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Sandkerwa-Mode: Kittel ist das neue Dirndl

Im engen und schlecht waschbaren Kleid ins Gewühl? Das geht viel bequemer. Und die Leute gucken trotzdem.
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Kittel goes Kerwa! Foto: Sabine Christofzik
Kittel goes Kerwa! Foto: Sabine Christofzik
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Gell, das Dirndl ist schon wieder einsatzbereit. Oder etwa nicht? Senfkleckse vom Samtmieder reiben, Schäuferla-Soße aus der Seidenschürze entfernen? Wenn da mal nicht der Reinigungsprofi ran muss.

40-Grad-Wasch-Kurzprogramm vor dem Schlafengehen, Kittel auf Bügel, Bügel auf Wäscheleine über Nacht, Bügeleisen auf Kittel am Morgen. Nananananaaaaana! Gewonnen!

Es ist das Gemeine, dass man nicht unbedingt selbst mit Essen oder Trinken geschlabbert haben muss. Das besorgen im Sandkerwa-Gemöhr schon die lieben Mitmenschen. In den meisten Fällen allerdings unbeabsichtigt.

Dauergeschubse zwischen Schlenkerla und Katzenberg. Am linken Oberarm wird's plötzlich feucht, klebrig und rot. Ach nö, Mensch. Stell dich halt irgendwo an den Rand und ess dort deine Wurst mit Ketchup. Hätte ich eine blütenweiße Dirndlbluse angehabt ... 2:0 für den (ärmellosen) Kittel. So sieht's aus!


Blicke sprechen Bände

Die Kittelschürze ist ein Allzweck-Kleidungsstück. Also muss sie auch als Kirchweih-Outfit taugen. Auf jeden Fall ist sie lässiger als Bauchfrei-Top, Riesen-Bling-Bling-Straßstein im Nabel und eine Jeansrocklänge, bei der die jugendliche Trägerin pausenlos damit beschäftigt ist, den Saum nach unten zu ziehen.

Eigentlich hatte ich mit Sprüchen gerechnet im Stil von "Hat die Putzfrau heute Ausgang?". Stattdessen sprechen mich nur zwei Mädchen an, die auf der Markusbrücke Selfies knipsend herumalbern. "Scharfes Teil", meint die eine, "Da fehlt aber noch ein Kopftuch", die andere. Die Erklärung, dass das Ganze ein Reportage-Projekt ist, lässt sie einigermaßen verblüfft zurück. "Wir schauen dann mal auf infranken.de", höre ich noch, als ich mich zum Gehen wende.

Abendfüllend ist es dagegen, Blicke zu interpretieren, die die ungewöhnliche Kerwa-Kleidung treffen. Vor allem dort, wo Leute sitzen und die Passanten im Zeitlupentempo weitergeschoben werden, heften sich weit aufgerissene Augen unverwandt auf das wadenlange Oberteil über der hellblaue Jeans. Erstaunen, Belustigung, Spott und schätzungsweise 34 andere Empfindungen spiegeln sich in den Mienen wider.

Überlegt da nicht sogar jemand, ob das der künftige Sandkerwa-Klamotten-Trend sein könnte? Dem gäbe ich vollkommen Recht: Kittel ist das neue Dirndl! Die Vorteile liegen auf der Hand.


Das Projekt Kittelschürzenreport:

Der Kittelschürzen-Report ist die Spurensuche nach einem Kleidungsstück, das in der Kindheit für Gemütlichkeit und Geborgenheit stand. Das geht am besten, indem man selbst mal für einige Wochen den Kittel anzieht. Jeden Tag. So wie Oma, Mama, Tante früher.

Wer trägt heute noch Kittel zu Hause? Wer muss ihn tragen im Job? Und wo bekommt man heutzutage überhaupt welche her? Wir werden es herausfinden.

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