Bamberg

Segelflieger stürzte in Bamberg ab: Pilot war noch Flugschüler

Der Sturz eines Segelfliegers in ein Wohnhaus in Bamberg ist wohl der Unerfahrenheit eines 36-Jährigen aus Forchheim geschuldet.
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Fehlender Aufwind soll laut den Ermittlungen der Polizei die Ursache für den Segelflieger-Unfall am vergangenen Freitag in Bamberg gewesen sein. Kritik kommt aus Fliegerkreisen: Der Pilot habe womöglich zu spät reagiert.  Foto: Ronald Rinklef
Fehlender Aufwind soll laut den Ermittlungen der Polizei die Ursache für den Segelflieger-Unfall am vergangenen Freitag in Bamberg gewesen sein. Kritik kommt aus Fliegerkreisen: Der Pilot habe womöglich zu spät reagiert. Foto: Ronald Rinklef

Bei dem Piloten, der am vergangenen Freitag mit seinem Segelflieger gegen ein Wohnhaus im Bamberger Osten geflogen war, handelt es sich um einen Flugschüler. Das bestätigte Michael Zistler, Leiter der Flugschule Feuerstein, am Montag auf Nachfrage von inFranken.de. Der 36-jährige Forchheimer sei seit zwei Jahren Flugschüler. Er sollte in diesem Jahr seine Lizenz machen, war also kurz vor dem Ende seiner Ausbildung.

"Er startete um 15.40 Uhr vom Feuerstein und ist eine Stunde geflogen", so Zistler. Hier hätte der Pilot kurz mitgeteilt, dass er in Bamberg landen wolle. "Offensichtlich hat er einen Flugweg nach Süden genommen und hat dieses Vorhaben aber aufgegeben, um auf den Bamberger Flugplatz zurückzukehren", sagt Zistler. Dafür sei wohl die Flughöhe zu niedrig gewesen.
 


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Dass der unerfahrene Pilot alleine im Cockpit saß, war nicht ungewöhnlich - ab einer bestimmten Anzahl von Flugstunden gehen die Schüler ohne Fluglehrer in die Luft. "Sogenannte Außengeländeübungen sind Bestandteil des Ausbildungsprogramms von Segelfliegern und werden ausgiebig trainiert", erklärt Zistler. Wie es trotzdem zu diesem Unfall gekommen sein könnte, sei zur Zeit noch unklar.

Hätte Pilot woanders landen können?
Die Polizei hatte am Wochenende erste Ermittlungsergebnisse bekanntgegeben. Demnach soll die Ursache des Absturzes fehlender Aufwind sein. Der Pilot habe an Höhe verloren und deshalb notlanden müssen. Laut Jürgen Stadter, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, werde geprüft, ob der Pilot den Höhenverlust frühzeitig bemerkt hatte, somit womöglich woanders hätte gefahrloser landen können. Der Mann hatte am Freitag versucht, auf dem Flugplatz Breitenau zu landen. Er war aber mit seinem Flieger am Schornstein des Wohnhauses im Paul-Keller-Ring nahe dem Berliner Ring hängen geblieben und rückwärts in den Vorgarten gestürzt.

Laut einem erfahrenen Piloten befinden sich Segelflugzeuge bei der Unfallstelle im "Queranflug" in der Regel auf etwa 200 Metern Höhe. Ein Zwischenfall dieser Art sei dadurch ausgeschlossen. Dass ein Segelflieger gegen ein Wohnhaus stößt, habe es in Bamberg noch nie gegeben. Warum der 36-Jährige mit seinem Segelflugzeug so niedrig geraten war, ist auch für den erfahrenen Piloten unklar.

Kritik: viel zu niedrig unterwegs
Die Kritik aus Fliegerkreisen ist jedoch vorhanden. Angeblich soll sich der Schüler bereits kurz vor seinem Unfall über dem Landeplatz Breitenau in zirka 400 Metern Höhe befunden haben. Normalerweise hätte der Pilot - so die Kritik - da bereits zur Landung ansetzen oder einen Platz zur Landung auf einem freien Feld suchen müssen.
Laut Aussagen des Luftamtes Nordbayern gilt über Wohngebieten eine Mindestflughöhe von 300 Metern. Ausnahmen gelten bei der Landung.

Das Luftamt, das bei der Regierung von Mittelfranken angesiedelt ist, ist in die Ermittlungen unterstützend eingebunden. Ob den Piloten womöglich eine Schuld trifft, ist offiziell nicht geklärt: "Wegen noch nicht abgeschlossener Ermittlungen zum konkreten Vorfall können derzeit keine Bewertungen zu dem Verhalten des Piloten vorgenommen werden", so Michael Münchow, Sprecher der Regierung von Mittelfranken mit.

Der Pilot hatte bei dem Unfall großes Glück: Er wurde nur leicht verletzt. An Segelflieger und Haus entstand laut Polizei ein Schaden von rund 30 000 Euro. Schätzungen vor Ort lagen zunächst bei einer Größenordnung von 100 000 Euro.

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