franken zog die Künstlerin, um an der Nürnberger Hochschule für Musik Jazzgesang zu studieren. Tatsächlich schwärmt Yara Linss von der "fränkischen Herzlichkeit", die sie seither zu schätzen lernte. Gleich 2007 hatte die Sängerin auch einen großen Auftritt beim "Stimmenfang"-Festival. Und nachdem sie drei CDs veröffentlichte, würdigten nicht mehr nur Rezensenten aus der Region die Musikerin, die bei "Poems" einen Streifzug durch die Welt der Poesie von Emily Dickinson bis zu James Joyce, von Fernanda Young über Heinrich Heine bis hin zu Else Lasker-Schüler unternommen hatte.

Gemeinsam mit ihrer Band präsentiert Yara Linss nun am 14. Mai im Jazzkeller ihre Version brasilianischer Musik. "Der Bossa Nova ist auch mein Weg, die Sehnsucht nach einer anderen Heimat zu stillen - und zu zelebrieren, wie es nur Brasilianer können."

Übrigens freuen sich die Konzertveranstalter gerade über eine besonders gute Publikumsresonanz, nachdem der Jazzclub in den vergangenen Jahren auch miese Zeiten erlebte. "Jazz liegt offenbar wieder im Trend. Wir hatten in dieser Saison gleich mehrere restlos ausverkaufte Konzerte", berichtet Peter Makowsky als Pressesprecher: Angefangen bei Max Kienastl über Sisters in Jazz und das Modus Quartett bis hin zu Johanna Schneider.


Opa von Zwillingen

Dementsprechend entspannt geht Makowsky in die konzertfreie Zeit, in der nur mehr Sessions im Landgasthof Heerlein steigen. Allerdings ist der Bamberger in anderer Hinsicht gefordert: "Ich bin gerade Opa von Zwillingen geworden."


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