Bamberg

Nonnen und Mönche trafen sich zum Ordenstag

Fast 200 Ordensleute aus dem Erzbistum Bamberg trafen sich zu ihrem Ordenstag im Pfarrzentrum St. Urban. Sie beschäftigten sich mit den Veränderungen vor und hinter Klostermauern nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
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Nach dem Vortrag der Theologin Ute Leimgruber tauschten sich die Ordensleute in Kleingruppen über das Gehörte aus. Foto:  Marion Krüger-Hundrup
Nach dem Vortrag der Theologin Ute Leimgruber tauschten sich die Ordensleute in Kleingruppen über das Gehörte aus. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Heutzutage können Ordensleute über einstige Absonderlichkeiten ihres Standes spötteln. So merkt etwa die Dillinger Franziskanerin Jutta Müller aus dem Bamberger Montanahaus die "Kleiderfrage" an, die ihren Orden nach dem Konzil beschäftigte. Galt vorher die überdimensionale Flügelhaube als äußeres Merkmal, so sei dann die "hübschere", kleinere Version in Mode gekommen: "Ich war aber die einzige in unserer 80-köpfigen Gemeinschaft, die anfangs die neue Haube und das neue Kleid trug", erinnert sich Schwester Jutta kopfschüttelnd.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat für die Ordensschwestern und -brüder aber weitaus mehr erreicht als bloß die Änderung des Habits. Das bestätigten die fast 200 Ordensleute aus dem Erzbistum Bamberg, die zu ihrem traditionellen Ordenstag in das Pfarrzentrum St. Urban gekommen waren.

Nicht grundlos konnte ihnen Domkapitular Norbert Jung, Ordensreferent im Erzbistum, versichern: "Sie sind die Avantgarde (Vorkämpfer) in der Kirche, die uns sagen kann, wie es weitergeht." Denn das, was innerkirchlich an Diskussionen über Strukturveränderungen, Zusammenlegungen von Pfarreien oder Mitgliederschwund abläuft, haben die Orden schon längst hinter sich: "Orden gehen der Kirche voraus und haben eine Vorbildfunktion", betont Schwester Claudia Köberlein, Mitarbeiterin im Ordensreferat des Ordinariates.

Stets notwendige Erneuerung

Orden schafften die stets notwendige Erneuerung auf geistliche Weise: "Das Wort Gottes, das Evangelium muss unsere Zukunft sein mit dem Personal, das wir haben", begegnet Schwester Claudia dem vielerorts fehlenden Ordensnachwuchs.

Sie war sich mit Referentin Ute Leimgruber (38) einig, die zum Nachdenken über "die von Gott geschenkte Sendung in die Welt von heute" einlud. Die habilitierte Pastoraltheologin, Studienleiterin bei "Theologie im Fernkurs" Würzburg, entfaltete pointiert, warum das Ordensleben nach dem Konzil reformiert werden musste.
Leimgruber konstatierte "verzopfte Gewohnheiten, allgemeine Schwerfälligkeit, reaktionären Selbstsicherungswillen", die dank mehrerer Konzilsdokumente zu den Orden der Vergangenheit angehörten.

"Das Konzil bedeutete für die Ordensleute eine Revolution", meinte die Rednerin. So habe das Dokument "Lumen gentium" beispielsweise die Berufung aller Christen und Christinnen zur Vollkommenheit betont und damit zwangsläufig das spezielle Vollkommenheitsideal der Ordensleute aufgehoben.

Dem modernen Leben anpassen

Allerdings habe das Ordensleben einen "Zeichencharakter in den verschiedenen Lebensformen der Kirche", und zwar in der "Spannung zwischen Anpassung und Bewährung, zwischen Neuerungen und Treue zum Alten, zwischen Institution und Spiritualität, Autorität und Freiheit, Weltentsagung und Sendung in die Welt von heute", so Leimgruber. Die Orden sollten Kenntnisse und Verständnis für die heutige Welt entwickeln sowie ihre Lebensweise und ihr Apostolat an das moderne Leben anpassen. Eine Anpassung, die jedoch durch eine geistliche Erneuerung beseelt werden müsse.

Ein "Universalrezept für eine zeitgemäße Erneuerung" wollte die Theologin nicht anbieten. Sie warb aber darum, "ganz fest Gott und Jesus Christus und die Menschen" im Blick zu haben. Ordensleben sei "kein besserer, wertvollerer Weg als andere Wege", so Leimgruber. Aber für manche Menschen "ist es der einzige Weg, zutiefst vom Willen Gottes erfüllt, lebendig zu werden".

Werkzeug Gottes für alle

Der Bamberger Karmelitenpater Eduard Sebald nickte zustimmend: "Ich habe den Auftrag an uns Ordensleute, in Wort und Tat Werkzeug Gottes für alle zu sein, verinnerlicht", sagt der 72-Jährige, der in diesem Jahr sein Goldenes Professjubiläum begehen konnte. Pater Eduard hat während des Konzils in Rom studiert: "Der Vortrag von Ute Leimgruber bestätigt meine Erfahrungen", gerade den Aufbruch und die Entwicklungen im Orden nach dem Konzil.

Auch Paulus-Schwester Christine Hirsch aus Nürnberg würdigt das Konzil, das "mir den bewussten Schritt in den Orden ermöglicht hat", sagt die 46-Jährige. Das Zweite Vatikanum habe ihr "klarer gemacht, was Ordensleben ist". Und darin "fühle ich mich wohl, liebe es jeden Tag mehr", lächelt die Ordensfrau. Schwester Christine hat heuer ihr 25-jähriges Professjubiläum gefeiert. Und gehört damit zu den Ordensjubilaren, die im Gottesdienst mit Erzbischof Ludwig Schick zum Abschluss des Ordenstages eine schön gestaltete Jubiläumskerze entgegen nehmen durften.
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