Landkreis Bamberg
Energiegewinnung

Reicht der Wind für Windkraftwerke in Bamberg?

Zu wenig Aussagekraft sehen Experten beim Fortschreibungs-Entwurf des Regionalplans Oberfranken-West. Die einen fordern Messungen, die anderen halten sie für nicht praktikabel.
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Dieser Ultraschall-Anemometer strahlt gebündelte Schallimpulse in die Atmosphäre.  Aus dem zurück gestreuten und empfangenen Schallsignal lassen sich Windgeschwindigkeiten von zehn Meter bis 200 Meter über Grund ermitteln. Foto: WSB Süd GmbH
Dieser Ultraschall-Anemometer strahlt gebündelte Schallimpulse in die Atmosphäre. Aus dem zurück gestreuten und empfangenen Schallsignal lassen sich Windgeschwindigkeiten von zehn Meter bis 200 Meter über Grund ermitteln. Foto: WSB Süd GmbH
So groß die Begeisterung für die Aufstellung von Windrädern mancherorts im Landkreis Bamberg auch sein mag - über die Möglichkeiten der Energiequelle Wind gehen sogar bei Experten die Meinungen auseinander. Selbst unter den möglichen Vorrangflächen des neuen Regionalplanes erkennt Thomas Foken, an der Universität Bayreuth Leiter der Abteilung Mikrometeorologie - also der Erforschung der untersten Atmosphärenschicht bis zur Erdoberfläche - "gute und weniger gute Flächen". Seriöse Projektentwickler indes wie Garrelt Brunken vom ebenfalls Bayreuther Büro "WSB" (steht für Wind-Sonne-Bio) glauben gar nichts und vertrauen nur Messergebnissen.

Gemessen worden aber ist - jedenfalls in jüngster Zeit - der Wind im Landkreis Bamberg nicht. "Weil der Scheßlitzer Stadtrat der Sache damals etwas reserviert gegenüber stand, haben wir vor Jahren einmal eine Messung gefordert. Der Projektant hat dann aber die Sache aus uns nicht bekannten Gründen nicht weiter verfolgt", sagt der Scheßlitzer Bürgermeister Franz Zenk. "Von einer aktuellen Messung weiß ich nix", sagt auch seine Königsfelder Kollegin Gisela Hofmann. Ihrer Kenntnis nach beziehen sich die Projektanten auf eine Messung, die 2007 bei der Aufstellung des Windparks "Hohenellern" vorgenommen worden ist, also der beiden Windräder mit Stahlgittermasten oberhalb des Ellerberges.

Ein Wert für den ganzen Landkreis


"Damals hat es am Umspannwerk Würgau eine Messung gegeben", erinnert sich Franz Stadter, einer der Grundstücksverpächter von "Hohenellern". Die sei über vier Monate gelaufen, auf das Jahr hochgerechnet worden und habe eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von knappen sechs Metern pro Sekunde ergeben. Ein Wert, der sich laut Stadter seitdem im Durchschnitt der Jahre in etwa bestätigt habe. Und ein Wert, auf den sich seitdem offenbar alle anderen Projektanten im Bamberger Land stützen.

Eine Windgeschwindigkeit von mindestens sechs Metern pro Sekunde im Jahresdurchschnitt ist die "Tax" bei WSB, das auch die oberfränkische Regionalplanung überprüft. "Darunter sehen wir keine Wirtschaftlichkeit" sagt der Mann mit dem schönen ostfriesischen Namen Garrelt Brunken. Viele, die trotzdem bauten, "wollen die Windmühlen nur aufstellen und suchen den Ausgleich anderswo", meint der Experte, der mit dem Wind aufgewachsen ist.

Bürgerräder "Augenwischerei"


Der Vorwand von Bürgerwindrädern sei allzu oft nur Augenwischerei - das Geld dafür könnten die Einwohner kleiner Orte nur in den wenigsten Fällen auch nur ansatzweise aufbringen. Weitere Prüf-Kriterien seien Zufahrtswege und Einspeisemöglichkeiten. Ein Beispiel für zu wenig Wind sei eine Vorrangfläche bei Drosendorf/Hollfeld.

"Mehr messen, mehr wissen" lautet die Devise Brunkens. Das gelte besonders in Schwachwindgebieten wie dem Bamberger Land. Dennoch sei die "Schwelle 6,0" möglich, man müsse nur suchen und dort Windmühlen bauen, wo es lohne. Eine solche Messung dauert ein Jahr, kostet rund 150.000 Euro, Beobachtung der Tierwelt inklusive.

Anders sieht das Professor Foken. "Eine einjährige Messung ist in der Praxis nicht zu machen", sagt er. Im Landkreis Bamberg wurde bisher auch nach seiner Aussage "nichts gemessen", die Angaben im Windatlas beruhten auf Erkenntnissen der Wetterwarte Bamberg. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit im Landkreis liege bei fünf bis 5,5 Meter pro Sekunde, am Albtrauf über sechs Meter. Den möglichen Vorrangflächen des Regionalen Planungsverbandes attestiert Foken "gewisse fachliche Mängel", nicht immer greife die nötige Fachkenntnis. "Vielleicht hat man hier einen Ertrag, vielleicht nicht". Im Landkreis Bamberg, der über ein hohes Windkraft-Potenzial verfüge, seien die Höhe zwischen Walsdorf und Bischberg, zwischen Merkendorf/Starkenschwind und Sassendorf sowie vor allem der Albtrauf ("Noch besser als andere") die Plätze mit den vermutlich besten Erträgen.
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