Bamberg
Markierungen

Rätselhafte Zeichen vor Häusern in Bamberg: Sind es Gaunerzinken?

Vor Bamberger Häusern sind angebliche Gaunerzinken aufgetaucht. Doch die Polizei gibt Entwarnung.
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Solche Zeichen sind nach Angaben von Anwohnern in der Inneren und Äußeren Löwenstraße, Hornthalstraße, Kleberstraße und Markusstraße vor Häusern angebracht worden. Foto: privat
Solche Zeichen sind nach Angaben von Anwohnern in der Inneren und Äußeren Löwenstraße, Hornthalstraße, Kleberstraße und Markusstraße vor Häusern angebracht worden. Foto: privat
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In der Innenstadt sind in den letzten Tagen ganze Straßenzüge mit Zeichen markiert worden. Nun fürchten einige Anwohner, demnächst von Einbrechern heimgesucht zu werden. Doch die Polizei ist sich sicher: Hier droht mit großer Wahrscheinlichkeit keine Gefahr.


Kleine schwarze Buchstaben, Zahlen und Zeichen

Es sind kleine schwarze Buchstaben, Zahlen, Zeichen oder eine Kombination aus diesem. Angebracht sind sie auf Gehsteigen vor den Häusern, hinter Hecken oder auf Briefkästen. Aufgetragen werden sie in der Regel mit Kreide, die sich leicht wieder entfernen lässt. Doch was auf den ersten Blick wie Kindergekritzel oder ein "böser" Jungenstreich ausschaut, sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. So wird zumindest in regelmäßigen Abständen in den Medien oder im Internet gewarnt. Denn in diesem Falle handelt es sich oftmals um sogenannte Gaunerzinken, in denen Einbruchsbanden Häuser markieren, in denen etwas zu holen ist.

Nun sind auch in Bambergs Innenstadt vermehrt solche Gaunerzinken aufgetaucht. Ganze Straßenzüge wurden rund um das Parkhaus Georgendamm und den Markusplatz derart markiert. "Nachdem wir aus dem Urlaub zurückgekommen sind, fiel uns ein Zeichen auf unserer Klingel auf. Dies wurde mit einem schwarzen Stift aufgemalt. Nachdem wir auf die Klingeln unserer Nachbarn schauten, entdeckten wir dort ebenfalls Zeichen", schildert eine betroffene Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Daraufhin hätte sie sich im Internet informiert und sofort in den Zeichen Gaunerzinken erkannt.

Nun fürchten die betroffene Person, aber auch andere Nachbarn, dass sie in der nächsten Zeit von Einbrechern heimgesucht werden könnten. Daher habe sie umgehend die Polizei informiert und ihre Beobachtungen mitgeteilt, wurde aber von einem der Beamten nach eigener Aussage mehr oder weniger "abgekanzelt".

Daraufhin wandte sie sich nun an die Lokalredaktion, mit der Bitte um Hilfe. "Vor allem sollten dadurch die Personen, die die Zeichen noch gar nicht entdeckt haben, gewarnt werden, besonders vorsichtig zu sein", so die aufgeregte Bürgerin. Denn so habe es erst jüngst in Lichtenfels nach Anbringen solcher Gaunerzinken eine große Einbruchserie gegeben.


Kein Zusammenhang erkennbar

Nach Nachfragen bei der Polizei jedoch kann hier mit größter Wahrscheinlichkeit Entwarnung gegeben werden. "Solche Gaunerzinken stammen aus dem Mittelalter, die meist vom fahrenden Volk angebracht wurden. Wir sind uns jedoch sicher, dass diese aktuell angebrachten Markierungen keine Einbrüche nach sich ziehen werden", versichert Holger Dremel, Pressesprecher der Bamberger Polizei. Zumal die Beamten keinerlei Zusammenhang nachweisen können zwischen sogenannten Gaunerzinken und Einbrüchen.

Die Bamberger Polizei habe sämtliche Fälle in Oberfranken und Bayern abgefragt und keinen einzigen Fall eruieren können, in dem vor einem Einbruch Gaunerzinken angebracht worden sind. Auch die angebliche Einbruchsserie in Lichtenfels kann die Polizei nicht bestätigen. "Lediglich im Jahre 2009 habe es nach Gaunerzinken einen Einbruch gegeben. Und der passierte nicht bei uns, sondern in Österreich", schilderte Holger Dremel.
In dem konkreten Fall in Bamberg jedoch gehe die Polizei eher davon aus, dass die Zinken, wenn überhaupt, von Bettlern gemacht wurden, um zu signalisieren, wo besonders christliche Menschen oder alleinstehende Frauen wohnen. Es könnte aber auch durchaus sein, dass die Markierungen einfach von Kindern im Rahmen eines Spieles oder einer Art Schnitzeljagd angebracht wurden. So wie einst vor einiger Zeit dies im Landkreis der Fall war.


Sehr auffällig angebracht

Dafür spräche unter anderem auch das sehr auffällige Anbringen der "Zinken", die sonst in der Regel eher versteckt angebracht werden. Zudem würden "Gauner" in der Regel keine schwer entfernbaren Stifte verwenden, sondern Kreide.

Daher rät die Polizei zur Gelassenheit und zur Entfernung der Markierungen. "Und sollten in den nächsten Tagen verstärkt Bettler auftauchen, sollte man davon absehen, diese finanziell zu unterstützen", empfiehlt der Polizist. Denn es handelt sich hier in der Regel nicht um bedürftige Menschen, sondern um organisierte Banden aus Rumänien.

Zum Thema Gaunerzinken stand uns Holger Dremel, der Pressesprecher der Polizeiinspektion Bamberg, im Kurzinterview Rede und Antwort.

Wie kann man Kindergekritzel von Gaunerzinken unterscheiden?
Holger Dremel: Genau genommen lässt es sich nur schwer unterscheiden. In der Regel verbirgt sich jedoch hinter den Zinken, der Geheimsprache der Landfahrer, eine Bedeutung. Ein Kreuz steht beispielsweise für: Hier wohnen besonders fromme Menschen oder ein A für eine alleinstehende Frau.

Wo und wie werden grundsätzlich Gaunerzinken angebracht?
Meist mit Kreide und verdeckt an Zäunen, Hauswänden oder Briefkästen. Weniger jedoch sofort sichtbar auf der Straße oder an Türklingeln.

Wie sichere ich mein Haus/Wohnung, wenn ich in Urlaub fahre?
Wichtig ist, dass mein Haus technisch sicher ist. Man sollte die Rollos auch auf unterschiedliche Längen zurücklassen, so dass es den Anschein erweckt, es wäre jemand zu Hause. Und besonders wichtig: seinen Urlaubsstatus nur zeitversetzt in Facebook oder anderen sozialen Netzwerken posten. Denn die Einbrecher lesen auch mit. Erst später posten. Und besonders auf dem Lande, aber auch in der Stadt ist es zudem sinnvoll, die Nachbar zu unterrichten und sie bitten, einen Blick auf Fremde zu werfen.

Woher haben "Täter" ihre Hintergrundinfos. Woher wissen diese beispielsweise, dass in einem Haus eine alleistehende Frau wohnt?
In der Regel haben die "Gauner" schon mal geläutet und mit den Personen gesprochen. Daher sind in der Regel in der Stadt auch fast keine Gaunerzinken zu finden, sondern mehr auf dem Lande. Da in den Häusern oftmals viele Parteien wohnen. Und auch hier gilt: Die Zinken werden von Bettlern und nicht von Einbrecher gemalt. Denn auf dem Lande betteln die Banden direkt an Privathäusern, in der Stadt hingegen zieht es sie mehr in die Fußgängerzone.

Wie reagiert die Polizei auf Gaunerzinken und Hinweise aus der Bevölkerung?
Die Polizei nimmt jede Mitteilung grundsätzlich zumindest informatorisch zur Kenntnis. In dem aktuellen Fall leiten wir aber keine weiteren Maßnahmen wie zusätzliche Streifen oder Warnungen an die Bevölkerung ein. Denn wie gesagt, es gibt keinen Nachweis zwischen einem Zusammenhang zwischen Gaunerzinken und Einbrüchen. Wieso sich hier die Gerüchte so hartnäckig halten, kann ich mir auch nicht erklären.

Die Fragen stellte Harald Rieger
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