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Bamberg
Eklat

Sanierung Obere Brücke: Geschäftsleute sind sauer

Die Obere Brücke soll schon ab Mitte März saniert werden. Die Gewerbetreibenden fühlen sich überrumpelt und fürchten Einbußen bis zur Existenzgefährdung.
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Vertreter der Interessengemeinschaft Karolinenstraße/Obere Brücke/Obstmarkt: Die Gewerbetreibenen fordern, dass die Sanierung aufgeschoben wird. Für den motorisierten Verkehr ist die Brücke bereits gesperrt, wie die Pfosten zeigen. Foto: Ronald Rinklef
Vertreter der Interessengemeinschaft Karolinenstraße/Obere Brücke/Obstmarkt: Die Gewerbetreibenen fordern, dass die Sanierung aufgeschoben wird. Für den motorisierten Verkehr ist die Brücke bereits gesperrt, wie die Pfosten zeigen. Foto: Ronald Rinklef
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Die Rechnung für die Nutzung der Freischankfläche - die Sitzmöglichkeiten draußen - hat Reinhold Grill schon mal vorab bekommen. Dabei wird der Pächter der "Rathaus-Schänke" an der Oberen Brücke dieses Jahr kaum Gelegenheit haben, seine Stühle und Tische draußen aufzubauen. Denn direkt am Haus wird sich bald eine Großbaustelle befinden - sehr bald.

Schon am 14. März soll mit der Sanierung an Bambergs berühmtester Brücke begonnen werden. Vor allem die beiden Sandsteinbögen auf der Inselseite sind wegen fehlender Abdichtungen überall im Mauerwerk "stark durchfeuchtet", wie Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt Bamberg, sagt.

Vereinfacht gesagt: Der komplette Belag muss bis zum Stein abgenommen werden und die Bögen mit einer Abdichtung versehen werden. Die Kosten sind mit rund 500.000 Euro veranschlagt.

Dass die Arbeiten tatsächlich zügig beginnen sollen, zeigen erste Vorboten: Seit Donnerstagabend stehen Pfosten an beiden Zugängen zur Brücke: "Sie ist ab sofort für den Verkehr gesperrt", sagt Siebenhaar. Fußgänger kommen noch problemlos durch, doch auch das wird sich im Laufe der Arbeiten - zumindest phasenweise - ändern.


Geschäftsleute organisieren sich

Doch genau diese "Fußgängerfrequenz" sei für die Geschäftsleute an der Brücke enorm wichtig, sagt Heiner Wohlfart. Er ist Inhaber der Konditorei im Riffelmacher's und Ansprechpartner bei der Interessengemeinschaft (IG) Karolinenstraße/ Obere Brücke/ Obstmarkt. Die Gruppe aus 16 Gewerbetreibenden hat sich anlässlich der Brückensanierung zusammengeschlossen.

Fast alle kommen zum Termin mit dem FT, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen: Die Sanierung soll verschoben werden, am besten auf Anfang 2017. Dass Baumaßnahmen an dem Bamberger Wahrzeichen notwendig sind, ist seit vielen Jahren bekannt. "Doch das kommt jetzt schon sehr plötzlich!", sagt Wohlfart.

Die Ware bei den Einzelhändlern ist bestellt, das Personal in den Gastronomiebetrieben organisiert und mancher Inhaber hat bereits eine teure Maschine angeschafft. "Ein Gewerbetreibender muss sein Geschäftsjahr planen, mit allen Einkäufen, Aktionen oder Investitionen. Diese Pläne sind nun zunichte gemacht", sagt Wohlfart. Sechs bis zwölf Monate Vorlaufzeit hätte man mindestens gebraucht, doch die Stadt habe die Geschäftsleute erst vor Kurzem informiert.

Die sind nun besorgt: Bekommen sie ihre Ware verkauft, die sich in hoher Stückzahl im Lager türmt? Wie zahlen sie ihre Pacht, wenn draußen wegen Lärm und Dreck von der Baustelle niemand sitzen oder entlang bummeln mag? Reinhold Grill von der "Rathaus-Schänke" trifft es besonders schlimm. Er wird auf den größten Teil seiner Freischankfläche, die sich auf der Oberen Brücke befindet, verzichten müssen. Für ihn gehe es ans Existentielle. "Der wirtschaftliche Schaden muss auf ein überlebensfähiges Maß reduziert werden", fordert er. Zumal der Pächter zu bezweifeln wagt, dass die Sanierung tatsächlich wie geplant am 22. Juli abgeschlossen sein wird.
Selbst wenn, sei auch das eine Herausforderung: "Das ist die absolute Hochsaison, in der wir dann Knall auf Fall mehr Arbeitskräfte brauchen", erläutert Heiner Wohlfart. Doch so schnell bekomme man dann die Saisonarbeitskräfte nicht mehr her, weil sie schon woanders untergekommen seien.

Was sagt die Stadt zu alledem? Zu allererst kommt eine hochoffizielle Entschuldigung, die Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) auch persönlich gegenüber den Geschäftsleuten ausgesprochen hat. Ulrike Siebenhaar aus der Pressestelle bedauert die "Verkettung von Missverständnissen" zutiefst, die zur aktuellen Situation geführt hat. Von nun an achte man peinlichst genau darauf, Anwohner und Gewerbetreibende "engmaschig zu beteiligen".

So ist für den 1. März eine "Anliegerinformationsveranstaltung" geplant. Zu diesem Zeitpunkt soll feststehen, welche Baufirma die Sanierung übernimmt. Mit dieser sollen sich die Geschäftsleute dann abstimmen können, etwa was Zufahrtswege oder den zeitlichen Ablauf angeht.

Apropos Zeit: Warum muss es plötzlich so schnell gehen mit der Sanierung? Laut Siebenhaar sei bei der sogenannten Baubewertung 2012 der Zustand der Brücke aus dem 15. Jahrhundert gerade noch annehmbar gewesen. Doch zur Messung 2015 habe er sich "dramatisch verschlechtert". Zwar sei die Brücke noch nicht einsturzgefährdet. "Aber ein weiteres Warten ist nicht möglich, ansonsten ist eine Sofortsperrung zu befürchten", so Siebenhaar.

Die Gewerbetreibenden haben die Entschuldigung der Stadt zwar zur Kenntnis genommen. "Aber davon kann ich nicht abbeißen", zitiert Heiner Wohlfart die Sorge eines Kollegen. Wie es denn mit einer Entschädigung aussehe? Ulrike Siebenhaar lässt durchklingen, dass man durchaus über "materielle Erleichterungen" nachdenke.

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