Bamberg
Essen

So schmeckt Bamberg

Im November kommen in sieben Gaststätten der Stadt vom Aussterben bedrohte Lebensmittel wie der Bamberger Spitzwirsing und das Bamberger Hörnla auf den Tisch. Sie gehören zur "Arche des Geschmacks" von Slow Food.
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Manuela Merz putzt in der Küche des Brauereigasthofs "Spezial" Bamberger Spitzwirsing. Foto: Riegerpress
Manuela Merz putzt in der Küche des Brauereigasthofs "Spezial" Bamberger Spitzwirsing. Foto: Riegerpress
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Bamberg Für den Spitzwirsing legt auch mal die Chefin der Brauereigaststätte Spezial, Manuela Merz, Hand an. Denn so lecker er am Ende auch schmeckt, die Zubereitung erfordert doch einen gewissen Aufwand. So muss er gewaschen und geputzt, gekocht und durchgedreht werden, ehe er zum Schweinebraten oder zum Schäuferla serviert wird. Angebaut wird der Spitzwirsing in der Region Bamberg. Und zusammen mit dem Bamberger Knoblauch, dem Bamberger Rettich und den Bamberger Hörnla-Kartoffeln sind sie die vier Passagiere der Slow-Food-Arche des Geschmacks.


"Rekordhalter" Bamberg

Insgesamt gibt es weltweit rund 2700 Arche-Geschmacks-Passagiere. In Deutschland sind es 55 und Bamberg ist die einzige Stadt weltweit, die gleich vier Arche-Passagiere aufweisen kann.

"Mit der Arche des Geschmacks sammelt Slow Food das vom Aussterben bedrohte kulinarische Erbe der Regionen und Orte, um es vor dem Aussterben zu bewahren", erläutert der Slow-Food-Regionsbetreuer für Bamberg, Andreas Schneider. Allerdings sei es mit dem Aufnehmen alleine nicht getan. Vielmehr gehe es darum, diese einst aus guten Gründen weit verbreiteten, zum Charakter einer bestimmten Landschaft gehörenden Kulinaria auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

"Daher haben wir letztes Jahr das Pilotprojekt ,Bamberg kocht slow' ins Leben gerufen. Ziel dessen war es, Gastronomen für die Förderung der vier heimischen Archepassagiere zu gewinnen", erläutert Schneider. Der Erfolg der Aktion sei sehr groß gewesen, daher habe man sie heuer nicht nur fortgesetzt, sondern sogar ausgeweitet.


Nur der Rettich ruht

So nehmen an der Aktion im November nicht nur sieben Bamberger Gaststätten daran teil, sondern 27 Betriebe in Bamberg, Rhön, in Tauberfranken und im Fränkischen Weinland. Auf dem Speiseplan stehen Gerichte von Brotzeiten über Suppen bis hin zu ganzen Menüs. In Bamberg kommen besonders der Knoblauch, die Bamberger Hörnla und der Wirsing auf die Teller. Der Rettich hingegen bleibt außen vor, da er derzeit keine Saison hat.
"Die Verwendung lokaler Lebensmittel bedeutet auch lokale Wertschöpfung, das Geld bleibt in einem kleinen und meist bekannten Verwendungskreis", unterstreicht bei der Vorstellung der Aktion Marc Redepenning vom Lehrstuhl Geographie der Universität Bamberg. Zudem gebe es ferner eine soziale und kulturelle Dimension: lokal produzierte und lokal kommunizierte Lebensmittel bänden Produzenten und Konsumenten zusammen. "Das kann zur Stärkung lokaler Identität und das Vertrauen in lokale Beziehen führen, da man sich eben kennt", so der Professor.

Slow Food ist eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und Konsumenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Sie will eine verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt fördern.


13 500 Mitglieder

Die Slow-Food-Bewegung zählt in Deutschland derzeit über 13 500 Mitglieder in rund 85 Convivien (lokalen Gruppen). Die Arche des Geschmacks ist eines ihrer Projekte.


Die beteiligten Gaststätten und ihr Angebot im November

"Das Faltboot" Weidendamm 150 am Erba-Park: "Fleischküchla mit Bamberger Spitzwirsing und Salzkartoffeln"

"Der Pelikan" Untere Sandstr. 45: "Wokgerichte mit den Arche-Passagieren"

Brauerei "Schlenkerla" Dominikanerstr. 6 : "Hausgemachte Schlenkerla-Bratwürste auf Schmorwirsing und Bamberger Hörnla"

Brauerei "Spezial" Obere Königstr. 10: "Traditioneller Bamberger Mittagstisch mit Spitzwirsing als Beilage"

"Hofbräu" Karolinenstr. 7; "Bamberger Spitzwirsing und Knoblauch, Hörnla, Wild aus der Region"

"Kleehof in der Gärtnerstadt" Untere Königstraße 6-8: "Zweierlei vom Landschwein. Landuro-Schweinefilet mit Gemüsegraupen und eine Minihaxe auf Bamberger Spitzwirsing und Zwetschgenkompott" sowie "Borschtsch mal anders"

"Suppenplantage" Schranne 7: "Bio-Spitzwirsingsuppe mit Frischkäse-Sesambällchen"




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