Immer Samstags, wenn Gerhard C. Krischker zu seinem Frühschoppen in Richtung Königstraße unterwegs ist, überquert er die Kettenbrücke. Weil der bekannte Lektor und Heimatdichter stets mit offenen Augen durch Bamberg läuft, fiel ihm auf, dass der neuen, aus seiner Sicht, gelungenen Kettenbrücke auch nach dem Abschluss der Straßenbauarbeiten im Umgriff etwas Wichtiges fehlt: Das alte Brückenbildnis, das bis 2010 vor dem so genannten Hechtfischer-Haus stand. Es zeigt eine Person, die ein Schild hält, auf der sich die bewegte Brückengeschichte an diesem Ort in Wort und Bild widerspiegelt.

Die Tafel ist nicht auf Nimmerwiedersehen verschwunden, wie Krischker im ersten Moment befürchtete. Sie soll 2013 auf der innerstädtischen Seite der Brücke in der Nähe des Aufzugs wieder aufgestellt werden. Wie Ulrike Siebenhaar, die Pressesprecherin der Stadt mitteilt, war sie mit Beginn der Bauarbeiten an der Brücke im Baubetrieb am Margaretendamm eingelagert worden. Und dort soll sie nur so lange bleiben, bis die schadhafte Ufermauer unterhalb des neuen Standorts saniert worden ist. Das wird allerdings bis 2013 dauern, weil die Fördermittel erst dann fließen.

Um ein wertvolles Denkmal handelt es sich bei der Skulptur nach Ansicht von Robert Zink, dem Leiter des Stadtarchivs, nicht. Dennoch ist es eine heimatgeschichtliche Erinnerung, die manche nicht missen möchten. Die Plastik wurde zum Neubau der Spannbetonkettenbrücke in den 1955 von dem Bamberger Bildhauer Robert Bauer-Haderlein, um an die berühmten Vorgängerinnen der Kettenbrücke zu erinnern.

Dass an der Stelle der heutigen Brücke bereits im Hohen Mittelalter ein künstlicher Übegang bestand, weiß man von der ersten Erwähnung im Jahr 1309, sagt Zink. Bekannter sind die letzten vier Bauwerke: Die berühmte barocke Seesbrücke, erbaut um 1756 wurde bereits 1784 das Opfer eines Hochwasser mit Eisgang. Ein etwas längeres Leben war der 1829 gebauten Brücke beschieden, der die heutige ihren Namen verdankt. Mit den eisernen Kettengliedern war sie auch das Vorbild der berühmten Brooklyn Bridge in New York. Die 1892 gebaute Bogenbrücke hat sich weniger ins Gedächtnis der Bevölkerung eingegraben. Sie wurde 1945 im Vorfeld der amerikanischen Invasion gesprengt und 1953 durch eine moderne Spannbetonbrücke ersetzt.

Die Arbeiten an der jüngsten Kettenbrücke sind mit der Eröffnung der Aufzüge am 23. Dezember weitgehend abgeschlossen. Sie werden bereits häufig von Passanten benutzt, ebenso wie die beiden Treppenabgänge, die Brücke und Kanalufer miteinander verbinden. Ganz abhaken kann Baureferent Michael Ilk die Kettenbrücke dennoch nicht, weil über den Asphalt-Belag derzeit noch gestritten wird. Die Stadt steht auf dem Standpunkt, dass die deutlich unebene Deckschicht nicht ordnungsgemäß aufgebracht wurde. Ein Beweissicherungsverfahren wurde in Auftrag gegeben: Hoffnung dahinter ist laut Ilk, dass sich die Baufirma eines Besseren besinnt und den Belag auf eigene Rechnung erneuert. Das wird aber kaum mehr vor 2013 der Fall sein. "Vor der Gartenschau wird dort nichts mehr passieren."