Bamberg
Sicherheit

So wirken sich Fehlalarme auf die Feuerwehr in Bamberg aus

Regelmäßig lösen Brandmeldeanlagen falschen Alarm aus. Warum das so ist, was das für die Einsatzkräfte bedeutet und wer die Einsätze eigentlich bezahlt.
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Vor kurzem in der Fußgängerzone: Die Brandmeldeanlage im Karstadt hatte ausgelöst, gebrannt hatte jedoch nichts.  Foto: Anna Lienhardt
Vor kurzem in der Fußgängerzone: Die Brandmeldeanlage im Karstadt hatte ausgelöst, gebrannt hatte jedoch nichts. Foto: Anna Lienhardt
Neulich kam's dicke: Erst "Karstadt", wenige Tage später "C&A" in der Innenstadt. In beiden Fällen rauschte die Feuerwehr in größerer Besetzung schnellstmöglich zu den Einsatzorten - um festzustellen, dass es nichts zu tun gab.

Ähnliches passiert immer wieder bei Seniorenheimen, Hotels, Studentenwohnheimen oder Industrieanlagen: falscher Alarm.

Wo und wann dieser auslöst, davon hängt ab, wie viele Feuerwehrler ausrücken. "Es ist ein Unterschied, ob wir zu einem Krankenhaus oder Hotel mit schwieriger Rettungssituation gerufen werden - oder ob Sonntagfrüh die Brandmeldeanlage in einem leeren Geschäft anspringt", sagt Stadtbrandrat Matthias Moyano.
Er erklärt das Alarmierungssystem, das sich nach dem "Gefahrenpotenzial" richtet: "Die Hauptamtlichen von der ,Ständigen Wache‘ fahren immer raus. Bei Sonderobjekten, wie zum Beispiel Einkaufszentren, fahren die freiwilligen Einheiten mit."

Zudem hängt die Mannschaftsstärke davon ab, wie die Integrierte Leitstelle alarmiert: Beim Stichwort "Zimmerbrand" machen sich mehr Einsatzkräfte auf den Weg als wenn es heißt: "Brandmeldeanlage ausgelöst." Diese Meldungen bescheren der Feuerwehr etliche Einsatzfahrten, die es nicht bräuchte - weil es gar nicht brennt. Doch warum?


"Täuschungsalarm" ist häufig

Zunächst erklärt der Stadtbrandrat die vier Szenarien, in denen eine Brandmeldeanlage (BMA) auslöst:

Bestimmungsgemäßes Auslösen "echter Alarm": Die Brandmeldeanlage löst aus, weil es tatsächlich brennt.

Täuschungsalarm Der Brandmelder wird z.B. durch Wasserdampf, Zigarettenrauch oder Staub bei Arbeiten ausgelöst.
Fehlalarm Es handelt sich um einen Fehler im System, etwa eine technische Störung. Der Auslösegrund ist nicht unbedingt erkennbar.

Böswilliger Alarm Die Brandmeldeanlage (BMA) wird bewusst ausgelöst, obwohl keine Gefahr droht.

Unter den Einsätzen ohne Feuer ist am häufigsten der "Täuschungsalarm", wenn die Anlage etwa bei einer großen Staubwolke bei handwerklichen Arbeiten auslöst. Im vergangenen Jahr waren dies 90 Einsätze.
An zweiter Stelle stehen die "Fehlalarme". "Das kann eine technische Störung sein, oder ein Kleintier wie eine Spinne ist ins Gerät gekrabbelt", sagt Moyano. 58 Mal ist die Feuerwehr 2016 in solchen Fällen los. Auf dem letzten Platz liegen mit elf Einsätzen die "böswilligen Alarme". Diejenigen, über die man sich bei der Feuerwehr am meisten ärgert. Nicht nur, weil sie die Einsatzkräfte binden. "Wir haben alle einen normalen Arbeitstag. Wir müssen von der Arbeit weg und sind mit Privatfahrzeugen unterwegs. Auf diesem Weg - und auch auf dem mit dem Feuerwehrfahrzeug - ist die Gefahr für einen Unfall größer", erklärt Moyano.

Schließlich ist der Zeitdruck auch nach dem Auslösen einer BMA enorm, ein Mensch könnte um sein Leben kämpfen. Umso ärgerlicher sei es, wenn jemand die Einsatzkräfte und ihr Umfeld in eine gefährliche Situation bringt - nur, um sich einen Spaß draus zu machen. Moyano: "Das ist kein Lausbubenstreich, sondern eine Straftat!"

So wurden die Kameraden beispielsweise innerhalb weniger Wochen fünf bis sechs Mal in die Tiefgarage am Georgendamm gerufen. Für nichts. "Trotzdem müssen wir jedes Mal wieder rausfahren", sagt Moyano. Denn die Feuerwehr rückt immer aus.

Auch in eine Betreuungseinrichtung für Jugendliche wurde sie mehrmals umsonst gerufen - "bis es wirklich mal gebrannt hat", deutet Moyano an. Wird der Verantwortliche für den "böswilligen Alarm" gefasst, bekommt er die Rechnung. Die staffelt sich nach notwendigen Einsatzfahrzeugen. Für die Löschfahrzeuge werden zum Beispiel 172 Euro fällig, eine Drehleiter kostet 206 Euro extra. Der Kompletteinsatz am Georgendamm kommt so auf rund 1000 Euro - jedes Mal. Die werden bisher auf die Allgemeinheit umgelegt, da der Täter noch nicht gefasst ist. Wird er erwischt, kann er sich auf eine Anzeige einstellen wegen des "missbräuchlichen Gebrauchs von Brandschutzeinrichtungen". Dafür muss er löhnen oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen.


Betreiber muss zahlen

Pauschalkosten gibt es dagegen bei Täuschungs- und Fehlalarmen. Rückt nur die "Ständige Wache" aus, werden 400 Euro fällig. Sind weitere Löschgruppen dabei, kommt man auf 670 Euro. Die Rechnung bekommt jeweils der Betreiber der Brandmeldeanlagen, im Eingangsbeispiel also die beiden Kaufhäuser.

Bei einem tatsächlichen Brand zahlt die Gemeinde, da die Sicherheit ihrer Bürger Pflichtaufgabe ist. Privatleute sollten sich übrigens aus Angst vor Kosten nicht scheuen, die Feuerwehr zur rufen: Droht echte Gefahr, übernimmt auch hier die Kommune.

Um die falschen Alarme bei größeren Einrichtungen zu verringern, überlegen die Feuerwehrleute gemeinsam mit den Betreibern der Häuser, was man an den Einstellungen der BMA ändern könnte. Werden die Einsätze weniger, kommt das auch den Sanitätern und der Polizei zu Gute: Sie werden immer mit alarmiert.

Auch interessant: So werden Rettungskräfte in Bamberg beschimpft.
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