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Schaden die Events dem Handel in Bamberg?

Welche Vorteile bringen die Großveranstaltungen dem Handel in Bamberg: Nützen sie mehr oder schaden sie gar? Eine Uni-Studie sorgt für Klarheit.
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Eine von elf Veranstaltungen, deren Umsatzeinflüsse auf den Einzelhandel in Bamberg untersucht wurde: "Bamberg zaubert"
Eine von elf Veranstaltungen, deren Umsatzeinflüsse auf den Einzelhandel in Bamberg untersucht wurde: "Bamberg zaubert"
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Auch Marc Redepenning war überrascht. Der Geographie-Professor an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hatte vermutet, dass der Einzelhandel in Bamberg mehr von der Zugkraft publikumsstarker Großveranstaltungen profitieren würde. Doch glaubt man den Ergebnissen einer von seinem Lehrstuhl erstellten Studie, dann haben Großveranstaltungen nur einen geringen positiven oder unterm Strich sogar einen leicht schädlichen Effekt auf die Umsatzentwicklungen im Bamberger Einzelhandel. Das zeigen die Antworten, die insgesamt 113 Einzelhändler auf die Fragen des Instituts für Geographie gegeben haben.

Die Studie wurde im Auftrag des Bürgervereins Bamberg-Mitte mit Geldern des Bürgervereins und der Oberfranken-Stiftung durchgeführt. "Ziel ist es, in der in Bamberg mit großer Emotionalität geführten Debatte um Sinn und Unsinn von Events eine sachliche Diskussionsbasis zu erhalten", sagt Vorsitzende Sabine Sauer.
 


Bamberg zaubert und Sandkerwa

Dafür haben Niklas Rhein und David Sauerwald die Auswirkungen von insgesamt elf Großveranstaltungen auf den stationären Einzelhandel in der Bamberger Innenstadt mit Hilfe einer repräsentativen Umfrage unter die Lupe genommen. Berücksichtigt wurden nicht nur Top-Events wie "Bamberg zaubert", die Sandkirchweih und das Blues- und Jazz-Festival, sondern auch der Weihnachtsmarkt, der Antikmarkt, der Herbstmarkt und die Public-Viewing-Veranstaltungen auf dem Maxplatz.

Auf den ersten Blick liefert die Studie widersprüchliche Ergebnisse: 66 Prozent der Teilnehmer bescheinigen den Veranstaltungen unabhängig von ihrer beruflichen Perspektive der Stadt insgesamt zusätzliche Attraktivität zu bescheren. Gleichzeitig lassen die Zahlen aber erkennen, dass die Kassen nicht so klingeln wie erwünscht. Namentlich bei Veranstaltungen wie "Bamberg zaubert" oder der Sandkirchweih ist die Zahl der Profiteure (7,1 bzw. 16,8 Prozent) kleiner als die Zahl der Benachteiligten, also jener Händler, die angeben, während des Events eine weniger kauffreudige Kundschaft zu haben (40,7 bzw. 37,2 Prozent).

Dieses Missverhältnis zeigt sich auch beim Blick auf die Umsatzzahlen. Unterm Strich überwiege der negative Einfluss auf den Handel leicht, lautet die Diagnose der Wissenschaftler. 16,8 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass sich die Veranstaltungen negativ auf den Umsatz ihres Geschäfts auswirkten. Demgegenüber konnten nur 13,3 Prozent einen positiven Effekt ausmachen.

Mit Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen halten sich die Macher der Studie zurück. "Es zeigt sich, dass Events nicht das Allheilmittel für den unter Druck stehenden Handel sind", sagt Niklas Rhein allgemein. Marc Redepenning bemängelt die geringe Partizipation der Händler bei den Events. So hätten 88 Prozent der Befragten gesagt, dass sie nicht bei Planung und Durchführung der Veranstaltungen beteiligt waren. Das sei verbesserungsbedürftig.
 


Bürgerverein will neu nachdenken

Für den Bürgerverein Mitte sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass neu über Art und Dimension der Großveranstaltungen in Bamberg nachgedacht werden muss. "Wir sind nicht gegen Events, aber es ist jetzt eindeutig widerlegt, dass solche Großveranstaltungen für den Handel überlebensnotwendig sind", sagt Reiner Dietz. Ulrich Krackhardt warnt davor, die Ergebnisse dieser Umfrage zu unterschätzen. Wer die Interessen des Handels übergehe, nehme das Risiko in Kauf, dass eine Lebensader der Stadt ausgehöhlt wird, sagt Krackhardt.

Wie es im Begleittext zur Studie heißt, wurde die Untersuchung unter anderem auch vom Stadtmarketingverein unterstützt. Allerdings zieht dessen Geschäftsführer Klaus Stieringer ganz andere Schlussfolgerungen als der Bürgerverein Bamberg-Mitte: "Es ist ja nicht so, dass Veranstaltungen wie ,Bamberg zaubert´ ins Leben gerufen worden wären, um Umsatz zu generieren. Das sind keine Einzelhandelsveranstaltungen", sagt Stieringer, der nach wie vor große Begeisterung in der Bevölkerung für die Events sieht. Laut Stieringer profitiert auch der stationäre Handel, "wenn "die Gesamtattraktivität der Stadt durch Events unterstützt wird".

Überrascht durch die eher negative Sichtweise seiner Kollegen zeigt sich Claus Hofmann vom Einzelhandelsverband Bamberg. Zwar habe etwa auch er bei "Bamberg zaubert" Umsatzeinbußen hinnehmen müsse, dennoch zweifelt er nicht, dass die hohe Besucher-Frequenz in der Innenstadt auch durch die publikumsstarken Veranstaltungen erreicht werde. Hier gegenzusteuern, davon kann Hofmann nur abraten: "Viele andere Städte in Franken hätten gerne unsere Probleme."







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