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Sandkerwa-Absage in Bamberg: "Es gibt kein Sicherheitsproblem"

Am Samstag erklären sich die Veranstalter zur Sandkerwa-Absage. Ein Grund soll die Sicherheitslage sein, doch gibt es laut Polizei keine konkrete Gefahr.
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Sicherheit an der Sandkerwa seit vergangenem Jahr: Fangnetz an der Markusbrücke, mehr Security und breitere Fluchtwege.  Foto: Matthias Hoch/Archiv
Sicherheit an der Sandkerwa seit vergangenem Jahr: Fangnetz an der Markusbrücke, mehr Security und breitere Fluchtwege. Foto: Matthias Hoch/Archiv
Die Absage der Sandkerwa sorgt derzeit für ein breites Echo, auch über Bamberg hinaus. Es überwiegt in den Reaktionen Erstaunen darüber, dass das traditionelle Volksfest erstmals nicht mehr stattfinden könnte, und die Diskussion, ob die Kirchweih noch ein Bamberger oder vielmehr zuletzt immer mehr ein Fest für Auswärtige geworden ist.

Ungeachtet dessen sehen vor allem Rechtspopulisten in der Absage eine willkommene Steilvorlage. Das wird derzeit in den sozialen Netzwerken deutlich. "Merkels Erbe: Traditionsveranstaltungen werden reihenweise abgesagt, weil keine Sicherheit garantiert werden kann", gehört noch zu den harmloseren Reaktionen auf Twitter. In zahlreichen Kommentaren ist von "Flüchtlingsgewalt" die Rede. "Deutschland schafft sich ab" ist zu lesen. Auch die AfD Bayern springt auf den Zug auf: "Das hat natürlich alles nichts mit nichts zu tun. Schon gar nicht mit der massiv gestiegenen Migrantenkriminalität", heißt es auf deren Facebookseite.

Dabei ist noch nicht viel über die Gründe der Absage bekannt. Der Bürgerverein Sand hat gegenüber den Standbetreibern in einer Mail am Mittwoch lediglich knapp geschrieben, dass die Entscheidung aufgrund "der aktuellen Sicherheitslage und der finanziellen Risiken" gefallen sei. Weitere Ausführungen fehlen, da sich die Verantwortlichen erst am Samstag äußern wollen.


Nur abstrakte Gefahr

Die Formulierung des Vereins irritiert, wie eine Nachfrage bei der Polizei belegt. Selbst die wurde kalt erwischt: "Auch die Polizei Bamberg war überrascht von der Absage", sagt Christian Heyd, Sprecher der Polizei Bamberg-Stadt. Die Irritation rührt daher, weil aktuell gar keine konkrete Gefahr bestehe: "Die Sicherheitslage hat sich nicht geändert. Es besteht zwar eine abstrakte Gefahr, aber es gibt keine konkreten Hinweise auf Straftaten", erklärt Heyd.

Deswegen habe man von Seiten der Polizei das bestehende Sicherheitskonzept aus dem vergangenen Jahr übernommen: "Es wurden keine Hürden auferlegt, die das Ganze zum Scheitern gebracht hätten", zeigt sich Heyd verwundert, der selbst bei den Besprechungen mit den Veranstaltern war. Gründe für eine Absage aus Sicht der Polizei habe es nicht gegeben.

Das hatte selbst Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Donnerstag deutlich gemacht. Und Ulrich Maly (SPD), Präsident des Bayerischen Städtetags, sagte dem BR: Es gebe keine konkrete Terrorgefahr - "insofern gab es eigentlich keinen Grund für diese Absage".


Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt Bamberg, findet, dass die Formulierung "Sicherheitslage" vom Bürgerverein unglücklich gewählt sei. Sie bestätigt die Aussage der Polizei: "Es gibt überhaupt kein Sicherheitsproblem in Bayern und in Bamberg schon gar nicht." So habe es von Seiten der Stadt keine neuen Auflagen und keine neuen Vorgaben im Sicherheitskonzept der Sandkerwa gegeben.

Dieses war im vergangenen Jahr unter großen Mühen aller Beteiligten erarbeitet worden. "Die Sicherheitsanforderungen sind natürlich in den letzten fünf Jahren gestiegen", weiß auch Siebenhaar. Doch habe dies nur zum geringen Teil mit einer Bedrohungslage zu tun: "Sicherheit ist mehr als das." Zwar gab es im vergangenen Jahr mehr Securitypersonal und ein Rucksackverbot, doch kamen auch breitere Fluchtwege, ein Fangnetz an der Markusbrücke zum Schutz vor herabfallenden Gegenständen sowie eine speziell für das Sandgebiet ausgelegte Lautsprecheranlage hinzu.


Mehrkosten als Problem?

Dieses Paket schlug aber zu Buche: Die Sandkerwa Veranstaltungs GmbH des Bürgervereins hat für das Sicherheitskonzept 2016 mit Mehrkosten von 70.000 Euro gerechnet. Rund 30.000 Euro für die Lautsprecheranlage übernimmt zwar die Stadt, dennoch bereiten dem Verein die Finanzen wohl weiterhin Probleme.
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