Rattelsdorf
Schöffengericht

Diebstahl von Luxusautos: Plötzlich war die Garage leer

Zwei Ungarn haben im Februar in Ebing zwei Luxuskarossen gestohlen. Sie wurden am Dienstag verurteilt.
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Zwölf Zylinder unter der Haube: der Aston Martin  Foto: Seibold
Zwölf Zylinder unter der Haube: der Aston Martin Foto: Seibold
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Die Autodiebe waren schnell, aber nicht schnell genug: Als Gerhard Seibold am 5. Februar 2016, kurz nach Mitternacht, bemerkte, dass ihm gerade seine beiden Autos der Luxusklasse im Gesamtwert von 175.000 Euro vor dem Haus beziehungsweise aus der Garage gestohlen worden waren, wählte er sofort den Notruf. Extrem schnell war auch die Polizei: Höchstens 20 Minuten später stoppte sie die Autodiebe auf der teilweise abgeriegelten Autobahn A 70 bei Würgau. Die Fahrzeuge wurden abgeschleppt und nach Abschluss der Spurensicherung ihrem Besitzer zurückgegeben.

Soweit die Kurzfassung einer Kriminalgeschichte, die für den Geschädigten, den Tiefbauunternehmer Gerhard Seibold aus Rattelsdorf, Ortsteil Ebing, gut ausgegangen ist. Der Schaden, der ihm zunächst bleibt, ist einigermaßen überschaubar: Es sind schätzungsweise 2000 bis 3000 Euro für die Reparatur am Türschloss und an einem Schrank im Eingangsbereich seines Hauses, in das die Täter mit brachialer Gewalt eingedrungen waren.


Zufallsfund Aston Martin

Gleich im Flur hatten sie die Schlüssel für den Mercedes Benz der Oberklasse gefunden, den sie möglicherweise im Auftrag - was in der Hauptverhandlung zwar vermutet, aber nicht geklärt werden konnte - als Beutestück ins Visier genommen hatten. Dabei fielen ihnen noch andere Schlüssel in die Hände: die eines englischen Sportwagens der Marke Aston Martin. "Ein Zufallsfund", glaubt der im Zeugenstand vernommene Sachbearbeiter der Bamberger Kriminalpolizei. Anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, mit dem Mercedes und dem Mietwagen, mit dem sie aus Ungarn gekommen waren, nach Tschechien zu fahren, setzten sich die Männer in die beiden Luxuswagen und brausten davon. Das Mietauto ließen sie auf dem Aldi-Parkplatz in Breitengüßbach stehen.

Dass Besitzer Seibold so schnell reagieren konnte, lag vor allem daran, dass der großvolumige Motor seines Aston Martin charakteristisch röhrt. Anders als beim Mercedes konnte er den Sportwagen beim Wegfahren nicht überhören.

Die Autodiebe sind zwei Ungarn im Alter von 37 und 26 Jahren, von denen der ältere bereits vor vier Jahren am Amtsgericht in Pirna wegen Autodiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden war. Sein jüngerer Komplize ist - zumindest nach deutschem Recht - nicht vorbestraft. Dass dieser vor Gericht kein "Profi" ist, merkten die Prozessbeteiligten sofort. Er begann seine Vernehmung damit, einen unbekannten Polen als Drahtzieher ins Spiel zu bringen und leugnete, die Tür aufgebrochen zu haben: "Das waren nicht wir." Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Rudolph, hatte mit dem Mandanten größte Mühe: "Er redet sich um Kopf und Kragen."

Erst als Richterin Marion Aman, Vorsitzende des Schöffengerichts, dem Angeklagten vorhielt, dass die Polizei im Mietwagen eigens angefertigtes Aufbruchswerkzeug gefunden hat und dem Mann klar machte, dass bei drei Beteiligten von einer Bande ausgegangen wird, gegen die deutlich höhere Strafen verhängt werden müssen, kam der Mann zur Vernunft. Das zaghafte Geständnis der beiden Angeklagten reichte dann soweit aus, dass mehrere geladene Zeugen nicht vernommen werden mussten, beispielsweise ein DNA-Spezialist aus Köln.

Der Grund, den die Männer für ihren Beutezug nach Ebing angaben, war dürftig genug. "Die Wahrheit ist, dass wir wirklich Drogen genommen haben." Die Polizei hatte allerdings nach ihrer Festnahme keinerlei Anzeichen für Drogenkonsum gefunden. Viel wahrscheinlicher ist, dass die zwei Familienväter und Gelegenheitsarbeiter mit dem Stehlen wertvoller Autos ihren Lebensunterhalt aufbessern wollten. Rechtsanwalt Thomas Gärtner, der den älteren Täter vertrat, sagte in seinem Plädoyer, dass die Lebensverhältnisse in Ungarn trotz EU-Mitgliedschaft für viele Menschen noch so schlecht seien, dass es "gewisse Versuchungen" gebe.

Mit den Urteilen - zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe für den jüngeren sowie drei Jahre und neun Monate für den älteren Täter - blieb das Schöffengericht nur jeweils einen Monat unter den Anträgen von Staatsanwalt Peter Bauer.
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