Bamberg
Ausstellung

Schwarzer Humor rüttelt auf - Karikaturen-Schau in Bamberg

Erzbischof Ludwig Schick und Chefpathologe Gerhard Seitz gaben im Klinikum den Startschuss für die sehenswerte Schau von Karikaturen zu "Klima, Konsum und anderen Katastrophen" unter dem Titel "Glänzende Aussichten".
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Diese Karikatur von Nel mit dem Titel "Grüsse von der Meeredeponie" ziert das Titelbild des Katalogs.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Diese Karikatur von Nel mit dem Titel "Grüsse von der Meeredeponie" ziert das Titelbild des Katalogs. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Stellen Sie sich vor, sie stehen am Morgen auf, sind noch im Schlafanzug, öffnen den Vorhang und sehen, wie in ihren Gartenmöbeln behaglich ein Löwe sitzt. Nüchtern stellen Sie fest: Der Klimawandel kommt über Nacht!

Mit flotten Strichen hat der Cartoonist Gerhard Glück dieses Szenario zu Papier gebracht. Eine von 80 Karikaturen zu "Klima, Konsum und anderen Katastrophen", die derzeit im Foyer des Klinikums am Bruderwald zu sehen sind. Das Erzbistum Bamberg und das Bischöfliche Hilfswerk Misereor haben für diese Schau international renommierte Karikaturisten gewonnen, initiiert vom kunstsinnigen Chefpathologen der Sozialstiftung Bamberg, Professor Gerhard Seitz, und Weltkirchenreferent Michael Kleiner aus dem Erzbischöflichen Ordinariat.

So ließ es sich auch Erzbischof Ludwig Schick nicht nehmen, gemeinsam mit diesen beiden Herren die nunmehr fünfte Karikaturenausstellung im Klinikum zu eröffnen. Unter den vielen Besuchern waren auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und etliche Stadträte.

Der Erzbischof schlug einen Bogen vom Thema der Werke "Umwelt- und Flüchtlingsproblematik" zur aktuellen Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus. Die Botschaft des Papstes sei klar: Die Erde gehe einer Katastrophe entgegen, wenn nicht viele ihrer Bewohner einen anderen Lebensstil entwickeln. Das europäische und nordamerikanische Produktions- und Konsumverhalten habe drastische Auswirkungen auf die Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika. "Wir müssen unser Leben ändern!", so Schick.

Fürs eigene Gewissen ...

Genau diesem Gesichtspunkt haben sich die Karikaturisten angenommen. Teils mit einem Zwinkern, teils sehr drastisch konfrontieren sie mit der Realität und rufen zur Umkehr auf. "Diese Karikaturenausstellung will Lachen hervorrufen und Problembewusstsein schaffen", führte Michael Kleiner in die Präsentation ein. Doch er warnte. "Nichts entlarven die Karikaturisten genüsslicher als scheinbare Verhaltensänderungen, die nur der eigenen Gewissensberuhigung dient und ohne tiefere Einsicht ist." Als Beispiel führte Kleiner eine Karikatur von Martin Perscheid an: Steht ein Mann vor seinem völlig überdimensionierten Geländewagen in der Garage, die erläuternde Erklärung lautet: "Um einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, schraubte Jürgen Energiesparlampen in die Scheinwerfer seines SUV."

Und schließlich ist da noch der gutbürgerliche Mann, dem angesichts der schmelzenden Pole das Wasser im wahrsten Sinne schon fast bis zum Hals steht. Doch nicht die Klimakatastrophe belastet ihn am meisten, wie er seiner Gattin kurz vor dem Ertrinken im Wohnzimmer noch erzählen kann: "Das Schlimmste ist, dass diese Öko-Gammler recht hatten."

Professor Gerhard Seitz brachte zwei weitere Beispiele, die ihm am Herzen liegen: Die Karikatur von Thomas Plassmann "Essen auf Rädern". "Hier wird Biosprit für unsere Autos verwandt, und daneben steht ein kleiner Junge, der am Verhungern ist." Bedrückend sei auch die Zeichnung von Nel zum Thema Kunststoffmüll, die auch Titelbild des Katalogs zur Ausstellung ist: "Ich würde nur blaue Plastiktüten im Meer zulassen."
Seitz nannte erschütternde Zahlen: Aktuell würden etwa 300 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren schwimmen, jährlich fielen 267 unterschiedliche Tierarten weltweit nachweislich dem Plastikmüll zum Opfer, darunter mehr als 100.000 Meeressäuger.

Gerhard Seitz wünschte den Betrachtern Denkanstöße, Michael Kleiner ein Überdenken des eigenen Lebensstils, um "Einfluss zu nehmen auf die Mächtigen, um die Welt gerechter zu gestalten". Und das "spätestens ab morgen früh". Jedenfalls nicht so, wie es die Weltenretter in einer Karikatur von Klaus Stuttmann der ums Überleben kämpfenden Erde zurufen: "Ab 2020 retten wir dich. Versprochen."

Die Karikaturenausstellung "Glänzende Aussichten" ist bis zum 16. August 2015 täglich zu den Besuchszeiten im Klinikum zu sehen.

Der Katalog mit 99 Karikaturen ist dort für fünf Euro erhältlich.


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