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Bamberg
Bamberger Kurzfilmtage

Preisträger haben keine Angst vor unbequemen Wahrheiten

Zwei Erkenntnisse lassen sich aus der Preisverleihung der 25. Bamberger Kurzfilmtage mitnehmen. Zum Einen schafften es in die Rezeption von Jury wie Publikum überproportional viele Filme, die sich mit Missbrauch und subtiler Gewalt auseinandersetzen. Das zeigt den Mut der Filmemacher zu einer argumentativen statt unterhaltenden Haltung, aber auch, dass die Zeit endlich für unbequeme Wahrheiten reif ist.
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Impressionen: Die Preisverleihung der 25. Bamberger Kurzfilmtage in Bildern. Foto: Ronald Rinklef
Impressionen: Die Preisverleihung der 25. Bamberger Kurzfilmtage in Bildern. Foto: Ronald Rinklef
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"Schwarze Schafe" von Magdalena Kugler zeigt aber auch, dass der Weg zur völligen Öffnung der Angelegenheit von Makroebene (Medien) zu Mikroebene (Familie) noch lange nicht erreicht ist. Für ihren Film über sexuellen Missbrauch innerhalb einer Familie bekam die Ansbacherin den Preis der Jugendjury.

Etwas komplexer verpackt hat das Thema Susann Maria Hempel. "Sieben mal am Tag beklagen wir unser Los..." ist eine fantastische Irrfahrt durch visuelle und auditive Erwartungen, gleichzeitig eine liebevolle Hommage an handwerkliche Filmkunst. Missbrauch in der thüringischen Provinz, eingesetzt in Küchendialoge, verpackt in eine mobile Installation aus Puppenhausaccessoires und verklebt mit verfremdeten Musikzitaten. Ein Meisterwerk experimenteller Filmkunst, das zurecht eben jenen Preis bekam.


Zum Anderen schwebte auch über den Bamberger Kurzfilmtagen der Geist der Aktion "Pro-Quote", die sich für eine stärkere Rolle von Frauen, vor allem im Bereich Regie, engagiert. Vielleicht hat das beiläufige Erwähnen der Quote in den letzten Wochen bereits Wirkung gezeigt, denn von sieben Preisen gingen fünf an weibliche Filmemacherinnen. Vielleicht brauchen die Preisträgerinnen aber auch keine Quote, weil sie von vorneherein verdammt gute Arbeit abliefern.

Christin Freitags "Jetzt Jetzt Jetzt" (Bester Spielfilm) taucht in den Konflikt aus sexueller Selbstfindung und falschen Loyalitäten. Einen sehr starken Beitrag lieferte Alina Cyraneks Film "Szenen eines Abschieds" (Bester Dok-Film) über Theaterproben einer weiblichen Seniorentheatergruppe, die mit unglaublicher Spiellust und Freude dem nahenden Tod und Abschied vom Leben trotzen.

Daraus folgt ein dritter Aspekt: Die Bamberger Kurzfilmtage spielen längst im Konzert der großen Kurzfilmfestivals; das zeigten nicht nur die Preisträgerfilme, sondern das durchgehend hohe Niveau aller Rollen.

Kinderpreis: "Zebra" von Julia Ocker

Oberfranken dreht auf: "Schatten der Vergangenheit" von Christian Schöfer

Preis der Jugendjury: "Schwarze Schafe" von Magdalena Kugler

Bester Spielfilm: "Jetzt Jetzt Jetzt" von Christin Freitag

Bester Anime/Experimentalfilm: "Sieben mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen" von Susann Maria Hempel

Bester Dokumentarfilm: "Szenen eines Abschieds" von Alina Cyranek

Publikumspreis: "Erledigung einer Sache" von Dustin Loose

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