Bamberg
Gesellschaft

So werden Rettungskräfte in Bamberg beschimpft

Für Rettungskräfte sind Beleidigungen und Motzereien keine Ausnahmen mehr. Die Geschichten sind schockierend.
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Manche schauen, andere pöbeln und behindern gar, wenn Rettungskräfte im Einsatz sind.  Archivbild: Ronald Rinklef
Manche schauen, andere pöbeln und behindern gar, wenn Rettungskräfte im Einsatz sind. Archivbild: Ronald Rinklef
Der Auslöser für diesen Artikel ist ein Video, das die Löschgruppe Vier der Bamberger Feuerwehr veröffentlicht hat. Es geht um Respekt gegenüber Rettungskräften - den offenbar viele Menschen nicht mehr haben.

Die Gespräche mit Polizei, Feuerwehr, dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und dem Technischen Hilfswerk (THW) lassen einen schockiert zurück. Auf die Frage, ob es Erfahrungen mit Pöbeleien gibt, antwortet Thomas Stemper, Wachleiter beim BRK Bamberg, sarkastisch: "Natürlich, wir stehen ja grundsätzlich im Weg."
Da klopfen Autofahrer an die Scheibe des Rettungswagens und fragen: "Wann seid ihr endlich fertig?". "Oder sie gehen ins Haus und suchen unsere Mannschaft - um zu erfahren, wann wir weg fahren." Dabei sei vollkommen klar: "Sobald wir die Möglichkeit dazu haben, fahren wir weg," sagt Stemper. Doch selbst das geht manchem zu langsam. "Einmal waren wir hinten im Wagen mit der Wiederbelebung eines Menschen beschäftigt. Da ist vorne plötzlich jemand eingestiegen und hat einfach unseren Wagen weggefahren."

Michael Ruthrof, stellvertretender Kreisgeschäftsführer beim BRK, berichtet von einem Sanitäter, der von einem unter Drogen stehenden Menschen angegriffen worden sei.


"Gesamte Palette an Beschimpfungen"

So etwas ist auch für die Bamberger Polizei nichts Neues. Laut Sprecherin Silke Gahn gibt es oberfranken- und bayernweit sogar eine "Statistik Gewalt gegen Polizeibeamte". Deutlich häufiger sind Beleidigungen während des Streifendienstes. "Besonders, wenn Alkohol im Spiel ist. Da wird auf dem Transport zur Dienststelle die gesamte Palette an Beschimpfungen abgespult", berichtet Gahn.
Je nach Ausmaß folgt dann eine Anzeige. Manchmal komme nach einer Nacht in der Ausnüchterungszelle immerhin eine Entschuldigung. Oft genug aber auch nicht.

Das THW hat weniger mit heftigen Beschimpfungen zu kämpfen, als mit renitenten Motzern. Michael Friedrich, Ortsbeauftrager für Bamberg, bringt als Beispiel die Absperrungen rund um den Weltkulturerbelauf (WKEL). Jedes Mal würden etliche Menschen Unverständnis zeigen, warum sie mit dem Auto oder Fahrrad jetzt "nicht schnell" unter dem roten Markierungsband durch dürften. "Die unvermeidlichen Diskussionen haben dazu geführt, dass es mittlerweile schwierig ist, überhaupt Leute zu finden, die sich da freiwillig hinstellen."
Doch auch die Rettungsgasse auf Straßen beschäftigt das THW. Friedrich merkt an: "Wer diese nicht beachtet, kann neuerdings dafür bestraft werden."

Rettungsgasse und Absperrungen beim WKEL sind zwei Beispiele, die Stadtbrandrat Matthias Moyano ebenfalls nennt. Einmal habe ein Autofahrer sogar demonstrativ auf einen Feuerwehrmann zugehalten und erst sehr spät gebremst.
Momentan ärgert den Stadtbrandrat noch etwas anderes: "Es gibt Leute, die immer alles besser wissen, obwohl sie nie bei der Feuerwehr waren."

Er berichtet von herablassenden Kommentaren im Internet oder E-Mails, deren Schreiber von einer "scheiß Einsatzführung" sprechen. Oder, die süffisant fragen, warum man für ein angebranntes Schnitzel fünf Feuerwehrautos brauche. "Dabei hat sich erst während des Einsatzes herausgestellt, dass es kein Wohnungsbrand ist. Die Besserwisser kriegen ja die erste Einsatzmeldung gar nicht mit."

Jüngst wurde auch auf infranken.de gestänkert, als wegen eines Gaslecks mehrere Straßen in Bamberg-Ost und der Bahnhof gesperrt waren. "Da wird gleich von Behördenversagen und völlig übertriebenen Sperrungen geschrieben. Aber da ging es um was! Die Polizei riegelt den Bahnhof auch nicht aus Willkür ab", so Moyano. Eine andere Geschichte stimmt nachdenklich: Ein schwerer Verkehrsunfall auf dem Münchner Ring, "da meint ein Großvater, dass er seinem vielleicht fünfjährigen Enkel alles ganz genau zeigen muss", erzählt Moyano. Als er den Erwachsenen darauf angesprochen habe, habe er nur eine pampige Antwort bekommen.
 

Immerhin: Bei allen Anfeindungen werden die Rettungskräfte auch gelobt. "Das freut einen schon, wenn sich jemand die Mühe macht, und extra noch mal anruft", sagt etwa Thomas Stemper vom BRK. Und die folgende Reaktion dürfte auch für ein Lächeln sorgen:

"Meine Helden 2016"

Diesen Jahresabschluss wünscht sich niemand: Am Nachmittag des 31. Dezembers 2016 stand in der Lichtenhaidestraße plötzlich ein Holzofen in Flammen. In dem Gebäude der ehemaligen Schlachthofgaststätte ist eine der Mieterinnen Andrea Reinhold mit ihren Kindern. Sie saßen wegen des stark verrauchten Treppenhauses in ihrer Wohnung fest. Umso dankbarer ist die Anwohnerin den Rettern:

"Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen Rettungskräften von Herzen bedanken. Die Feuerwehr war binnen weniger Minuten vor Ort und hat meine Kinder und mich mit der Drehleiter aus der Wohnung geholt. Die Sanitäter haben sich rührend um die Kleinen gekümmert. Alle strahlten eine konzentrierte Ruhe aus, waren freundlich und zuvorkommend, so dass sich meine Töchter schnell beruhigt und sicher gefühlt haben. Vielen vielen Dank also an Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei - meine Helden 2016."

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