Bamberg
Prozess

Reifen-Dieb in Bamberg bekommt mehrjährige Haft

Das Landgericht Bamberg verurteilt einen einschlägig vorbestraften Reifen-Dieb zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe.
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Der angeklagte David T. wartet im Beisein von Rechtsanwältin Kerstin Rieger (links) und der Dolmetscherin auf die Urteilsverkündung. Foto: jb
Der angeklagte David T. wartet im Beisein von Rechtsanwältin Kerstin Rieger (links) und der Dolmetscherin auf die Urteilsverkündung. Foto: jb
Wo die Autoreifen gelandet sind, an deren Diebstahl er beteiligt war, weiß David T. (Name von der Redaktion geändert) angeblich nicht. Mehrere Komplettsätze sind ihm und einem anderen in die Hände gefallen, als die beiden Männer im Oktober und November 2015 binnen vier Wochen zwei Mal ein und dasselbe Autohaus an der Kärntenstraße heimsuchten.

Weil der 37-jährige T. seine DNA am Tor hinterlassen hatte, wurde er der Tat überführt und jetzt in Bamberg verurteilt.
Die Kleine Strafkammer des Landgerichts sprach den gebürtigen Slowaken des räuberischen Diebstahls und des Diebstahls schuldig. Die verhängten vier Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe nahm der Mann ohne zu zögern an.


Einschlägig vorbestraft

Es wird nicht sein erster Gefängnisaufenthalt sein. Nur einen Monat vor dem ersten Einbruch in dem Bamberger Autohaus war T. in Österreich nach 16 Monaten Strafhaft entlassen worden. Er saß dort wegen ganz ähnlicher Taten ein, die ihn in Bamberg auf die Anklagebank gebracht haben.

"Die Rückfallgeschwindigkeit ist enorm", stellte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung fest. Die dafür notwendige kriminelle Energie war einer der Punkte, die aus Sicht der Richter gegen den Angeklagten sprachen. Zu Gute hielten sie ihm unter anderem die desolaten finanziellen und sozialen Verhältnisse, in denen er zur Tatzeit lebte: Er hatte in Tschechien eine Arbeit, die sehr schlecht bezahlt gewesen sein soll, aber keine eigene Wohnung. Er gab an, dass er mit seiner Freundin im Haus ihrer Mutter lebte. Es habe häufig Streit gegeben; dann sei er weggefahren und habe im Auto geschlafen.

Im Oktober 2015 hielt er sich nach eigener Aussage in Nürnberg auf und hauste in seinem Personenwagen. In dieser Situation soll ihn ein Freund zum ersten Mal für einen Reifendieb-stahl in Bamberg angeworben haben.

Vier Wochen später machten sie den zweiten Einbruch an der Kärntenstraße. Sein Lohn seien jeweils ein paar Gramm Metamphetamin gewesen und insgesamt 2800 Euro Bargeld, sagte der Angeklagte. An wen sein Kumpel die Reifen verkauft hat, wisse er nicht.

In der Hauptverhandlung nannte T. erstmals den Namen und eine Teilanschrift des zweiten Mannes, nach dem die Polizei bisher erfolglos gesucht hat. Es soll sich um einen Landsmann aus einem Ort handeln, in dem "viel los" sei; dort gibt es dem Angeklagten zufolge auch eine Art Mafia.

Eine mildere Strafe brachte ihm die Information ans Gericht nicht ein. Dazu seien die Angaben zu spät gekommen, musste er sich vom Vorsitzenden Richter sagen lassen. Was Schmidt dem Angeklagten positiv anrechnete war dessen Geständnis: "Er hätte es uns schwerer machen können in der Hauptverhandlung."

Sie dauerte nur einen Tag und es wurden nur wenige Zeugen gehört. Einer von ihnen war der damalige Hausmeister der bestohlenen Firma. Dieser hatte am Morgen des 9. November 2015 die Männer auf frischer Tat ertappt. Ihr Fahrzeug, einen geräumigen Sprinter, hatten sie zu diesem Zeitpunkt erst zur Hälfte mit Reifen beladen.

Einer der Täter richtete ein Pfefferspray auf den Zeugen. Weil der sich zum Glück instinktiv abgewandt hatte, wurde er nicht in die Augen getroffen. Der Hausmeister war sich vor Gericht ziemlich sicher, dass das Spray von dem Mann benutzt worden war, der sich anschließend ans Steuer setzte.


Wer hatte das Pfefferspray?

Demnach wäre es David T. gewesen. Doch der hatte dies vorher auf Fragen des Gerichts vehement abgestritten. Er will nicht einmal gewusst haben, dass sein Freund ein Spray mit sich führte und hätte es auch nicht gebilligt. "Ich wollte etwas entwenden, aber niemanden verletzen", übersetzte die Dolmetscherin seine Worte.

Bei den Fahrten nach Bamberg und vor Ort will David T. jeweils Betäubungsmittel geraucht haben. Angeblich ist er seit seiner Scheidung im Jahr 2005 regelmäßiger Konsument von Betäubungsmitteln. Vom in Bamberg "verdienten" Geld will er sich Nachschub in Tschechien gekauft haben.

Ein Sachverständiger, der dem Prozess beiwohnte, schloss nicht aus, dass der Angeklagte in Folge seines Drogenkonsums an beiden Tattagen vermindert schuldfähig war. Diesem Umstand trugen die Richter laut Schmidt bei der Strafzumessung Rechnung. Den Wunsch nach einer Therapie in Deutschland erfüllten sie dem 37-Jährigen jedoch nicht. Sie bezogen sich wiederum auf den Sachverständigen, der von eher geringen Erfolgsaussichten ausging - nicht zuletzt wegen T.s schlechter Deutschkenntnisse.

Schmidt riet dem Angeklagten, sich in seiner Heimat um eine Entziehung zu bemühen. Wie er sagte, liegt der Bamberger Justiz bereits ein Auslieferungsantrag der slowakischen Behörden für den 37-Jährigen vor.
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