Ebrach
Flüchtlinge

Sie weiß, was es mit einem macht

Das evangelische Dekanat Bamberg schafft eine eigene Anlaufstelle für Flüchtlingsarbeit: Pfarrerin Cornelia Meyer.
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Im dekanatsweiten Einsatz für Flüchtlinge wird Koordinatorin Cornelia Meyer wohl noch mehr am Telefon organisieren. Foto: Anette Schreiber
Im dekanatsweiten Einsatz für Flüchtlinge wird Koordinatorin Cornelia Meyer wohl noch mehr am Telefon organisieren. Foto: Anette Schreiber
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"Wir haben jetzt schon Alarmstufe Rot." Ebenso höflich wie eindringlich und energisch begegnet die Pfarrerin der Dame am anderen Ende der Leitung. "Wissen Sie, dass...", die nächsten Sätze machen das ganze Ausmaß des Dilemmas deutlich. Im Einsatz für Menschen in Not beherrscht die 52-Jährige die Klaviatur der Verhandlung virtuos - messerscharf in der Argumentation, dabei emotional involviert und seelsorgerisch engagiert für ihre Schützlinge. Rüstzeug, das ihr wohl bei der neuen Viertelstelle zugute kommt. Am Sonntag wird die Ebracher Pfarrerin offiziell in eine komplett neu geschaffene Stelle im Dekanat Bamberg eingeführt, die sich mit dem Thema Kirchengemeinden und Flüchtlingsarbeit befassen wird.

"Nennen wir es einfach Koordinatorin", schlägt die Theologin vor. Offiziell ist die Stelle mit "Koordination und Begleitung von Kirchengemeinden in der Flüchtlingsarbeit" beschrieben. Zwölf Stunden die Woche hat Cornelia Meyer dafür zur Verfügung. Betreuen soll sie die über 17 Kirchengemeinden im Dekanat, das teilweise die Landkreisgrenzen überschreitet. Da sie bislang nur eine halbe Pfarrstelle bekleidet - mit Zuständigkeit für die Gemeinden Ebrach, Großbirkach und Ebersbrunn mit jeweils eigenen Kirchen - sind stellentechnisch noch Kapazitäten frei.

Was Einsatz für Flüchtlinge bedeutet, kennt die 52-Jährige zwischenzeitlich aus persönlicher Erfahrung sehr gut. Als im vergangenen November die ersten Flüchtlinge im Ebracher Gemeindeteil Eberau einzogen, hat sich Cornelia Meyer im Helferkreis eingebracht. "Selbstverständlich, keine Frage!" Sie weiß aus eigenem Engagement was es heißt, Flüchtlinge zum Arzt oder zum Einkaufen zu begleiten. "Da braucht man Zeit." Auch die emotionale Belastung hat sie erfahren. "Das macht ja auch etwas mit einem." Geschichten, Schicksale und Bilder, die einen nicht loslassen. Blutüberströmte Leichen auf Bussitzen etwa. "Das kostet richtig Kraft, ich hab' das anfangs auch unterschätzt." Ehrenamtliche kommen an ihre Grenzen, werden überlastet, "man merkt es nicht einmal gleich." Hier kommt der Pfarrerin ihre pastoral-psychologische Zusatzausbildung zugute.

Ihr gutes Englisch wiederum wird beispielsweise bei den Taufbewerbern in den Vorgesprächen gefordert sein.
Das Einsatzgebiet ist vielschichtig und vielfältig, die Stellenbeschreibung lässt Raum für Flexibilität, für die Schwerpunkte, die sich erst noch herauskristallisieren werden. "In Bamberg ist man recht gut vernetzt", weiß die neue Koordinatorin, da sind auch Leute aus den Kirchengemeinden im Verein Freund statt Fremd etwa. "Das ist in Ordnung." Auf dem Land müssen erst noch Strukturen aufgebaut werden, das ist ein Teil ihrer Mission. Dafür muss es sich freilich erst herumsprechen, dass es im Dekanat neuerdings auch eine "Koordinatorin" gibt. Ein Flyer ist in Arbeit. Nach und nach will die Pfarrerin alle Kirchengemeinden besuchen, in denen Flüchtlinge leben.

Es gilt, für den christlichen Auftrag in der Flüchtlingsarbeit zu sensibilisieren und theologisch zu begleiten und die Gremien in Fragen der Flüchtlingsbetreuung auch zu beraten. Ehrenamtliche will Cornelia Meyer unterstützen, Aktivitäten insgesamt vernetzen, aber auch Kontakt zu Ämtern, Beratungsstellen, Polizei und anderen Involvierten Kontakte aufbauen.


Bildungsarbeit

Ein ganz wesentliches Element wird wohl auch die Bildungsarbeit sein, mutmaßt die Koordinatorin. Sie freut sich darauf, dass andere von ihren Erfahrungen profitieren können. Auch theologisch. Immer wieder werden Bitten an sie herangetragen, sie möge doch für bestimmte Menschen beten. Und sie weiß auch, dass nach der Taufvorbereitung in Englisch die Botschaft der auf Deutsch gehaltenen Taufe rüberkommt: "Christen können miteinander beten, ohne dass man die gleiche Sprache benutzt." Auch das eine Botschaft, die sie gerne weitergeben möchte.

Dekan Hans-Martin Lechner wird sie am kommenden Sonntag, 29. Mai, im Rahmen des Gottesdienstes um 10 Uhr in der Ebracher Lukas-Kirche in ihr neues Amt einführen.

"Mensch super, ich finde großartig, dass es so klappt." Mehrmals bedankt sie die Pfarrerin für das Engagement der Dame am anderen Ende der Telefonleitung. Wieder eine mühsam erarbeitete Hilfe für einen Bedürftigen.



Das evangelische Dekanat Bamberg:

Gebiet Das Dekanatsgebiet (1235 qkm) liegt zwischen Haßberge, Steigerwald, Fränkischer Schweiz und Aischgrund an der Schnittstelle der drei fränkischen Regierungsbezirke.

Gemeinden Zum Dekanat gehören 21 Kirchengemeinden in 19 Pfarreien, derzeit mit etwa 39 500 Gemeindegliedern. konkret gehören dazu Aschbach- Hohn am Berg, Auferstehungskirche- Bamberg, Erlöserkirche- Bamberg, Gleisenau, Großbirkach-Ebrach/Ebersbrunn, Hallstadt,
Hirschaid- Buttenheim, Höchstadt, Lonnerstadt, Memmelsdorf-Lichteneiche, Mühlhausen, St. Matthäus-Gaustadt
St. Stephan -Bamberg, Steppach-Pommersfelden mit Limbach, Trabelsdorf, Walsdorf.
Weingartsgreuth.
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