Sie sind nicht nur Sänger, sondern auch ein talentierter Tänzer. Was war eigentlich zu erst da, das Tanzen oder das Singen?
Peter Kraus: Streng genommen das Tanzen. Ich bin mit 14 Jahren in einen Steppunterricht in München gegangen. Das hat mich damals sehr begeistert. Im Grunde genommen war damit das Tanzen vor dem öffentlichen Singen da.

Ihr Vater war selbst Sänger, Schauspieler, Produzent und Regisseur. Haben Sie von ihm Ihre Talente in die Wiege bekommen? Und vor allem hat er von Ihnen erwartet, dass Sie in seine Fußstapfen treten?
Ich habe viel von meinem Vater geerbt, ihm aber auch viel abschauen können. Denn er war wie alle Künstler damals sehr vielseitig. Er musste rund um die Uhr arbeiten, denn das große Geld gab es zu jener Zeit noch nicht zu verdienen. Und irgendwie war er auch schon der treibende Punkt, der mich gerne vorgeführt hatte. Ich war noch keine zehn Jahre alt, als wir schon gemeinsam auf Partys oder beim Heurigen Wiener Lieder sangen. Daher hat er mich sicherlich ein Stück weit im netten Sinn in die Richtung getrieben.

Ist es leichter zu einem Vater, der selbst in der Branche, ist zu sagen, man möchte Berufsmusiker werden oder rät der einem eher ab, weil er genau weiß wie das Business abläuft?
Da mein Vater branchenkundig war, hat er mir auch sehr helfen können. Zudem war er auch ganz scharf darauf, dass ich als Künstler weitermache. Nur meine Mutter war bodenständiger. Sie stammte aus einer Metzgerfamilie heraus, während der Vater meines Vaters selbst Kunstmaler war. Bei meinem eigenen Sohn, der zwar jetzt mit mir auf Tournee geht, bin ich jedoch gar nicht so scharf darauf, dass er viel singt. Denn der Musikmarkt ist inzwischen sehr schwierig geworden. Ich könnte ihn daher auch nicht sehr viel helfen.

Am Anfang agierten Sie auch als Schauspieler. Dann hatte aber Musik sich bei Ihnen durchgesetzt. Warum?
Ich habe festgestellt, dass das unmittelbare Echo, das man nach einem Bühnenauftritt vom Publikum bekommt, das Schönste ist. Bei meinen zahlreichen Fernsehshows stand ich nur vor Kameras, ohne Publikum. Hier hat mir etwas gefehlt.

Dennoch haben Sie zahlreiche Filme gedreht. Welche Erinnerung verbinden Sie mit jener Zeit?
Es war eine ganz tolle Zeit. Ich war mit 16 Jahren auf der Schauspielschule angemeldet, konnte sie aber nicht besuchen, weil ich Gesangskarriere machte. Dennoch habe ich mit großen Schauspielern wie Heinz Rühmann oder Hans Albers zusammen gedreht. Das war für mich als Steppke eine große Sache.

Und warum haben Sie sich als Musiker ausgerechnet dem Rock'n'Roll verschrieben?
Durch meinen Vater bin ich mit amerikanischer Musik aufgewachsen. Bis auf einige Operettenliedern oder ein paar Wiener Lieder hatte ich von deutscher Musik oder deutschem Schlager überhaupt keine Ahnung. Und als ich meine ersten Rock´n´Roll Lieder hörte, war ich total begeistert, dass ein jemand für uns junge Menschen Musik machte. Allerdings wurde die Musik von unseren Eltern abgelehnt und oftmals wurde sie als schrille Negermusik abfällig tituliert.

Erinnern Sie sich noch an ihre ersten Auftritte?
Ja, klar. Ich hatte nicht so viele. Ich hatte einen legendären Auftritt und dann über Nacht Karriere gemacht. Es war damals ein Auftritt mit Hugo Strasser und Max Gregor. Danach bin ich lange Zeit mit Max Gregor durch die Lande gezogen. Damals musste man sich sein Publikum noch regelrecht erspielen. Es gab kein Wetten dass, wo man auftrat und danach einem Halbdeutschland kennt. Wir haben von München aus einen Feldzug hinauf bis an die nördliche Grenze geführt. Es war eine sehr spannende Sache.

Die 50er Jahre müssen auch für Sie eine wilde Zeit gewesen sein. Mädchen bekamen Weinkrämpfe und bemalten ihr Auto mit Lippenstift. Vermissen sie jene Zeiten und was ist Ihnen hiervon besonders in Erinnerung geblieben?
(lacht) Vermissen tue ich sie nicht, schließlich war sie mit guten acht Jahren lang genug. In dieser Zeit hat man alles erlebt, was man in dieser Richtung erleben kann. Zudem wird man ja auch ein bisschen älter und reifer. Aber sicherlich denke ich gerne daran zurück. Sehr lebendig sind mir auch meine Konzerte in Erinnerung. Damals gab es noch keine Sicherheitsbeamten und Bodyguards. Ich hatte mir mit meinem Gitarrenkoffer meinen Weg durch die Menschenmenge gebahnt. Es war auch normal, dass die Mädels im Hotelzimmer standen und warteten. Es gibt hunderte Geschichten aus jener Zeit. Einmal beispielsweise hat sich ein Mädel vor mein Auto geworfen und gebeten, ich solle sie überfahren. Ich habe viele lustige und verrückte Sachen erlebt.

Sie gingen dann als der deutsche "Elvis Presley" in die Geschichte ein. Ehrte Sie diese Auszeichnung oder war es vielmehr ein Druck für Sie, da Sie ständig mit dem großen Vorbild verglichen wurden?
Dieser Beiname war am Anfang für mich sensationell gut. Dadurch hatte ich schnelleren Ruhm erlangt. Allerdings war dieses Kompliment nicht ewig lustig. Ich habe dann lustigere wie Schluckauf-Sänger und dergleichen bekommen. Auch habe ich nie versucht, Elvis zu imitieren oder zu kopieren. Mich hat vielmehr seine Art von Musik und sein Teenager-Idol interessiert. Ich habe ihn aber leider nie persönlich kennengelernt.

In den 60er Jahren hatte jedoch ihre Karriere einen kleinen Knick gemacht. Wie kam es dazu?
Viele Musiker hatte damals eine Auszeit gehabt. Es war die Zeit der Beatles und der Rolling Stones. Selbst Künstler wie Tom Jones waren plötzlich nicht mehr gefragt. Getreu dem Motto 'Vier Typen reißen mehr Mädels als einer' waren eben Gruppen angesagt. Es war eine etwas schwierige Zeit. Ich habe damals Theater gespielt und die Zeit genossen, meine Gedanken zu sammeln. Auch habe ich versucht, etwas zu finden, wie ich wieder groß reinkommen könnte, was mir dann auch gelungen ist.

Wie haben Sie den kurzzeitigen "Abstieg" verarbeitet und verkraftet?
Da ich aus einer Künstlerfamilie entstamme, war ich darauf irgendwie vorbereitet. Mein Vater hat immer gesagt, man muss wie ein Apothekerschrank sein, mit vielen Schubladen und in jeder muss etwas drin sein. Damit hat er mich bereits in jungen Jahren zu einer Vielseitigkeit geimpft. Und ich glaube nur mit dieser kann man sich auch wirklich über die Jahre halten.

Mit 70 Jahren gehen Sie noch fleißig auf Tournee und stecken sicherlich an Sportlichkeit noch so manchen jüngeren Menschen in die Tasche. Wie halten Sie sich so fit?
Durch sehr viel Bewegung. Allerdings bewege ich mich aus Freude heraus und baue die Bewegung in mein Alltagsleben ein. Ich gehe nicht ins Fitnesszentrum, putze aber meine Zähne beispielsweise auf einem Bein stehend oder springe Trambolin während ich telefoniere. Ich habe auf meiner Tournee auch sechs Musical-Darsteller dabei, die um die 30 Jahre alt sind. Mit denen werde ich dann tanzen. Das ist sicherlich wieder eine Herausforderung. Die werden mir richtig Zunder geben. Das macht aber dann auch Spaß.

Haben Sie auch schon mal an Ruhestand gedacht?
Ich habe mir derzeit schon etwas viel aufgehalst. Erst mein Buch, dann eine neue Platte und jetzt die Tournee mit 58 geplanten Vorstellungen. Danach werde ich mich sicherlich für ein paar Monate zurückziehen. Aber so ein echter, kompletter Rückzug ist derzeit nicht vorgesehen. Solange es mir körperlich so gut geht und ich Erfolg habe, werde ich schon noch weitermachen.

Das Interview führte Harald Rieger

Infobox
Peter Kraus gastiert am 02. März um 20 Uhr in der Stechert Arena. Karten sind erhältlich bei der telefonischen Hotline unter der Nummer 0951/2 38 37 oder im Internet unter www.kartenkiosk-bamberg.de