Die Sprengung auf dem Megalith-Gelände am Rande von Gaustadt lockte am Mittwoch eine große Menge Schaulustiger und Medienvertreter auf die Breitäckerstraße. Einer wusste: Schon einmal hatte der Schornstein für Aufsehen gesorgt. Als in den 70er Jahren ein entflohener Ebracher Häftling auf dem Kamin Zuflucht suchte und von der Polizei mit einem Hubschrauber aus der luftigen Höhe abtransportiert werden musste.

Besonders zahlreich wohnten die Vertreter der Stadt Bamberg dem Schauspiel bei: "Wann haben wir das letzte Mal die Sprengung eines Schlots mitverfolgen können?", fragte Finanzreferent Bertram Felix. Tatsächlich: Es ist Jahre her, dass in Bamberg das letzte Mal ein Gebäude mit Sprengstoff in die Luft gejagt wurde. In den 80er Jahren versanken Teile der Kaliko in Schutt und Asche. In den 90ern wurde ein kleinerer Schlot, ebenfalls auf dem Megalithgelände, auf schnellem Weg zu Fall gebracht.



Der 54 Meter hohe Ziegelturm, der nun fiel, stammt noch aus der Gründungszeit der "Agrob". Möglicherweise hat er bereits über 100 Jahre auf dem Buckel. Gesprengt wurde er auch nur deshalb, "weil ein leichter Knick im oberen Drittel einen konventionellen Abriss sehr riskant hätte erscheinen lassen", wie Michael Metzner von der Abbruchfirma sagte.


26 Sprengladungen brachten ihn zu Fall


Nun also die Brachialmethode, die freilich gar nicht so brachial ist, wie sie aussieht. Sie erfordert lange Vorbereitungen und viel Detailarbeit, damit der Turm dorthin fällt, wo er hinfallen soll, und keinen Schaden anrichtet. 26 Sprengladungen verteilte der Sprengmeister auf etwa vier Metern Höhe. Der Schlot, der dort einen Durchmesser von 3,80 Metern aufweist, kippte nach der Explosion, die seine Flanke aufriss, wie gewünscht nach Westen. Die Staubentwicklung hielt sich in Grenzen, weil die Baustelle auf großer Fläche ständig beregnet worden war.

Die Beseitigung der Betriebsgebäude der Firma Megalith ist aber nur der Anfang für eine neue Entwicklung, die nun auch Gaustadts Nordwesten attraktiver machen soll. Hier plant die Eigentümerfamilie Gumbmann zusammen mit der Stadt und dem Architekten Franz Ullrich von plan&werk ein neues Wohngebiet von sechs Hektar Größe. Rund 110 Häuser könnten hier entstehen.

"Das Angebot richtet sich an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und enthält verschiedene Wohnformen. Es gibt Geschosswohnungen, Reihenhäuser, Hofhäuser mit kleinen und preiswerten Grundstücken, sowie konventionelle Einfamilienhäuser", sagte Ullrich. Wichtig ist ihm, dass die auf einer Terrasse oberhalb Gaustadts geplanten Gebäude nach Süden und Westen orientiert sind. Außerdem wird die neue Siedlung dank Wegenetzes und Bus-Anschlusses über eine gute Verbindung zum Rest der Stadt verfügen.

Eine städtebaulich attraktive Entwicklung entlang der Breitäckerstraße begrüßt auch der Bürgerverein Gaustadt, zumal sich auf der Industriebrache seit Jahren wenig getan hat. Allerdings weist Vorsitzende Daniela Reinfelder darauf hin, dass für sie in der Abwägung wichtiger ist, dass der Betrieb der benachbarten Brauerei Kaiserdom ungehindert weiterlaufen kann: "Arbeitsplätze haben Vorrang", sagte die 51-jährige Architektin.


40 Baurechte vorgesehen


Der Wohnungsmangel in Bamberg erweist sich immer mehr als Hemmschuh für die Stadtentwicklung. Deshalb hat auch die Stadt Bamberg Interesse daran, dass die Dinge auf dem Megalith-Gelände in Gang kommen. Wie Claus Reinhardt sagte, laufen derzeit die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer Andreas Gumbmann und der Stadt über einen städtebaulichen Vertrag. Ziel sei es, das Bebauungsplanverfahren noch in diesem Jahr abzuschließen und auf dem sechs Hektar großen Gebiet ein neues Wohnbaulandmodell der Stadt Bamberg aufzulegen.

Wie groß die Nachfrage nach erschwinglichen Einfamilienhäusern in Bamberg ist, hat die Stadt Bamberg zuletzt beim Ansturm auf die Grundstücke auf dem Gelände des TV 1860 festgestellt. Gut möglich, dass sich dies auch am nordwestlichen Stadtrand wiederholt. Hier sollen 40 Baurechte nach einem festen Kriterienkatalog an Begünstigte abgegeben werden. Bis es soweit ist, wird freilich noch einiges Wasser die Regnitz hinabfließen. Mit der Erschließung des Grundstücks durch Wege ist heuer wohl nicht mehr zu rechnen, wie Franz Ullrich sagte.