Hallstadt
Kultur

Riesen-Feier mit "Wingenfelder" in Hallstadt

Bei ihrem Auftritt am 5. Dezember im Kulturboden in Hallstadt haben die Wingenfelder-Brüder Kai und Thorsten auch "Fury in the Slaughterhouse"-Songs und -Geschichten im Gepäck.
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Wingenfelder treten in Hallstadt auf. Foto: Olaf Gebert
Wingenfelder treten in Hallstadt auf. Foto: Olaf Gebert
Wenn Wingenfelder auf "Fury in the Slaughterhouse" trifft... Die beiden Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder haben inzwischen gemeinsam ihr drittes Studioalbum produziert. Zwar fanden alle drei Platten durchaus eine gute Resonanz bei den Fans, an die ganz großen Erfolge der Band "Fury in the Slaughterhouse", deren Gründer sie in den 80-ziger Jahren waren, konnten sie bislang noch nicht anknüpfen. Mit ihrem Album "Retro" sind sie am kommenden Samstag in Hallstadt im Kulturboden auf der Bühne. Mit im Gepäck haben Sie dann alte "Fury in the Slaughterhouse"-Lieder sowie Werke ihres neuen Schaffens. Zuvor jedoch stehen Sie im Interview der Lokalredaktion Rede und Antwort.

Sie haben in der Mitte der 80er zusammen mit Ihrem Bruder die Band "Fury in the Slaugtherhouse" gegründet. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Thorsten Wingenfelder: Gute, aber auch andere Erinnerungen. Wir waren bis zum Jahre 2008, also über 20 Jahre zusammen und haben alles mitgemacht: Wir waren in Amerika, hatten goldene Zeiten erlebt, aber auch in billigen Clubs gespielt. Ich denke inzwischen, dass wenn man seinen Frieden mit den Dingen gemacht hat, jene Zeiten mit der Band wie ein gutes Geschenk ist, welches man bekommen hat.
So gesehen habe ich ganz gute Erinnerungen daran und ich glaube, es war eine schöne Sache, die wir damals gemacht haben.

Trotz der großen Erfolge kam es letztendlich dennoch zur Trennung der Band? Was war der Grund dafür?
Irgendwo war bei uns der Wurm drin und wir hatten es zu spät gemerkt. Daher ist unsere Partnerschaft von sechs Jungs von innen heraus verfault. Wir können noch immer gut live spielen, aber wir sind nicht mehr in der Lage, eine neue Platte zu machen. Wir wurden immer mehr zur Coverband unserer eigenen Lieder. Hinzu kamen noch Streitereien und wir haben uns irgendwie unwohl gefühlt.
Wir beschlossen daher, das Ganze mit erhobenem Haupt zu beenden. Aber wir treffen uns noch wie neulich in Hannover und können noch über alte Zeiten reden..."

Ist Ihre Vorgeschichte mit "Fury in the Slaughterhouse" für Sie, wenn Sie nun als Wingenfelder auftreten, ein Segen oder ein Fluch?
Unterschiedlich. Wir spielen beispielsweise in Hamburg in der Markthalle vor 1000 Fans und die wollen keine Fury-Songs hören. Die wollen Wingenfelder-Lieder hören. Die rufen ständig nach Songs, die wir gar nicht mehr spielen können, weil das Set schon zweieinhalb Stunden lang ist. Dann kommen wir nach Hallstadt und die Leute wissen gar nicht, wer wir sind und die würden sich vielleicht über Fury-Songs freuen und sind über die Wingenfelder-Songs überrascht.
Der einzige Fluch und das ist eigentlich kein Fluch: Man muss flexibel bleiben und schauen für welches Publikum man gerade spielt und man muss ein bisschen Gefühl entwickeln, wie die Abende ablaufen.
Meist gehen wir ein bisschen in die Vergangenheit und holen die Leute dort ab, um sie in die Zukunft zu bringen - weggelöst von "Fury in the Slaughterhouse".

Anders als zu "Fury in the Slaughterhouse"-Zeiten singen Sie inzwischen ausschließlich auf Deutsch. Was hat Sie dazu bewogen und was ist das Besondere auf Deutsch zu singen?
Die englische Version klingt oftmals viel geschmeidiger. Zumal man mit weniger Wörtern auskommt. Hinzu kommt, dass man im deutschen Sprachraum auf englisch singen kann, was man will und es keiner so richtig versteht. Oder wie kommt es sonst, dass die "Bloodhound Gang" morgens um 8 Uhr von ficken, bumsen und blasen singen. Eine derartige Passage in einem deutschen Lied würde aber von den Radiosendern morgens niemals gespielt werden.
Der Hauptunterschied ist also: Du bist verständlich. Aber wenn man letztendlich mit einem Inhalt, Text oder einer Aussage gut rüber kommt und das Ganze auch noch melodisch hinbekommt, dann ist es schon sehr spannend deutsche Lieder zu produzieren.

Ihr aktuelles Album und ihre Tournee stehen unter dem Schlagwort "Retro". Sind Sie und ihr Bruder inzwischen musikalisch da angekommen, wo Sie schon immer hin wollten?
Wir haben uns für das Album von einem Freund inspirieren lassen und viele Gespräche über das Zurückbesinnen geführt. Er meinte, dass wir durch die Art wie wir arbeiten die Retro-Künstler schlechtweg seien. Dennoch sind wir immer wieder musikalisch auf einer Reise. Ich glaube jedoch, bei "Retro" sind wir da angekommen, wo wir hin wollten. Bei anderen Alben allerdings noch nicht. Wir merken zudem, wenn wir die Stücke der aktuellen Platte live spielen, dass sie langsam beginnen zu funktionieren und unglaublich Spaß machen. Trotzdem sind wir jetzt schon wieder auf dem nächsten Weg....

Worauf dürfen sich die Bamberger Fans freuen und warum sollten sie unbedingt zum Konzert nach Hallstadt kommen?
Unbedingt kommen müssen sie, weil vieles von uns in Bamberg angefangen hat. So habe ich beispielsweise als Thorsten Wingenfelder mein Soloalbum im Live-Club gespielt. Auch wenn wir derzeit im Norden und im Westen besser am Start sind, als im Süden, freuen wir uns total drauf nach Bamberg zu kommen und hoffen, dass eine Menge Leute vorbeischauen, um sich das anzuschauen, was wir produziert haben.
Wir werden natürlich neue und alte Wingenfelder-Songs spielen. Es wird zudem ein paar Fury-Songs und Geschichten geben. Ich denke es wird ein Abend zwischen himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt und riesiger Feier werden.

Das Interview führte Harald Rieger.
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