Bamberg
Protest

Psychotherapeuten fordern in Bamberg Reform ihrer Ausbildung

Am Gabelmann haben am Dienstagabend rund 120 Studierende und Psychotherapeuten auf schlechte Bezahlung trotz hoher Verantwortung in ihrer Ausbildungszeit aufmerksam gemacht. Sie fordern mehr Mitbestimmung ein.
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Am Dienstagabend wurde es laut am Gabelmann: Dort machten rund 120 Demonstranten auf die schlechten Bedingungen für Psychotherapeuten in Ausbildung aufmerksam.  Foto: Sebastian Martin
Am Dienstagabend wurde es laut am Gabelmann: Dort machten rund 120 Demonstranten auf die schlechten Bedingungen für Psychotherapeuten in Ausbildung aufmerksam. Foto: Sebastian Martin
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Am Dienstagabend hallte um 18 Uhr schrilles Pfeifen über den Gabelmann. Mehr als 120 Studierende und Psychotherapeuten in Ausbildung haben mit einer Demonstration auf Missstände in der psychotherapeutischen Ausbildung aufmerksam gemacht. Unter dem Motto "Schluss mit der Ausbeutung" forderten die Demonstranten mit Plakaten und Trillerpfeifen faire Bedingungen.

"Wir wollen vor allem auf die schwierige Situation im Psychiatrie-Jahr aufmerksam machen", sagte ein Student von der Fachschaft Humanwissenschaften der Uni Bamberg. "Oft sind Auszubildende hauptverantwortlich für die therapeutische Arbeit mit dem Patienten, obwohl sie nicht mal den rechtlichen Status des Praktikanten haben."

Wenig Lohn für Praktikanten

Innerhalb der Ausbildung müssen die Psychotherapeuten dieses Pflichtjahr in einer psychiatrischen Klinik erfüllen. "Sie arbeiten voll im Klinikbetrieb mit", sagt eine Psychotherapeutin in Ausbildung. Die Verantwortung für die Patienten sei hoch, die Bezahlung dafür unterirdisch. Knapp 200 Euro erhalte ein Praktikant einer Klinik. Die Ausbildung koste allerdings alleine rund 240 Euro im Monat. Die Auszubildenden seien dadurch oftmals gezwungen, einen Nebenjob aufzunehmen, um das zu finanzieren.

Sorgen um Grundsicherung

Die schlechten Bedingungen bekomme im Zweifel auch der Patient zu spüren. Immer mehr verlangten nach einer dringenden therapeutische Hilfe. Doch die Wartezeiten für einen ambulanten Platz seien mit drei bis sechs Monaten sehr lang. Sorgen um die Grundsicherung seien bei den Patienten vorhanden. Die mangelnden Ausbildungsbedingungen würden laut den Demonstranten nicht zu einer Beruhigung führen.

Entsprechend eindeutig formulierten es die jungen Protestierenden auf ihren zahlreichen Plakaten: "Ihr sitzt auf der Couch - wir sitzen auf der Straße". Oder: "Ihr kommt wegen Burnout - wir haben es schon", "wir arbeiten für 'n Appel und 'n Ei".

Die Demonstranten forderten neben einer besseren Ausbildungsvergütung grundsätzlich eine Ausbildungsreform an der die Psychotherapeuten in Ausbildung, die Psychologie- und Pädagogikstudenten mitarbeiten könnten.

Die Demonstration war Teil einer bundesweiten Aktion, die zeitgleich in mehreren deutschen Städten stattfand.


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