Bamberg
Projekt

Schüler mit Migrationshintergrund bei den Bamberger Symphonikern

Schüler mit Migrationshintergrund besuchten im Zuge von "Bamberg im Takt" die Bamberger Symphoniker.
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Lauschen, anfassen, erklären lassen: Die Kinder aus der Erlöserschule lernten bei dem Ausflug einiges. Foto: Barbara Herbst
Lauschen, anfassen, erklären lassen: Die Kinder aus der Erlöserschule lernten bei dem Ausflug einiges. Foto: Barbara Herbst
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So ist die Jugend von heute: Atiya hat das Stück sehr gut gefallen, weil es schön langsam gewesen sei. Andra lobt die Musiker dafür, dass sie nicht zu laut gespielt haben. Ativa ist 14 Jahre alt und kommt aus Afghanistan, Andra elf Jahre alt und aus Rumänien. Soeben haben die beiden miterlebt, wie die Bamberger Symphoniker Anton Bruckners Dritte Symphonie einstudieren.

Ingrid, 14, aus Rio de Janeiro, gefielen die Geigen am besten. Und, dass sie heute Morgen ausschlafen durfte. Alle drei besuchen die Übergangsklasse von Juliette Kemmer in der Erlöserschule. Kemmer hat 20 Schüler aus zig verschiedenen Ländern mitgebracht. Flüchtlinge wie Andra, deren Deutsch schon nach wenigen Monaten flüssig wirkt, und EU-Ausländer. In Bamberg sind sie alle maximal seit einem halben Jahr.
Der Besuch bei den Bamberger Symphonikern findet im Rahmen von "Bamberg im Takt" statt. Das Workshop-Programm des ISO e.V. bringt Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zusammen. Von Januar bis Mai erhalten die Gruppen Unterricht in Hip-Hop und Film-Schnitt, lernen kulturelle Einrichtungen der Stadt kennen und machen gemeinsam Musik. Am Ende soll eine Dokumentation stehen - und ein Rap.


Führung mit Probenbesuch

Für die Filmmusik gibt es am Dienstagnachmittag schon mal drei CDs aus dem Oeuvre der Bamberger Symphoniker. Als Präsident des Lions Club, der das Projekt fördert, und Trompeter der Symphoniker, hat Till Fabian Weser die Führung mit Probenbesuch möglich gemacht.
Am Anfang bringt er die Gruppe in einen noch leeren Joseph-Keilberth-Saal. "Warum klingt die Trompete hier so schön?", fragt er in die Runde. "Das liegt daran, dass dieser Raum nur für Musik gemacht ist."
Um die besondere Akustik zu demonstrieren, schickt Weser Andra und Ingrid ganz nach oben, ins letzte Eck der letzten Reihe. Wenn jetzt alle anderen still sind, kann man die beiden flüstern hören.

Dann geht es Backstage: Im Umkleideraum proben zwei Klarinettisten, im Schlagwerk-Zimmer präsentiert Till Fabian Weser Pauken und Holzhammer. Die Becken seien besonders schwer zu spielen, dafür aber umso wichtiger: "Becken ist wie Knoblauch in einem guten Essen." Wenn die Symphoniker im Ausland spielen, beispielsweise in Ingrids Heimat Brasilien, muss ein Cargo-Flugzeug gemietet werden, das die Instrumente bringt.
Nebenan hängen die Fräcke. Denn so leger wie zur Probe tritt ein Orchester natürlich nicht vor das Publikum. "Wir sehen dann aus wie Pinguine", sagt Weser und lässt auch Ingrid in einen der schwarzen Fräcke schlüpfen. Er ist ihr ein gutes Stück zu groß. "Das war gut und interessant", resümiert sie im Nachhinein.


Fremdenführer wird zum Musiker

Das Highlight ist natürlich die Probe. Der Saal hat sich gefüllt, beim nächsten Konzert muss die Symphonie unter Leitung von Marek Janowski perfekt funktionieren. Till Fabian Weser, gerade noch Fremdenführer, sitzt nun mittendrin und bläst in sein Instrument. Und die Kinder und Jugendlichen werden dann doch, entgegen aller Befürchtungen ihrer Lehrerin, ganz still.
Die Symphonie ist gewaltig und erhebend und - das freut die Gäste - weder zu schnell noch zu laut.


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