Bamberg
Prozess

Schlimmes Ende einer großen Liebe

Ein 34-Jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Bamberg des versuchten Totschlags verantworten.
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Rechtsanwalt Norbert Brandl und der Angeklagte fertigen in einer Verhandlungspause eine Skizze vom Tatort, einer Wohnung in Bamberg-Ost.Foto: Jutta Behr-Groh
Rechtsanwalt Norbert Brandl und der Angeklagte fertigen in einer Verhandlungspause eine Skizze vom Tatort, einer Wohnung in Bamberg-Ost.Foto: Jutta Behr-Groh
Er liebe sie nach wie vor und plane seine Zukunft mit der Frau. Das antwortete Abbas T. (Name von der Redaktion geändert) am ersten Verhandlungstag auf die Frage des Vorsitzenden Richters Manfred Schmidt, wie er heute zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin stehe.

Der 34-jährige Pakistani soll am Abend des 23. Dezember 2016 versucht haben, diese zu töten. Deshalb muss er sich nun vor der Zweiten Strafkammer als Schwurgericht verantworten: wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Seine deutsche Freundin hat die Attacke zum Glück überlebt. Sie habe ihm verziehen, sagte die 36-Jährige zum Prozessauftakt. Vergessen könne sie jedoch nicht, was er ihr angetan habe. Eine gemeinsame Zukunft sei für sie ausgeschlossen.


Tatort Wohnung

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass T. die Frau umbringen wollte. Das Opfer ist die einzige Tatzeugin: Ort des Geschehens war die gemeinsame Wohnung in einem Bamberger Mehrfamilienhaus. Die Frau bangte an jenem Abend um ihr Leben.

Der 34-jährige soll seine Freundin gebissen, geschlagen, getreten, an den Haaren geschleift und vor allem massiv gewürgt haben. Mit einer Hand habe er ihr Mund und Nase zugehalten und mit der anderen den Hals zugedrückt, trug Oberstaatsanwalt Otto Heyder vor. Während der Auseinandersetzung sagte er angeblich so etwas wie "Du zu Weihnachten Friedenhof".

Die Frau kam mit blauen Flecken, Rippenprellungen, ausgerissenen Haaren und und einem gebrochenen Zungenbein davon, weil er pötzlich von ihr abließ: Er sei ins Bad gagangen und sie habe gehört, dass er sich dort übergeben musste, so die Zeugin. Die Gelegenheit nutzte sie, um mit dem Handy die Polizei zu rufen, die wenig später kam und T. festnahm.

Die Version des Angeklagten ist, die Frau habe ihn beim Heimkommen am Abend mit einer Art Gabel in der Hand empfangen und versucht, ihm in die Bauchgegend zu stechen. Sie sei betrunken und laut gewesen. Um zu verhindern, dass sie ihn verletzt und dass Nachbarn wegen des Lärms wieder die Polizei rufen habe er sie erst an den Händen und später am Hals gepackt und auf das Sofa geworfen. Eine Verletzungs- oder Tötungsabsicht stellte er in Abrede. Er habe sie doch geliebt und tue es immer noch.


Viel Alkohol getrunken

Beide waren an jenem Abend erheblich alkoholisiert und räumten ein, dass sie auch sonst viel tranken. T. behauptete, seine Freundin werde dann oft laut: "Wenn Sie betrunken ist, weiß sie nicht, was sie sagt." So soll es auch am 23. Dezember gewesen sein. Sein Blutalkoholgehalt war mehrere Stunden nach der Tat noch so hoch, dass die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten eine deutlich verminderte Steuerungsfähigkeit zubilligt.

Er hatte tagsüber nach eigenen Angaben etwa sechs Bier getrunken und bei einem abendlichen Besuch des Weihnachtsmarkts mit seinem Arbeitgeber und einem Kollegen zwei Glühwein und einen Schnaps.

Der Mann aus Pakistan und die gebürtige Sächsin lernten sich im Mai 2015 in einer Asylbewerberunterkunft im Landkreis Bamberg kennen. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick, denn im Juni verlobten sie sich schon. Die Frau wechselte ihre Arbeit und übernahm eine Tätigkeit in der Unterkunft, in der er als Hausmeister fungierte, so dass sie viel zusammen sein konnten.

Warum er seine Heimat verlassen hat, wollte der Vorsitzende Richter von T. wissen. Der berichtete, 2001 sei einer seiner Brüder aus religiösen Gründen ermordet worden. Daraufhin sei er mit einem anderen Bruder nach Griechenland geflüchtet. Bis 2012 will er dort gelebt und gejobbt haben.


Seit 2012 in Deutschland

Nach Deutschland sei er weitergereist, nachdem die Mörder des Bruders ihn in Griechenland ausfindig gemacht hätten. Der 34-Jährige hat nach eigenen Angaben nie eine Schule besucht. Er kann aber lesen und schreiben und spricht relativ gut deutsch. Er will insgesamt zwölf Sprachen sprechen - "das ist mein Hobby" - und sich alles mit Hilfe des Internets beigebracht haben. Einen Beruf hat T. nicht erlernt. Er arbeitete bis zu seiner Flucht im väterlichen Betrieb.

Das Schwurgerichtsverfahren wird Mitte kommender Woche fortgesetzt.

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