Bamberg
Lange Straße

Radweg Lange Straße in Bamberg: Gab es schon einen Sturz?

Das Echo auf den Rückbau des Radwegs in der Langen Straße fällt unterschiedlich aus. Der ADFC begrüßt die Veränderung. Gastronomin Ulrike Beckstein ist als Anliegerin ebenso enttäuscht wie viele Radfahrer. Was halten Sie von dem Umbau? Hier können Sie abstimmen.
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Hier bleibt für Radfahrer wirklich nicht viel Platz: Lange Straße an der Engstelle der Einmündung Hellerstraße.   Fotos: Michael Wehner
Hier bleibt für Radfahrer wirklich nicht viel Platz: Lange Straße an der Engstelle der Einmündung Hellerstraße. Fotos: Michael Wehner
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"Die spinnen doch. Das ist eine eindeutige Verschlechterung." Die Radfahrerin im weißen Sweatshirt lässt wenig Zweifel, was sie von der umstrittenen neuen Verkehrsregelung in der Langen Straße hält. Dort wurde einem Beschluss des Stadtrats von 2012 folgend vor wenigen Tagen der schmale Fahrradweg, der teils auf dem Bordstein verlief, zurückgebaut, um den Gehweg zu verbreitern und die Aufenthaltsqualität für Passanten zu verbessern. Diese Woche hat die Stadt zur Verdeutlichung der jetzt gültigen Verkehrsführung weiße Fahrradkennzeichen auf die Straße gepinselt.

Freilich: Die Fahrradzeichen suggerieren ein Platzangebot, das es gar nicht gibt. An der schmalsten Stelle stehen in der Langen Straße für alle Verkehrsteilnehmer nur noch knapp vier Meter zur Verfügung. Ein Vorbeischlängeln von Radfahrern etwa an den breiten Stadtbussen ist ebenso unmöglich wie an Lastkraftwagen oder an breiten Pkw, sofern diese nicht ganz links fahren.

Bei Rad- aber auch Autofahrern in der Langen Straße ist die Verunsicherung spürbar. In einer nicht repräsentativen Umfrage dieser Zeitung hat sich von 165 Teilnehmern eine klare Mehrheit von 79 Prozent gegen den Rückbau ausgesprochen. Der Grund ist auch: Viele, die mit dem Drahtesel in der viel befahrenen Straße unterwegs waren, haben es als angenehm empfunden, rechts am häufig stockenden Autoverkehr zügig vorbei fahren zu können. Jetzt müssen sie sich in die Schlange einreihen, und es kommt natürlich auch zu dem Effekt, dass langsame Radler die Autofahrer unangenehm ausbremsen, weil diese nicht an ihnen vorbeikommen. Den Aussagen eines Stadtrats zufolge soll es sogar schon zum Sturz eines Radfahrers gekommen sein. Doch die Polizei kann das nicht bestätigen.

Freilich gibt es auch ganz andere Meinungen: Michael Schilling, Vorstand vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), sieht in dem Rückbau des Radwegs keine "Riesenverschlechterung". Seit Jahren kämpft der ADFC dafür, dass die Radfahrer im Verkehr mitfahren können. Der Verein glaubt, dass der Radverkehr in einer Stadt so sicherer vorankommt. Und besonders dem Radweg in der Langen Straße weint Schilling keine Träne hinterher: "Er war viel zu schmal. Man konnte nicht überholen."

Auch Bambergs Baureferent Thomas Beese ist überzeugt, dass sich die Radfahrer schnell an die neue Lösung gewöhnen werden. Er hat die Situation in der Langen Straße in den letzten Tagen immer wieder persönlich in Augenschein genommen und keine größeren Probleme feststellen können. "Ich habe es mir schlimmer vorgestellt und finde, dass die Radfahrer gut mit der neuen Verkehrsführung zurecht kommen."

Mancher Anlieger teilt diese Zuversicht der Stadt nicht. Ulrike Beckstein etwa, Betreiberin des gleichnamigen Kaffeehauses in der Langen Straße, kennt die Situation gewissermaßen aus der täglichen Nahperspektive und versteht, dass sich viele Radfahrer darüber aufregen, dass sich der für sie zur Verfügung stehende Platz deutlich verkleinert hat. "Das ist wirklich nicht gut gelungen", sagt Beckstein über das Ergebnis der Veränderung und widerspricht gleichzeitig dem Eindruck, dass es eine Forderung der Gastronomen gewesen sei, dass der Gehweg verbreitert wurde. "Wir haben das nie verlangt, und wir hätten gut und gerne mit dem vorherigen Zustand leben können."

Kurioserweise hat Beckstein auch erst in der Zeitung gelesen, dass demnächst der Radweg zurückgebaut werden würde. Sie war schon deshalb überrascht, weil sie erst vor zwei Monaten auf Anweisung der Stadtverwaltung die im Pflasterbelag einbetonierten Hülsen für ihre Sonnenschirme zehn Zentimeter nach rechts versetzen müsste, weil sie zu nah am jetzt nicht mehr existierenden Radweg standen. Die Kleinigkeit kostete nach ihren Angaben rund 2000 Euro.

Auch die Stadt hat sich in den vergangenen Tagen manchen ärgerlichen Kommentar anhören müssen. Die Architektin und Radfahrerin Marion Kolb etwa ist schockiert darüber, dass in einer Stadt mit ohnehin schon lückenhaftem Radwegenetz nun auch noch eine funktionierende Radwegeachse zurückgebaut wurde und die Zweiradfahrer "an der engsten Stelle auf die Straße gedrängt werden". Doch bei einer Anfrage im Rathaus hat sie nur zu hören bekommen, dass man dort das Sicherheitsrisiko als eher gering einstuft.

Kolb sieht das ganz anders. "Ich habe den Eindruck, dass die Beteiligten sich anhand eines Papierplanes einfach nicht vorstellen konnten, wie die Sache in der Wirklichkeit aussieht, das Problem wurde unterschätzt."
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