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Kapagne

Sabina Rifat ist eine starke Frau

Am morgigen Sonntag der Weltmission steht Pakistan im Fokus. Die Frauenrechtlerin Sabina Rifat aus Lahore referierte im Bistumshaus St. Otto vor Eine-Welt-Beauftragten aus Bamberger Pfarreien über ihr Heimatland voller Widersprüche.
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Sabina Rifat nimmt an diesem Wochenende in drei Bamberger Pfarreien am Gottesdienst teil. Foto: mkh
Sabina Rifat nimmt an diesem Wochenende in drei Bamberger Pfarreien am Gottesdienst teil. Foto: mkh
Terroranschläge, Naturkatastrophen, Atombombe, Drohnenkrieg, Zwangsheirat und religiöse Konflikte - bei kaum einem anderen Land scheinen sich die Schreckensnachrichten so zu häufen wie bei Pakistan. Doch wie leben die Menschen dort wirklich, was bewegt die rund 179 Millionen Einwohner, und wie ergeht es der christlichen Minderheit in der Islamischen Republik?

Am morgigen Sonntag der Weltmission nimmt das Internationale Katholische Missionswerk "Missio" Pakistan in den Blick. Und dass dieses so ferne südasiatische Land und das Schicksal seiner Menschen auch hierzulande nicht kalt lassen, bewiesen in diesen Tagen Männer und Frauen aus Bamberger Pfarreien: Als Eine-Welt-Beauftragte konnten sie sich aus erster Hand im Bistumshaus St. Otto über ein Pakistan voller Widersprüche informieren.
Missio-Gast Sabina Rifat aus Lahore bewegte ihre Zuhörer, die spürten: Das ist eine starke Frau, so wie ihre Landsmännin Malala Yousafazai, die Friedensnobelpreisträgerin 2014. So begrüßte Generalvikar Georg Kestel die Religionswissenschaftlerin Sabina Rifat auch mit den Worten: "Es ist ein Geschenk, dass Sie da sind!"
Ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit. Denn bei allem Mut, den die 57-jährige Sabina Rifat bei ihrem Einsatz speziell für Mädchen und Frauen in ihrer Heimat zeigt, ist sie mit politischen Äußerungen in Bamberg sehr zurückhaltend. Schließlich muss sie um ihre eigene Sicherheit fürchten. So sagt Sabina Rifat kein Wort zu den Blasphemiegesetzen Pakistans, weil allein schon eine kritische Äußerung dazu eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Immerhin räumt sie ein, dass sich nach dem 11. September 2001 die Lage in Pakistan dramatisch zugespitzt hat: Religiös motivierte Gewalt ist an der Tagesordnung, extremistische Muslime greifen Kirchen und Moscheen an. Sabina Rifat: "Die fanatischen Muslime werden auch von den moderaten gefürchtet." Und natürlich von der christlichen Minderheit, nur 2,8 Millionen Einwohner sind Christen, davon 1194 000 Katholiken.
Doch freimütig berichtete sie darüber, wie Mädchen und Frauen benachteiligt sind im Gesundheitswesen und in der Bildung: "Wenn ein Mädchen geboren wird, dann gibt es keine große Freude", so Sabina Rifat. Frauen fühlten sich als Bürgerinnen zweiter Klasse. Viele Ehemänner der Frauen, mit denen sie arbeiten wolle, würden es nicht gern sehen, dass sie diesen bestimmte Fähigkeiten beibringe, um ihr eigenes Geld zu verdienen. "Vor allem die Armen sind sehr schwer zu überzeugen", sagte Rifat.
Sie hat mit Hilfe von "Missio" in Lahore das Wake-Projekt (Women And Kids Education) gegründet, mit dem sie Mädchen und Frauen zu mehr Gleichberechtigung verhelfen will, zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation und ihres Status‘ in der Gesellschaft. "Bildung ist der Schlüssel gegen Armut", weiß Sabina Rifat. So bekommen Kinder in ihrem Projekt eine Grundbildung vermittelt, lernen Frauen lesen und schreiben sowie das Nähen und Schneidern von Kleidung, um damit einen eigenen Verdienst zu erwirtschaften: "Drei Euro Gewinn am Tag ermöglichen ein Leben in Würde", betonte Sabina Rifat. Und erzählte von vielen Frauen, die für 60 Rupien (50 Cent) den ganzen Tag in Ziegeleien oder Haushalten schuften müssen.
Das Wake-Projekt steht auch Musliminnen offen: Die Förderung von interreligiöser Gleichheit, Frieden und Einigkeit ist Sabina Rifat ebenfalls ein großes Anliegen. Sie freut sich, wenn zwischen einer Christin und einer Muslima Freundschaft entsteht, weil diese auch positive Auswirkungen auf deren Familien hat. Damit bekommt das Motto des Weltmissionssonntags seine konkrete Bedeutung: "Euer Kummer wird sich in Freude verwandeln" (Johannesevangelium). Sabina Rifat setzt ein solches Zeichen der Hoffnung und macht Ernst mit einer Forderung von Papst Franziskus: Ihm ist eine "verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinaus geht, lieber als eine selbstzufriedene, die sich abschottet", wusste Missio-Referent Michael Krischer den Bambergern mit auf den Weg zu geben.
Krischer und Michael Kleiner vom Referat Weltkirche des Erzbischöflichen Ordinariates gaben den Eine-Welt-Beauftragten noch etliche Tipps an die Hand, wie sie den Sonntag der Weltmission in ihren Pfarreien gestalten können.

Sabina Rifat ist in drei Gottesdiensten zu erleben:
Heute um 19.19 Uhr in St. Josef/Hain, eine besondere Eucharistiefeier mit Neuem Geistlichem Lied und Pater Solomon Sahayaraj aus Indien als Zelebrant.

Morgen spricht Sabina Rifat in der 9 Uhr-Messe in St. Otto und in der 10.30 Uhr-Messe in St. Wolfgang.


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