Lange braucht Günter Grünwald, der oberbayerische Kabarettist mit dem rustikalen Humor, nicht, um den ersten Applaus seines Bamberger Publikums zu erhaschen. Dabei erzählt er in seinem aktuellen Programm "Da sagt der Grünwald Stopp", mit dem er seit Ende März durch Deutschland tourt, vor allem von Alltagsbegebenheiten: Mal explodiert Grünwald angesichts eines nervigen "Hornochsens" in der Pfandflaschenabgabeschlange im Supermarkt vor ihm, mal lamentiert er über den Pfarrer aus seiner Ministranten-Zeit, vor den er sich hinbücken musste, um eine auf den Boden gefallene Hostie aufzuheben. Diese groben, gelegentlich grenzwertigen Geschichten sind Grünwalds Markenzeichen. Für einen großartigen Kabarettabend reicht das allein aber nicht aus.

Der gebürtige Ingolstädter, der auf der großen Bühne der Bamberger Konzerthalle recht verloren wirkt, kommt in seinem zweistündigen Programm gänzlich ohne Requisiten aus. Allein der Wirkung der Worte gilt sein Fokus. Das beeindruckt zwar angesichts der Länge der zahlreichen Anekdoten, die Grünwald aneinandergereiht ohne einen Texthänger präsentiert. Doch macht es den Auftritt des 55-Jährigen auch reichlich trocken, zumal sich sein Stilmittel, der oberbayerische Dialekt gepaart mit deftigen Schimpfwörtern ("die Bräunungstanten-Zuchtel vom Sonnenstudio nebenan"), schnell abnutzt.

Kostprobe gefällig? "In Backfabriken geht es zu wie in einer Klärgrube, in die King Kong reingeschissen hat." Derlei Pointen sorgen für den kurzfristigen Lacher, zumal Grünwald sein Geschichten-Potpourri professionell von der Bühne runterspielt. Dem Publikum gefällt's, auch wenn es eine wirkliche Interaktion mit den rund 800 Zuschauern nicht gibt.


Vorurteile kriegen ihr Fett weg



Dafür präsentiert Grünwald über lange Jahre gepflegte Vorurteile, die auch in Bamberg ihre Wirkung nicht verfehlen: So wettert er gegen Anglizismen wie "After-Work-Party" und wünscht sich die gute alte Wirtshausschlägerei zurück. Oder er schimpft auf die neuen Männer, die das Land nun wirklich nicht brauche, und mimt im Kontrast dazu den italienischen "Brusthaar-Halbaffen-Macho". Vieles von dem, was Grünwald in seinem achten Soloprogramm aufgreift, ist nicht neu; so darf beispielsweise das schon standardmäßige Ossi-Bashing nicht fehlen. Die Längen im Programm kann das aber nicht verhindern. Häufig sind die Grünwald'schen Episoden schlichtweg zu umständlich konstruiert, die Pointen zünden erst spät.

Dabei ist der Kabarettist eigentlich ein gnadenloser Beobachter urbayerischer Befindlichkeiten. Sein Alter Ego, der grantelnde Jedermann, hat durchaus Potenzial, etwa, wenn er auf das vom TV-Trash verblödete "Plem-Plem-Land" mit der neuen Ikone Daniela Katzenberger schimpft, oder sich über seinen Status als C-Promi belustigt. Doch solche Momente bleiben leider viel zu selten. Grünwalds Witze sind häufig platt ("Delfine sind schwule Haie"), ihm selbst fehlt es an der nötigen Spritzigkeit.

Zum Schluss nervt ihn eigentlich alles: ob Busfahrer, die Rentnerkegeln während der Fahrt betreiben, oder Kinder, die neben der Pollen- und Hausstauballergie auch eine gegen Erziehung haben. Wie viele Male Grünwald an diesem Abend das Fäkalwort "sch..." gebraucht, lässt sich da schon nicht mehr mitzählen. Und so rettet ihn auch sein abschließender Rat an die Zuschauer nicht mehr: "Erwarten Sie nichts mehr vom Leben, dann ist jeder Furz ein Geschenk!".