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Bamberg
Sanierung

Obere Brücke: Auch Geschäftsleute auf der anderen Seite betroffen

Nach vier Wochen Totalsperrung zeigt sich: Auch die Gewerbetreibenden auf der Domseite haben weniger Kundschaft.
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Die Geschäftsleute Mirco Biasini (rechts) und Robert Lorang haben auch dort weniger Kundschaft, wo gar keine Baustelle ist.  Foto: Matthias Hoch
Die Geschäftsleute Mirco Biasini (rechts) und Robert Lorang haben auch dort weniger Kundschaft, wo gar keine Baustelle ist. Foto: Matthias Hoch
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Mit Baustellen kennt sich Mirco Biasini aus - genauer gesagt: Mit Baustellen vor Eisdielen, die an Bamberger Brücken liegen. Biasini ist sowohl Inhaber des Eiscafé Bassano an der Ecke Obere Königstraße/Kettenbrücke, als auch des Bassanese direkt am Alten Rathaus.

An der Kettenbrücke fällt Biasini derzeit wegen einer größeren Baustelle die gesamte Freischankfläche weg. Am Alten Rathaus dagegen darf er sogar mehr Tische und Stühle raus stellen als üblich, eine Sondererlaubnis der Stadt. "Die Filiale an der Karolinenstraße ist eine, die sehr wichtig ist für unseren Betrieb", sagt der Geschäftsmann.

Doch genau die schwächelt, um geschätzte 50 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen. Zwei Gründe macht der Betreiber dafür aus: Zum einen das bisher eher Eisdielen-unfreundliche Wetter. Zum anderen: "Die Laufkundschaft fehlt." Das tut sie, weil auf der anderen Seite des Alten Rathauses gebaut wird.

Die beiden inselseitigen Bögen der Oberen Brücke auf der Obstmarkt-Seite müssen relativ kurzfristig wegen starker Durchfeuchtungen saniert werden. Am 4. April begannen die Bauarbeiten, bis zum 22. Juli sollen sie beendet sein. Zwei Mal muss die historische Brücke für mehrere Wochen komplett gesperrt werden, die erste Phase läuft aktuell und soll am 13. Mai aufgehoben werden. Dann können Fußgänger zumindest auf einem schmalen Streifen wieder das alte Brückenrathaus passieren.

Ein Tag, auf den die Geschäftsleute auf beiden Seiten der Brücke hin fiebern. Heiner Wohlfart ist Sprecher der Interessengemeinschaft und sagt klar: "Jeder Tag, an dem ein Durchgang möglich ist, ist für uns eine Entschärfung." Viele seiner Kollegen würden bereits über Einbußen im Vergleich zu den Vorjahren klagen. Deswegen wollen Geschäftsleute wie Stadtverwaltung mit verschiedenen Aktionen Kunden in die Läden an der Baustelle locken.


Kulturprogramm auf der Brücke

So trat unter dem Stichwort "Kulturprogramm auf der Oberen Brücke" am vergangenen Donnerstag das Musiker-Duo Florian Berndt und Ben Werchohlad direkt vor dem Bauzaun auf der Seite der Inselstadt auf, am 6. Mai bespielen die beiden auch die Seite der Bergstadt.

Dort können Fußgänger den Brückenbogen sogar direkt bis zum Alten Rathaus hinauf laufen - aber eben nicht mehr durch. Und zwar nicht nur Touristen, sondern auch Bamberger. Robert Lorang vom gleichnamigen Antiquariat beschreibt anschaulich: "Das waren die, die morgens durch die Brücke in die Stadt laufen, im Eiscafé einen Cappuccino trinken und danach noch bei uns vorbeigeschaut haben."

Die "Zufallskäufe" seien weg gefallen, doch genau davon lebt Lorangs Antiquariat nach eigenen Angaben. Hinzu käme, dass Passanten auf der Bergseite der Brücke sofort sähen "da ist zu", und sich den Schlenker zu den Geschäften sparen würden. Trotzdem: "Ich mache das seit 25 Jahren. Vier Monate dürfen jetzt nicht existenzentscheidend sein."

Sowohl Lorang - der ebenfalls mehr Ware draußen anbieten darf als üblich - als auch sein Nachbar Biasini von gegenüber - zeigen sich zuversichtlich. Sogar für die Stadtverwaltung ist verhaltenes Lob zu hören, nachdem es anfangs von Seiten der Geschäftsleute heftige Kritik gehagelt hatte, weil sie zu spät von der unmittelbar bevorstehenden Baumaßnahme erfahren hatten.

Mittlerweile "hat sich die Stadt mit ihrer Informationspolitik sehr reingehängt", so Lorang. Zwei Mal pro Woche schaue eine Dame von der Wirtschaftsförderung vorbei. Am Freitagmittag haben Mitarbeiter des Entsorgungs- und Baubetriebs (EBB) ein Werbeschild aufgestellt, das eigens auf die Läden am bergseitigen Bogen der Oberen Brücke hinweist.


Baufortschritt auf anderer Seite

Auf der anderen Seite der Regnitz sollen ebenfalls bald Banner auf die Geschäfte aufmerksam machen, bunte "Fußtapper" und gelbe Wimpel sind bereits angebracht. Gerne genutzt wird offenbar auch der Bilderrahmen-Bauzaun, durch den Gäste direkt zusehen können, wie die Baustelle voran kommt.

Ja wie eigentlich? Der erste Satz von Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt, lautet: "Wir sind absolut im Zeitplan. Die Aufhebung der Vollsperre am 13. Mai ist nach aktuellem Stand gewährleistet." Aus der Meldung der Baufirma zitiert sie: "Demontage des Pflasters, Erdaushub und Freilegen des Sandsteinbogens weitestgehend abgeschlossen." Das war am Freitagnachmittag. Diese Woche soll "Auffüllmaterial eingebracht werden" und "erste Arbeiten für die Betonplatte" sollen erledigt werden.

Das bedeutet laut Siebenhaar auch: "Der Bauzaun wird ein Stück weiter in Richtung Obstmarkt verschoben." Das sei notwendig, weil die Widerlager der Brücke bis zu den beiden ersten Häusern am Ufer reichen.
"Für die Abdichtungsmaßnahmen müssen wir sehr dicht ran." So dicht, das die Hauseingänge der Anwesen mit den Nummern 2 und 3 kurzzeitig nicht mehr erreichbar sein werden - ausgenommen natürlich für die Eigentümer.