Bamberg
Obere Brücke

Obere Brücke in Bamberg ist schon wieder ein Sanierungsfall

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Im Stadtrat wurde bekannt, dass Teile des neuen barrierefreien Belags schon wieder herausgebrochen werden müssen.
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Deutlich sichtbar: Das seitliche Gefälle ist zu stark.  Foto: Ronald Rinklef
Deutlich sichtbar: Das seitliche Gefälle ist zu stark. Foto: Ronald Rinklef
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Die Obere Brücke ist seit Ende August fertig - und ist es doch wieder nicht. Dafür, dass das Bauwerk noch vor der Sandkirchweih abgeschlossen werden konnte, gab es jetzt im Bausenat viel Lob - aber nicht nur. Denn hinter verschlossenen Türen beriet das Gremium notgedrungen auch über die Schattenseiten der von vielen aufmerksam und manchmal auch argwöhnisch beäugten Sanierung.

Ein Fakt, der nach aller Kritik neue Vorwürfe laut werden lassen dürfte: Kaum ist die Baumaßnahme fertig, müssen die meisten Granitplatten auf der Westseite der Brücke schon wieder herausgenommen werden. Grund ist die nicht nur von Rollatorenfahrern bemängelte Neigung der großen Gehwegplatten zueinander. Das Gefälle liegt vor allem auf der Westseite der Brücke mit sieben Prozent weit über der zulässigen Norm - ein Eindruck, der sich schon beim ersten Gang über die Brücke aufdrängte.

Augen zu und durch? Aus Sicht des Stadtrats ist es unvermeidlich, dass der falsch verlegte Brückenbelag "schnellstmöglich" ausgetauscht wird, was mit erneuten Sperrungen verbunden sein dürfte.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Kosten für die Neuverlegung muss, so dringt aus der nichtöffentlichen Sitzung, die Baufirma tragen, deren Subunternehmen die Platten fehlerhaft verlegt haben soll.

Aber auch sonst scheint die Sanierung der Oberen Brücke ohne die vormals bei Bamberger Brückenprojekten häufigen massiven Kostenmehrungen abzulaufen. Baureferent Thomas Beese betonte in der Sitzung gar, dass es nach derzeitigem Erkenntnisstand gelungen sei, das Budget um 100.000 Euro zu unterschreiten, und zwar trotz zusätzlicher Leistungen, der Mehrkosten für das wiederholt eingeschränkte Baufeld und des Dauerregens im Frühsommer. Freilich wird dieser Umstand dadurch relativiert , dass das Angebot der Baufirma um 200.000 Euro unter dem Budget gelegen haben soll.

Bei der Einschätzung, ob die Sanierung der Oberen Brücke nun gelungen sei oder nicht, prallten im Stadtrat unterschiedliche Meinungen aufeinander. Ausgesprochen positiv fiel die Beurteilung von CSU-Sprecher Franz-Wilhelm Heller aus. Er bedankte sich bei derVerwaltung dafür, dass die "umstrittene Baustelle" zeit- und kostengerecht fertiggestellt worden sei. Abgesehen von einigen Mängeln sei das Ergebnis gut, sagte Heller.

Auch Heinz Kuntke (SPD) sprach von einer "sehr schwierigen Baustelle". Das Ergebnis könne sich sehen lassen, was er vor allem als Ergebnis der intensiven Überwachung durch den Entsorgungs- und Baubetrieb wertete. "Hätte sich der EBB nicht so gekümmert, dann wäre das Ganze aus dem Ruder gelaufen", sagte Kuntke.

Diametral gegensätzlich klingen die Einschätzungen aus den anderen Fraktionen. So hat es Sprecherin der GAL-Fraktion, Ursula Sowa, nicht verstanden, weshalb die Bauverwaltung nicht schon zu einem Zeitpunkt die Reißleine gezogen hat, als bereits erkennbar war, dass Platten und Pflaster handwerklich fehlerhaft verlegt würden. Die Ausführung der Arbeiten sei so schlecht geraten, "dass es der Sau graust", machte Sowa ihrem Unmut Luft. Damit zielte sie auf Pflasterflächen im Umfeld des Brückenheiligen und vor allem die "Schmetterlingsflügel" des barrierefreien Belags. "Das ist ja für Rollstuhlfahrer schon wieder gefährlich", lautet ihr Fazit.

Zum großen Rundumschlag holte Norbert Tscherner vom Bürger-Block auf. Er listete eine ganze Reihe von "Verfehlungen" auf - von der Tatsache der späten Anliegerinformation, dem selbst gesetzten Zeitdruck bis zur fahrlässig schwachen Überdeckung der Lehrrohre auf der Brücke. Auch mit der aus seiner Sicht nicht vorhandenen Abdichtung der Brückenwiderlager kann sich der frühere Bauunternehmer nicht abfinden. Sein Fazit: "Mit weniger Zeitdruck wäre der Pfusch vermeidbar gewesen."

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