Unter "erschwerten Bedingungen" verlief die Einweihungsprozedur an Litzendorfs neuem Bürgerzentrum: Die Ochsenbraterei verströmte einen verführerischen Duft, das Festbier war längst angestochen, die Kinder tollten zum Ergötzen der Zuschauer schon am munteren Ellernbach. Da war es gut, dass Bürgermeister Wolfgang Möhrlein alle Festredner zur Eile drängte: Eine knappe Stunde ließ er zu, dann musste zu dem glücklich abgeschlossenen Projekt alles gesagt sein, denn dann war der am Feuer gebrutzelte Ochse gar.

Gefeiert wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Einweihung des Bürgerzentrums in der Sackgasse "Am Wehr". Es besteht aus einem Bibliotheksgebäude, das mit seiner unsymmetrischen Form und der Haut aus goldfarbenem Streckmetall ein Glanzpunkt geworden ist. Damit korrespondiert gegenüber das Bürgerhaus mit fränkischer Anmutung und Fachwerkgiebel.

Im Bürgerhaus wird die Tourismuszentrale für die "Fränkische Toskana" eingerichtet. Außerdem bietet es Räumlichkeiten für bürgerliche Serviceeinrichtungen und einen Versammlungsraum, in dem die Arbeitskreise aus Kommunalpolitikern und engagierten Bürgern an der Zukunft ihrer Gemeinde feilen können. Für kulturelle Veranstaltungen wurde im senioren- und behindertengerechten Bibliotheksgebäude ein Raum vorgesehen, der gut 80 Besucher fassen kann.


Abenteuerspielplatz am Bach

Die Freifläche vor den Gebäuden ist für Open-air-Veranstaltungen konzipiert und der an diesem Areal vorbei fließende Ellernbach wurde in einen Gebirgsbach verwandelt. Die hohe Aufenthaltsqualität des durch ein Holzdeck abgegrenzte Areal werden die Litzendorfer bald zu schätzen wissen. Für Kinder entstand hier ein Abenteuerspielplatz in "Litzendorfs lebendiger Mitte". Und die ist nach dem Bezug des nahen Senioren- und Pflegeheims und der Freizeiteinrichtungen nebst dem Festplatz auf den Tanzwiesen nun komplett.

Bürgermeister Wolfgang Möhrlein bekannte, dass er noch vor drei Jahren nicht daran geglaubt hätte, dass Litzendorf in die Städtebauförderung von Bund und Land aufgenommen werde und sich an die Umsetzung solcher Ziele machen könne. Die Einigkeit im Gemeinderat und eine starke Bürgerschaft im Rücken hätten es aber ermöglicht, das ehrgeizige Stadtentwicklungskonzept zu verwirklichen: Verzicht auf 25 Hektar Bauerwartungsland und Konzentration auf die Stärkung des Zentrums. In sehr kurzer Zeit, so Möhrlein, seien dank der finanziellen Unterstützung des Staates und der wohlwollenden Begleitung der Regierung von Oberfranken große bauliche Maßnahmen umgesetzt worden: "Leuchtturmprojekte!" Von den künftigen Benutzern des Bürgerhauses erwartet Möhrlein Impulse für eine weitere positive Entwicklung der Gemeinde. Und die Bücherei unterstreicht das Bemühen um die Bildung. "Die ist uns Gold wert," versicherte der Bürgermeister. Niemand widersprach, als Möhrlein behauptete: "Bayern leuchtet, Franken strahlt und Litzendorf glänzt!"

Domvikar Christian Steger, der in St. Wenzeslaus schon den Festgottesdienst zelebriert hatte, übernahm die Segnung des Bürgerzentrums. Dabei erinnerte er an das Gleichnis Jesu von dem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen gebaut hat, auf dass es weder vom Wasser weggeschwemmt noch vom Wind umgeweht werden könne.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gelangte im Gedanken an den Aufbau Ost und mit Blick auf die glänzende Fassade des Bibliotheksgebäudes zu einer neuen Erkenntnis: "Endlich kann auch bei uns mal ein Haus vergoldet werden", schmunzelte er. Er freute sich, dass in Bayern rund 70 Prozent der Städtebauförderung dem ländlichen Raum zugutekommen. Litzendorf würdigte der Innenminister als "herausragendes Beispiel für ehrenamtliche Bürgerbeteiligung". Die Gestaltung der Zukunft sei hier nicht vom Rathaus verordnet, sondern auf breiter Basis von den Bewohnern entwickelt worden. Der Staat könne nur den Zuschuss geben und Unterstützung anbieten. Was daraus in Litzendorf geworden sei, nannte Herrmann "großartig".

Auch der Regierungspräsident von Oberfranken, Wilhelm Wenning, gestand: "Schön zu sehen, was aus dem Projekt geworden ist!" In der Stadtentwicklung seien die Staatsmittel gut angelegt, betonte Wenning. Eine Untersuchung habe ergeben, dass mit jedem Euro Förderung eine Investition von sieben Euro angestoßen werde. Dass es Litzendorf gelungen sei, viele aktive Bürger einzubinden, freute den Regierungspräsidenten besonders. So habe die Oberfrankenstiftung auch gerne einen Zuschuss von 350 000 Euro zu der Bücherei gegeben. "Litzendorf geht goldenen Zeiten entgegen," ist Wenning überzeugt.

"Sehr gut gelungen"

Beeindruckt zeigte sich auch Landrat Günther Denzler. Litzendorf sei eine der ganz attraktiven Gemeinden des Landkreises, sagte er und nannte es "sehr gut gelungen", das Alte zu bewahren und Neues zu wagen.

Der Vorsitzende des Vereins "Lebendiges Litzendorf", Hans Göldel, sieht nun die Aufgabe darin, Bürgerhaus und Bibliothek mit Leben zu erfüllen. Göldel richtete den Dank der Bürger an die politisch Verantwortlichen, dass es in so kurzer Zeit und in herausragender Weise möglich geworden sei, Litzendorfs Mitte derart aufzuwerten. Die Leiterin der Gemeindebibliothek, Irene Stumpf, dankte ihren "Golden Girls" vom Büchereiteam für die Hilfe beim Umzug und lud zu einer ersten Dichterlesung ein.

Natürlich war auch der Schlüssel gülden, den Stephan Häublein von den H2M-Architekten symbolisch dem Bürgermeister übergab. Doch damit nicht genug: Als Zeichen der Verbundenheit schenkte Häublein dem Büchereiteam ein Laptop zur Arbeitserleichterung. Und dann endlich kam der Ochse an die Reihe und durfte die Bevölkerung durfte die neuen Einrichtungen kennenlernen.